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  • Die nervenaufregende Überfahrt nach Fiji

    Eins vorweg: Wir sind alle heil nach knapp 12 Tagen Überfahrt in Fiji angekommen, die Ereignisse haben sich jedoch überschlagen. Aber nun der Reihe nach. Einen Tag nach meinem vierjährigen Jubiläum ging es zu viert auf die 12 bis 14 tägige Überfahrt von Maupiti, Französisch Polynesien nach Savusavu, Fiji. Dieses mal mit an Bord waren zwei Jungs (23jr. und 25jr) und eine 48jährige, alle ohne Segel Erfahrung. Braucht es eigentlich auch nicht zwingend, weil ich grundsätzlich das Boot alleine manövrieren kann, aber allein sein ist auch öde. Das Nötigste und Wichtigste erkläre in jeweils "on the job" und bei Interesse auch gerne mehr. Bei herrlichen Segelbedigungen ging es dann am Freitag 10. Juni 2022 los, wir hatten gute Winde und haben sogar den Parasailor (140qm grosser Genaker) gesetzt. Jedoch bereits am nächsten Morgen erwarteten uns relativ grosse Wellen, über Stunden starke Winde von 25 Knoten und mehr sowie bedeckter Himmel mit einigen durchziehenden Squalls (Regenschauer der meistens 10 bis 30 Minuten anhält und noch mehr Wind mitbringt). Da jedoch der Kurs vor dem Wind lag war dies gut handelbar. In der Nacht hatte ich bereits bemerkt, dass der Batterie Monitor, (zur Überwachung der verwendeter Leistung und Spannung der Batterie) ausgestiegen war, nicht weiter schlimm (jedoch gleich bisschen komisch), da ich die Spannung der Batterie am Laderegler der Solaranlage überprüfen kann. Dies geschieht heutzutage alles über eine App. Im Vergleich zu anderen Nachtfahrten sank jedoch die Spannung bereits in der ersten Nacht relativ weit. Ich begründete mir dies mit der häufigen Verwendung des Radars in der Nacht (zum lokalisieren der Regenschauer), dem bedeckten Wetter tagsüber und dem niedrigen Sonnenstand, da im Südpazifik der Winter begonnen hat. Am zweiten Tag kurz vor Sonnenuntergang erlischt dann der Kartenplotter und der Autopilot steigt aus - Päng! Vortan steht jemand am Steuer und steuert die Yum Yum nach Kompasskurs. Für diejenigen die nicht segelafin sind, ist anzumerken, dass der Autopilot zu 99% die Arbeit übernimmt und dies auch besser tut als jeder Mensch. Leider hat dies auch seine Tücken. Ich bemerke, dass irgend etwas an Bord unglaublich viel Strom zieht, dies erklärt auch meine Sorge, weshalb die Spannung der Batterie so tief war. Ich renne runter in den Saloon, schalte alles aus, was ich ausschalten kann. Nun ist es dunkel auf der Yum Yum, da die Sonne ist bereits untergegangen ist und das "try and error" Verfahren beginnt… Kühlschränke geprüft, da ein Schalter ein und wieder aus…. Wir finden rasch heraus, dass ein Gerät im Bund der Navigation die Ursache sein muss, aber was nur? Der Plotter und Autopilot sind ja bereits aus, da bleiben nur noch die Windanzeige und den Tiefenmesser übrig. Ich begreife es nicht, zerschlage mir den Kopf. Ich beschliesse mir den Autopiloten und den Plotter genauer anzuschauen und begebe mich in die Backkiste, kopfüber. Es schaukelt, ich schraube dieses und jenes Kabel weg und ziehe an eingen Steckern. Wir finden ein Kabel welches – obwohl es ins nirgendwo führt - jedoch extrem viel Strom zieht. Wir hängen es ab und alles läuft wieder einwandfrei. (bis zum jetzigen Zeitpunkt habe ich noch nicht herausgefunden was es für ein Kabel ist, Projekt für die kommenden Tagen). Was hatte da wohl der Voreigner gebastelt? Ich malte mir innerlich bereits aus, die nächsten 10 Tage von Hand zu steuern. Nochmals Glück gehabt, und dies bereits am zweiten Tag der Überfahrt. Stress pur! Den nächste Tag verbringen wir mit herrlichen Genaker segeln, sehen seit drei Tagen ein anderes Segel Schiff (das einzige Schiff auf der Überfahrt) und quatschen über Funk rasch miteinander. Für die Nacht bergen wir den Genaker und baumen die Genua aus (bekannt auch unter Schmetterling oder Wing on Wind segeln) dabei wird das Grosssegel auf eine Seite gestellt und das Vorsegel auf die andere. Damit das Vorsegel eine gewisse Stabilität erhält, verwendet man den Spinakerbaum. Die Nacht ist friedlich und wir machen Dank starkem Wind gut Distanz wie in den Vortragen. Ein schöner Sonnenaufgang empfängt mich am nächsten Morgen, die Welt scheint so friedlich zu sein, fernab von jeglicher Zivilisation, bis die Yum Yum eine Welle herunter surft wie sie in den letzten Tagen so oft und souverän getan hat. Dieses mal jedoch dreht die Yum Yum nach Steuerbord ab, beschleunigt und stellt sich praktisch in den Wind. Päng! Ein lauter Knall ertönt, es ist mir schnell bewusst, dass der Spinakerbaum gebrochen ist. Wie ein gebrochener Zahnstocher liegt er da, zusätzlich mit zwei zerstörten Luken. Als ich am Vordeck stehe und mir diese Miserise anschaue, bemerke ich jedoch innerhalb von Sekunden, dass die Yum Yum äussert nervös und unkontrolliert steuert. Ich haste an den Steuerstand und drück auf Taste "Standby" und übernehme das Steuer und die Kontrolle. Der Schock sitzt tief. Als ich von Hand steuere bemerke ich, dass sich die Anzeige auf dem Display, wie das Steuer steht, nicht mehr bewegt, obwohl ich das Steuerrad bewege. Die Anzeige bleibt vier Striche auf Backbord stehen. Ich drücke auf den Knopf "Auto" und der Autopilot steuert unverzüglich nach Steuerbord, schnell drücke ich wieder auf Standby und übernehme ich Kontrolle. Das versuchte ich noch einige Male, jedoch mit dem gleichen Ergebnis. Aus diesem Grund ist wohl die Yum Yum auch nach Steuerbord ausgebrochen. Ich stehe konstaniert am Steuer, tausend Sachen gehen mir durch den Kopf, wie z. B. acht Tage von Hand Steuern, Emergency Stop auf den immer noch gesperrten Samoa Inseln, wem an Bord kann ich steuern lassen, wie viele Stunden pro Tag kann ich selber steuern? In diesen Situationen sehne ich mich wieder an einen normalen Bürojob und nerve mich, dass es sich schon wieder um den Autopiloten handelt. Links; Die Genua wird mit dem Spinakerbaum ausgebaumt, leider ist die Genau auf dem Bild nicht ersichtlich. Rechts; Wie ein Zahnstocher liegt er da Ich steuere noch ein Weilchen von Hand bis ich mir wieder klare Gedanken machen kann, stehe da, schaue in die Ferne, keiner sagt ein Wort an Bord, nur die Wellen rauschen. Ich begebe mich wieder in die Backkiste zur Steuereinheit des Autopiloten und hänge die Ruder Referenz ab. Von nun an funktioniert der Autopilot wieder jedoch so schlecht wie ein besoffener Autofahrer. Die Wellen sind einfach zu hoch, um genau zu steuern ohne die Rückmeldung der Ruder Referenz. So kann das nicht weiter gehen. Als ich wieder aus der Backkiste steige, surrt auf einmal eine Angelroute, auch das noch! Jetzt Fischen wir seit vier Tagen erfolglos und im dümmsten Zeitpunkt beisst einer an, nein Sekunden später surrt auch die zweite Route. Wir holen zwei 70cm grosse Yellowfin Tunas raus. Meine Gedanken kreisen weiterhin im Nirgendwo herum, bis mir in Sinn kommt, dass ich meine alte und aussortierte "kaputte" Steuereinheit vom Autopiloten (vielleicht können sich noch einige an den Bericht der Überfahrt von Ecuador nach Gambier erinnern) noch an Bord habe, auch nur, weil ich diese noch nicht an Raymarine zurück gesendet habe. Ich räume Kiste für Kiste weg, hole das bereits verstaubt Teil heraus und meine Mitsegler bauen dies ein, während ich wieder am Steuer stehe. Wir schalten die Navigationsgeräte wieder ein und siehe da, der Autopilot steuert wieder, was für ein Wunder, das soll mal jemand verstehen?! Nach dem vierten Tag ist zum Glück nichts mehr so interessantes geschehen und der Rest der Reise ist nun schnell erzählt. Wir kochen, essen, schlafen und hoffen der Autopilot steuert noch lange weiter. Leider hatten wir dann doch noch drei Tage mit 3-4 Meter Wellen, Kreuzsee und 25+Knoten Wind über Tage. So fühlt es sich an in einer Waschmaschine zu Segeln, entspannt ist anders! Auch diese Tage waren sehr Kräfte zerrend für mich und wohl einige schlimmsten der letzten vier Jahre auf See, zumal über so eine lange Dauer. Die Flut war anscheinend so hoch, dass es in Fiji eine Eilmeldung von Überflutungsgefahr gab. Auch wenn wir fortan ohne Spinakerbaum segeln mussten und teilweise nur mit dem Grosssegel oder nur mit der Genua gesegelt sind, sind wir nach genau 286 Stunden oder 1'705 Seemeilen oder knappe 12 Tagen überglücklich in Fiji angekommen. Ein Novum gabs dann doch noch, die GPS Position ist kurz vor dem Ziel das erste Mal seit dem Mittelmeer wieder von West auf Ost gesprungen. Befinde ich mich jetzt auf dem Rückweg? Nun heisst es, sich von den Strapazen und von einer bisher unverhofft schwierigsten Überfahrt zu erholen und endlich wieder mal das Leben zu geniessen. Wie soll es nun weiter gehen? Vertraue ich dem alten neuauferstanden Autopiloten? Suche ich nochmals nach einem Second- hand Modell, weil dieser nicht mehr produziert wird? Schaffe ich mir einen Neueren an? Das würde bedeuten, ich müsste sämtliche Navigationsinstrument ersetzen und das geht hoch in den vierstelligen Bereich. Wir werdens erleben. Au-revoir Polynesie, Bula Fiji!

  • Weiter geht's!

    Nach über 8'000 gesegelten Seemeilen in Französisch Polynesien ist es Zeit weiter zu ziehen. Lange ist es her seit dem letzten Newsletter. Das heisst jedoch nicht, dass in der Zwischenzeit nichts geschehen ist. Lange haben wir hier in Polynesien nichts vom Corona Virus mitbekommen, jedoch schossen dann letzten August die Zahlen auch hier in die Höhe. Mit einer Inzidenz von 2800 lag Polynesien sogar zwischenzeitlich an der Weltspitze. Somit hiess es für uns in Moorea für zunächst zwei und am Ende für vier Wochen ab in den Lockdown. Zum Glück hatte unser Buddyboat Seatramp an uns angedockt und wir verbrachten eine tolle Zeit miteinander. Außerdem wurden einige Bootsprojekte vorangetrieben. So konnten wir mit einer Sonderbewilligung unsere neuen Solarpanele in Papeete/Tahiti abholen und installieren und wir halfen Mario von der Seatramp die Zylinderdichtung am Motor zu ersetzen. Mein Geburtstag wurde natürlich ausgelassen gefeiert und die Lockdown Zeit verging für uns im Nachhinein fast zu schnell. Für die Zyklon Saison, welche hier von November bis April herrscht, ging es wieder zurück in die Tuamotus, wo wir eine super Zeit mit schönen Tagen ohne Wind und mit blauem Himmel verbringen durften. Wir waren viel im Wasser und haben viel gefischt. Dank Angel Andi wurde unsere Fischquote gesteigert und wir konnten uns einige Tage von Fisch ernähren. Das zweite Mal auf meiner Reise hatten wir sogar das Glück einen Oktopus zu ergattern, den wir mit Hilfe von Ratschlägen der Locals butterzart zubereiten konnten. Was für ein Genuss. Rechtzeitig zu Weihnachten sind wir zum zweiten Mal in Gambier angekommen. Wer sich erinnern kann, da sind wir nach unserer 28tägigen Pazifik Überfahrt vor über zwei Jahren angekommen. Es ist und bleibt ein spezieller Ort. Die Seglercommunity ist dank dem sonntäglichen BBQ bei einer einheimischen Familie sehr eng. Bis zu 17 Boote treffen sich dort und feiern Geburtstage und vieles mehr. Das Neue Jahr wurde mit einem Lagerfeuer auf einer einsamen kleinen Insel eingeläutet. Zusammen mit zwei französischen Booten haben wir einen wirklich tollen Abend verbracht. Es ist nicht üblich, dass man mit französischen Booten in Kontakt kommt, da diese lieber unter sich bleiben. Mit den Crews der beiden Boote Mamarossa und Eclipse, die mit Kindern um die Welt reisen, haben wir jedoch einen besonderen Kontakt aufbauen können. Zusammen mit Mamarossa haben wir in Tahanea sogar einen gestrandeten Wal retten können. Bilder dazu gibt es hier. Gambier hat uns wieder extrem gut gefallen und der erste Eindruck konnte bestätigt werden. Wir haben Einheimische kennen gelernt, wurden mit Gemüse und Früchten beschenkt, haben Wanderungen unternommen und die Unterwasserwelt erkundigt. Nach rund sechs Wochen in diesem einzigartigen Archipel haben wir uns entschlossen, nochmals zu den 800 Seemeilen entfernte Marquesas zu segeln. Nach herrlichen fünf Tagen Überfahrt sind wir in Fatu Hiva angekommen. Das erste Mal seit Bestehen wurde ein Tagesschnitt (Etmal) von 170 Meilen, sprich 7 Knoten pro Stunde innert 24 Stunden, erzielt. In den Marquesas haben wir oft Wanderungen unternommen, die Natur genossen, am Strand grilliert oder einfach nur das Leben genossen. Auf dem Weg zurück in die Tuamotous haben wir dann den grössten Fisch seit dem Start meiner Reise an Bord geholt, ein 1,5m grosser Yellowfin Tuna. Was für ein schönes Tier und eigentlich viel zu groß für uns. Normalerweise fischen wir nur das, was wir selber essen können. So konnten wir aber andere Segler und Locals beschenken, welche sich auch riesig darüber gefreut haben. Leider sind die Meere immer mehr leer gefischt. Nach über 750 Tage in Polynesien wird es nun langsam Zeit weiterzuziehen. Ich durfte eine sehr schöne Zeit hier verbringen mit unvergesslichen Erlebnissen und Erfahrungen. Zudem wird mein Französisch immer besser... Neuseeland öffnet die maritimen Grenzen ab Juli 2022. Somit ist ein sicherer Hafen für die nächste Zyklon Saison gesichert und die Reise der Yum Yum kann nun endlich weitergehen. Wir verbringen nun die letzten Tage auf Bora Bora und Maupiti, haben proviantiert und die Yum Yum für die ca 1‘700 Seemeilen lange Überfahrt fertig gemacht. Je nach Wind und Wetter wird diese in etwa 14 Tage dauern. Sobald sich ein geeignetes Wetterfenster öffnet, werden wir in See stechen.

  • Das Vorspiel ist beendet, das grosse Abenteuer kann beginnen!

    Vorbereitungen auf die Pazifik Überquerung. Pacifico, der grosse Pazfik wartet auf uns. Wenn wir das Festland von Ecuador verlassen dann ist die nächste Insel rund 3'400 Seemeilen, somit rund 6'100 km weit entfernt. Je nach Wind und Wetter wird die Überfahrt zwischen 25 und 30 Tage dauern, vielleicht auch länger. Dann befinden wir uns in der Südsee, unzählige Atolle, Inseln und Sandstrände mit klanghaften Namen wie Bora Bora, Moorea, Somoa, Thaiti oder Fiji. Bis Neuseeland oder Australien geht die Reise dann nochmals genau so weit, jedoch mit kürzeren Passagen. Aber nun der Reihe nach. 40km südlich von Panama City, in der Marina von Vista Mar, wollten Thierry und ich die Yum Yum auswassern um das Unterwasserschiff zu erneuern. Da das Boot die ganze Zeit im Wasser schwimmt, bilden sich Algen und Muscheln setzen sich am Rumpf an. Um gegen diese Mikroorganismen entgegenzuwirken wird ein giftiger Unterwasseranstrich, genannt Antifouling, aufgetragen. Der letzte Anstrich bei der Yum Yum ist bereits zwei Jahre her und das Unterwasserschiff sah auch dementsprechend aus, ein schöner Korallengarten direkt unter uns. In Vista Mar angekommen wollte der Dockmaster aber nichts von unserer Reservierung wissen, am nächsten Tag wurde uns sogar verneint das Boot aus dem Wasser zu nehmen. Anscheinend war der Abstand zwischen dem Ende des Kiels bis zum Rumpfende zu gross. Das Risiko das Ruder zu beschädigen war der Marina zu gross, mir nach einigen Überlegungen dann auch… jedoch platzte mir schon ein bisschen der Kragen, da wir ja nur aus diesem Grund da hingesegelt sind. Nach längerer Diskussion mit dem Marina Manager bekamen wir eine Woche umsonst in der Marina. Dieses Angebot nutzten wir natürlich aus und haben so einiges am Boot gebastelt. Einerseits vergrösserten wir den Stauraum für den Proviant, resp. es wurde ein neues Tablar eingebaut, die überfälligen WC Schläuche haben wir ersetzt, die Erneuerung der Kühlplatte des Kühlschrankes wurde in Auftrag gegeben, das Unterwasserschiff befreiten wir von den Muscheln und der Grosseinkauf für die Pazifiküberquerung wurde in Angriff genommen. So kam es, dass wir zu zweit über fünf Stunden im Einkaufszentrum hoch und runterliefen und insgesamt 18 Einkaufswagen füllten. Da wir soviel einkauften wurde uns der gesamte Einkauf mit dem LKW in die Marina geliefert, zum Glück aber erst am nächsten Tag, denn die Verstauung im Boot benötigte einen weiteren ganzen Tag. Wer sich fragt was wir da alles eingekauft haben, hier einen kleinen Auszug (die Vorräte sollten für die nächsten 5-6 Monate halten): Danach entschieden wir uns nach Ecuador zu Segeln, um einerseits das Boot nun definitiv aus dem Wasser zu holen und anschliessend das Land für einige Wochen zu bereisen. Der Weg nach Ecuador war sehr beschwerlich, kein Wind, viel Wind, Wind gegen uns, zwischendurch das Gefühl, nie anzukommen. Schaut euch das Video selber an: Endlich angekommen und erleichtert konnten wir dann das Boot in der Marina von Puerto Lucia rausholen. Das ganze Prozedere dauerte keine 45 Minuten und schon stand die Yum Yum an Land und die Arbeiten konnten beginnen. Zunächst haben wir das Boot mit dem Hochdruckreiniger gereinigt, die Überresten der Muscheln mit dem Spachtel abgekratzt, abgekratzt und nochmals gekratzt. Anschliessend, bewaffnet mit Schutzanzug, Mundschutz und Handschuhen (die Farbe des Antifoulings ist giftig), schliffen wir bei 32 Grad im Schatten die alten Schichten des Antifoulings mit der Schleifmaschine ab. Es dauerte Stunden, an aufgeben war nicht zu denken, ein richtiger Knochenjob. Ein Tag am Schreibtisch zu sitzen ist definitiv weniger anstrengend. Zu zweit war es kaum zu bewerkstelligen, deswegen bat ich zwei ecuadorianische Arbeiter um Hilfe. Nach drei Tagen war es endlich geschafft, die alten Schichten des Antifoulings waren weggeschliffen. Nun konnten wir mit dem Streichen der ersten Schicht, welche aus Expoxy/Primer bestand, beginnen. Anschliessend trugen wir drei Schichten des blauen und giftigen Antifoulings auf. Zwischen den Anstrichen mussten wir rund sechs Stunden warten um die Farbe zu trockenen, so kam es, dass wir teilweise nach dem Abendessen mit Taschenlampen und mit Pinsel unterwegs waren. Nach neun Tagen arbeiten waren wir fix und fertig und hatten auch keine Lust mehr das Boot in einen schönen Zustand zu bringen, wir packten unsere Rucksäcke und bereisten Ecuador für 3 Wochen. Während Du diesen Newsletter liest, sind wir bereits unterwegs Richtung Gambier Island. Hier kannst Du live schauen, wo wir uns gerade befinden.

  • Faszinierendes Kolumbien

    Wie ich Kolumbien als Backpacker erlebte. Es ist nicht so, dass wir in den letzten Monaten nichts Interessantes unternommen haben oder wenig geschehen ist. Nein, ganz im Gegenteil. Nur leider huscht auch hier die Zeit wie im Fluge vorbei. Um den Newsletter deshalb ein bisschen lebendiger zu gestalten und Bilder nun mal mehr als 1000 Worte sagen, werden die nächsten Newsletter ab nun an mehr Bilder und Videos enthalten. Den Newsletter von Kolumbien und ein Teil von Panama hatte ich bereits geschrieben und er war quasi „druckreif“, doch dann wurde mir leider in Ecuador beim Karneval in Cuenca mein Handy gestohlen. Hier in Ecuador sprühen sie bei den Karnevalsparties mit Schaum herum; was eigentlich ganz spassig ist wurde mir dann leider zum Verhängnis. Ich wurde von einigen Jungs attackiert, der Schaum wurde mir direkt in die Augen gesprayt, wurde angerempelt und schwubs mein Handy war weg. Und mit meinem Handy alle Fotos und Videos der letzten Monate und auch die Texte der Newsletter. In dem Moment ging für mich die Welt unter, ich stellte mir die Frage nach Sinn und Unsinn dieser Reise. Wieso trifft es immer mich? Wo kriege ich jetzt so schnell ein neues Handy her, meine SIM Karte aus der Schweiz und und und. Einige Stunden später sieht die Welt dann wieder bisschen fröhlicher aus und im Nachhinein würde ich über das Foto wie zerstört ich am Tisch saß nicht unbedingt lachen, nein für das ist es noch zu frisch, aber ein Schmunzeln würde es mich schon kosten. Aber so ist es eben auf einer Weltreise: negative Erfahrungen gehören dazu, und mit jeder wächst man ein bisschen mehr. Kolumbien, du kannst so schön sein! Nach einer mehrtägigen Passage sind wir endlich in der Bucht von Santa Marta angekommen. Unser Plan für Kolumbien war nicht nur die Küstenstädte von Kolumbiens Atlantikküste anzuschauen, sondern ein paar Wochen durch das Landesinnere zu reisen. „Was? Aber ist das nicht gefährlich?” ist normalerweise das Erste, was Touristen häufig hören, wenn sie ihre Pläne für eine Reise nach Kolumbien, dem südamerikanischen Juwel, ankündigen. Dennoch lies uns das erst einmal abgeschreckt, mussten wir doch erst einmal die üblichen Formalitäten erledigen. Das Einklarieren (Boot und Passagiere müssen im Land registriert werden) ist in Kolumbien deutlich komplizierter als anderswo bisher auf meiner Reise. Einerseits kommen unterschiedliche Offizielle an Board, inspizieren sorgfältig mein Hab und Gut, andererseits benötigt man einen Agenten für alles. Mit einem Platz in der Marina von Santa Marta wäre der Agent gratis gewesen, die Marina selbst war aber so teuer, dass wir uns entschieden, vor Anker zu bleiben. Wenn nicht einklariert wird darf das Land jedoch nicht betreten werden, wir taten es trotzdem und erkundigten die Stadt Santa Marta „illegal“. Zurück an Board wurden wir dafür, als ob man es so wollte, direkt bestraft. Beide Heckfender wurden am hellichten Tag gestohlen. Gefährlich ist Kolumbien bisher nicht, aber definitiv kriminell und teilweise korrupt. Äußert verärgert über den Diebstahl beschlossen wir am nächsten Tag nach Puerto Velero zu fahren, rund 60 Seemeilen entfernt. 60 Seemeilen bedeuteten rund 12 Stunden Fahrt. Da hier nur 12 Stunden die Sonne scheint entschlossen wir entgegen unserer üblichen Vorgehensweisen, im Morgengrauen zu starten, die Nacht durchzusegeln. Kein unübliches Vorgehen bei uns Seglern, weil verhindert werden möchte bei Dunkelheit an einem unbekannten Ort anzukommen. Dies bringt nur unnötige Gefahren mit sich. Nach dem Abendbrot lichteten wir um 21.30h den Anker und setzten nur das Vorsegel und düsten mit unendlich vielen Fallböen los. Fallböen sind hier an der Küste Kolumbiens üblich. da sich kurz hinter der Küste das Gebirge der Sierra Nevada, mit Bergen über 5´000m, erstreckt. Nach kurzer Zeit nahm der Wind aber stetig zu und wir refften das Vorsegel (Segel kleiner machen). Mit zunehmendem Wind refften wir weiter, bis nur ein kleines Stückchen des Vorsegels draußen war. Doch auf einmal machte es „Klacks“, eine Leine des Lazy Jacks riss (wenn das Grosssegel nicht verwendet wird liegt es auf dem Baum in einem Sack welcher mit Leinen nach oben gezogen wird. Diese Leinen werden Lazy Jacks genannt). Leider war der Sack nicht zugezogen, „laziness“ wird bestraft, und das Grosssegel fiel auf die Seite runter. Wir versuchten zu zweit das Segel zu fixieren, leider nahm der Wind sowie auch die Wellen weiter zu. Aus Sicherheitsgründen haben wir den Versuch nach kurzer Zeit aufgegeben. Ich entschied mich aufgrund der Vorkommnisse nach Santa Marta umzudrehen, es macht keinen Sinn 12 Stunden in diesen Bedingungen weiter zu fahren. Unter Motor stampften wir gegen Wind und Welle. Die Wellen waren in der Zwischenzeit auf über zwei Meter angestiegen und der Windmesser zeigt Geschwindigkeiten von über 45 Knoten (ca 80 km/h) an. Da wir aufgrund der Wellen und des Windes abdriftenden, zum Glück gegen das offene Meer, benötigten wir für rund drei Seemeilen (5.4km) zweieinhalb Stunden. In dieser langen Zeit geht einem so einiges durch den Kopf: Was mache ich wenn wir nicht zurück kommen? Lassen wir uns abschleppen? Warten wir bis der Sturm vorüber ist? Was ist wenn der Motor überhitzt weil ich mit Vollgas versuchte gegen die See heranzukommen? Um 00.30 fiel dann der Anker, genau am gleichen Ort, wo wir vor ein paar Stunden, loslegten. Völlig erschöpft und mit restlichem Adrenalin im Blut ging’s ab ins Bett. Erster Sturm: Check. Muss ich aber auch so schnell nicht wieder haben. Zumal das Grosssegel in Mitleidenschaft genommen wurde und ca 1 Meter am Achterliek gerissen war! Unnötig und ärgerlich! Zwei Tage später wagten wir den zweiten Versuch. Diesmal überhaupt kein Wind; unter Motor mit lästigem Lärm kamen wir nach 12 Stunden in Puerto Velero an. Besser als Sturm aber Segelspaß ist anders. In der Marina von Puerto Velero klarierten wir ein, die befürchtete Mupped Show mit fünf Offiziellen wurde Tatsache. Leute vom Custom, Immigration, Landwirtschaft, Health und Port Captain waren mit am Start. Uns blieb nur ein verschmitztes Lächeln auf dem Gesicht, diese Länder kennen keine Sportschifffahrt und somit werden wir kleine Yachties wie große Tanker behandelt. Leider kostet es auch entsprechend mehr als in den anderen Ländern. Damit sich das ganze lohnt, blieben wir dann rund zwei Monate am gleichen Steg liegen. Wir unternahmen in Landesinneren einige Touren, ich war rasch auf Heimaturlaub, wir lernten Kitesurfen und wir bastelten am Boot. Wir flogen nach Bucameranga und zogen mit dem öffentlichen Bus weiter nach San Gil, eine Hochburg von Outdoor Aktivitäten. Wir liessen uns das nicht entgehen und verbrachten einige Stunden mir erhöhtem Puls im Klettergarten. Auf dem Weg zur Millionenstadt Bogota hielten wir im kleinen und herzigen Dörfchen Barichara, gingen viel wandern, laufen und genossen das Leben. In Bogota besuchten wir den Gemüse-/ und Fleischmarkt, waren bei einer Graffiti Tour dabei (echte Kunstwerke, das Sprayen ist zwar verboten aber die Stadt duldet es trotzdem...), radelten mit dem Fahrrad durch die Stadt und besuchten die weltberühmte Salzkathedrale und Miene. Immer wieder erstaunlich was die Menschheit so bewerkstelligen kann. Auf dem Weg zu nächsten Großstadt Medellin machten wir Halt in Salento, besuchten eine Kaffeefarm, gingen ins berühmte Cocoa Vally wandern und lernten interessante Leute kennen. Medellin gefiel uns weniger, Großstädte haben in solchen Ländern nicht so viel Charme: Groß, laut und dreckig. Klar die ehemalige Favela, Comune 13, wurde für die Touristen schön hergerichtet, die Luftseilbahnen zum Park Arvi war nett. Damit man jedoch die Vorzüge einer Großstadt kennen lernen darf muss man wohl länger in der Stadt bleiben als nur ein paar Tage oder das Glück mit Einheimischen in Kntakt zu kommen. Einzige Ausnahme bleibt da wohl nur die Altstadt von Cartagena, wo wir einige Tage verbrachten. Sie gefiel uns wahnsinnig gut, wir schlenderten durch die mit die mit Blumen verzierten Gassen, überall aus den Wohnungen strömte Musik, und die Stadt versprühte ein ganz besonderes Flair. Natürlich waren wir nicht die einzigen Touristen in der Stadt, so passten wir unseren Tagesablauf kurzer Hand an und standen zweimal um 0530h auf um den Touristen zu entkommen und schöne Fotos von der Stadt zu schiessen. Dennoch zog es uns zügig wieder in die Natur, das ursprüngliche Kolumbien. In Palomino unternahmen wir mit einem einheimischen Guide eine dreitägige Wanderung in die Sierra Nevada. Möchte hier gar nicht viel dazu schreiben, schaut euch das Video an. Eine Erfahrung dieser Reise, die ich so schnell nicht wieder vergessen werde, Wow! => Link hier Anfang Oktober und nach knapp zwei Monaten in Kolumbien hieß es Abschied nehmen: Adios Colombia! Ein Land mit einer einzigartigen Mischung aus freundlichen Menschen, gutem Essen und vielfältiger Landschaft aus Strand, Bergen und Großstädten. Ein Land, das es schafft, den Reisenden an jeder Ecke wieder aufs Neue in den Bann zu ziehen. Von Kolumbien machten wir uns auf nach Panama. Zusammen mit Lara und Anja gingen wir einkaufen. Immer wieder ein Highlight für eine längere Zeit einzukaufen. Die Blicke im Supermarkt sind teilweise herrlich; Hamsterkäufe für die Überfahrt. Unter Motor verließen wir Kolumbien und kamen nur sehr langsam voran. Der Wind setzte entgegen den Vorhersagen nicht wie gewünscht ein. Da das Schiff rund zwei Monate nicht bewegt wurde setzten sich fiese Muscheln am Rumpf fest, welche unser unsere Geschwindigkeit um ein Vielfaches verringerten. Mit 2.7 Knoten Fahrt fuhren wir also in die erste Nacht hinein. Aufgrund der geringen Geschwindigkeit begann es bei mir im Kopf bereits wieder zu rechnen: Reicht der vorhandene Diesel, zumal wir das letzte mal in Grenada und das vor vier Monaten Diesel getankt hatten? Wie schnell müssen wir sein damit es reicht? Was ist wenn der Wind nicht einsetzt, kommen wir unter Motor durch? So meine Gedankengänge über mehrere Stunden. Aus meinen Gedanken wurde ich mitten in der Nacht herausgerissen durch ein für mich zu diesem Zeitpunkt, unbekannten Alarm. Ich machte mich auf die Suche und fand heraus, dass der eigens eingebaute Abgastemperatursensor zum ersten Mal anschlug. Motor aus! Zum Glück setzte eine leichte Brise ein und wir hissten das Vorsegel, das Großsegel war immer noch vom Zwischenfall in Santa Marta beschädigt und konnte nicht verwendet werden. Das sind immer diese berüchtigten Momente, weit draußen auf dem Meer, mit unbekannten Problemen mitten in der Nacht im Handbuch zu stöbern mit der Hoffnung einen Hinweis zu finden. In solchen Momenten wünscht man sich schon manchmal zuhause vor dem Schreibtisch zu sitzen und sich nicht Sorgen darum zu machen, ob das eigene Zuhause noch steht. Wir entschieden bis zum ersten Sonnenschein unter Segel weiter zu dümpeln. An Schlaf war bei mir logischerweise nicht zu denken, da gehen zu viele Sachen durch den Kopf. Die Sonne war noch nicht ganz da, da stand ich bereits auf und startete den Motor, prüfte was ich prüften konnte und stellte fest, dass kein Kühlwasser mehr austrat! Ohne Motor nach Panama zu segeln war zu riskant, da wir zumal im Inselarchipel San Blas noch einen Stopp einlegen wollte. Ohne Motor durch die Riffe zu fahren, undenkbar! Zumindest, wenn wir nicht so enden wollten, wie einige Schiffswracke vor den Inseln. Somit entschied ich mich den Kurs wieder nach Kolumbien zu ändern, da ich mich da auskannte und wusste, dassman dort ohne Probleme ankern kann. Zusammen mit Lara ging ich nochmals die Handbücher durch. Wir bauten den Impeller aus, prüften die Salzwasserzufuhr und siehe da, im Vorfilter war kein Wasser mehr drin und somit konnte der Motor kein Wasser mehr ansaugen. Wir prüften, ob der Zufluss verstopft war aber kamen zum Entschluss, dass es lediglich am Deckel des Vorfilters lag, welcher bei der letzten Kontrolle nicht ganz geschlossen wurde. Somit kam Luft ins System und das Wasser konnte nicht mehr angesaugt werden. Kleine Ursache, große Auswirkung. Wir ließen den Motor zwei Stunden laufen, um zu prüfen ob nun alles in Ordnung war. Aufgrund des Dieselverbrauchs entschied ich mich dennoch nach Cartagena (einzige Tankstelle weit und breit) zu motoren, da der Wind immer noch nicht auffrischte. Mitten in der Nacht kamen wir an, vor den Hochhäusern von Cartagena fiel der Anker um 0100. Viel zu dunkel für meinen Geschmack, und eigentlich vermeide ich es, wann immer es geht im Dunkeln anzukommen. Es war nicht einfach zu unterscheiden ob es sich um ein Signalfeuer, welche eine Untiefe oder Wegmarkierung signalisiert oder um Lichter der Straßenlaternen oder Hochhäusern handelt. Dazu kam, dass einige vor ankerliegende Schiffe (teilweise schon recht herunterkommende Segelschiffe) kein Ankerlicht gesetzt hatten, was das ganze Manöver bei Dunkelheit erschwerte. Den nächste Morgen liessen wir langsam angehen, jeder musste sich on den Strapazen erholen. Lara und ich versuchten unter Wasser die Yum Yum von den Muscheln zu befreien, damit wir schneller unterwegs sein können. Nach kurzer Zeit und Blasen an den Händen brachen wir den Versuch ab. Das Unterwasserschiff sah aus wie ein Korallengarten, da musste professionelle Hilfe ran. Eine persönliche Nachricht aus der Schweiz warf mich zudem einige Stunden außer Gefecht. Es blieb uns dennoch nichts anderes übrig als am gleichen Tag noch einige organisatorische Maßnahmen zu treffen, denn wir waren wieder mal „illegal“ im Land. Wir hatten ja bereits in Puerto Velero ausklariert und freiwillig wollte ich mich nicht mit der Armada Nacional anlegen, zumal mein Spanisch nicht für eine solche Diskussion reichen würde. Am selben Nachmittag fanden wir bereits einen Segelmacher, nahmen das Großsegel herunter und übergaben es zur Reparatur. Einen Tag später stand ich bereits um 0700 an Land und suchte Paulo. Paulo sollte uns dabei helfen, das Unterwasserschiff zu reinigen. 2,5 Stunden später kam Paulo zu mir und sagte er sei fertig. Ich staunte nicht schlecht, als das ganze Unterwasserschiff von Muscheln befreit war. Beachtliche Leistung und das ganze ohne Sauerstoffflasche, Respekt! Das Großsegel kam kurz vor Mittag repariert zurück und am frühen Nachmittag waren wir bereits bei der Tankstelle. Ausnahmsweise lief alles wie geplant und wir waren bereit für Panama. Panama wir kommen! Falls Du Lust hast, meine Reise regelmäßig zu verfolgen, folgt mir bei Instagram unter @sailingyumyum. Findest Du unser Projekt grossartig und möchtest uns unterstützen? Dann darfst Du gerne hier weiter klicken.

  • Oh Panama!

    Oh wie schön ist Panama. Nach über fünf Monaten verliess Anja die Yum Yum und zog als Backpacker weiter. Es war eine super, erlebnisreiche und spassige Zeit. Danke Dir! Danach verbrachte ich einige Tage alleine an Bord in der Marina von Linton Bay. Die Tage waren jedoch gefüllt mit Instandsetzungsarbeiten, Reparaturen und Reinigung des ganzen Schiffes. Punkte wurden von der Todo Liste gestrichen, aber je mehr ich streichte, desto mehr kamen irgendwie auch hinzu. Es zeigte mir wieder einmal, wieviel Zeit investiert werden muss, um das Schiff in Schuss zu halten. Anschliessend ging’s für zwei Tage nach Colon, um das Schiff für den Panama Kanal vermessen zu lassen. Ja genau, jedes Sportschiff wird noch von Hand vermessen. Schiffe unter 50 Fuss kommen in den Genuss eines „günstigeren“ Preises, wobei USD 850 für die Durchfahrt immer noch ein stolzer Preis sind. Die Einzahlung der Transitgebühren sowie der Kaution in doppelter Höhe muss persönlich am Schalter der Bank in Colon vorgenommen werden. Colon gehört zu einer der gefährlichsten Städten der Welt, freiwillig bewegt sich kein Gringo (Weisser) in dieser Gegend herum. Umso unwohler fühlte ich mich, mit so viel Geld in der Tasche durch die Stadt zu stapfen. Schnell aus dem Bus aussteigen, ab ins Taxi und zur Bank. Es war dann schon ein komisches Gefühl als alles erledigt war. Pazifik, der grosse Pazifik ist so nah. Europa nun bald verdammt weit weg. Jetzt gibt es kein zurück mehr, es geht durch den Kanal. Bevor es aber durch den Kanal ging, genoss ich noch mit wechselnder Crew für einige Wochen das traumhafte Inselarchipel San Blas (auch Kuna Yala genannt) welches aus rund 360 Inselchen besteht. Die ersten zwei Wochen waren jedoch noch geprägt von diversen Gewittern. Noch nie in meinem Leben habe ich so viele Blitze pro Minute gesehen. Pro Minute waren es teilweise bis zu 40 Blitze, der ganze Himmel war hell erleuchtet. Ein Blitzeinschlag ins Schiff oder auch ins 100m entfernte Wasser kann tödlich sein für die ganzen elektronischen Geräte an Bord (hier ein kurzes Video). Was ging wurde in Backofen verstaut, da dieser als galvanischer Käfig diente und geschützt ist vor den hohen Stromspannungen. Also mitten in der Nacht aufstehen, Geräte zusammen suchen, ab in den Backofen, und dies war nicht nur einmal der Fall. Obwohl man nichts dagegen tun kann, war in diesen Nächten kaum an Schlaf zu denken. Das ungute Gefühl begleitet einem und die Donnereinschläge liessen mein Herz jeweils für ein Bruchteil einer Sekunde erstarren. Doch nach zwei Wochen Gewitter und viel Regen, wurden wir mit sonnenreichen Wochen entschädigt. Im glasklaren Wasser wurde gebadet, geschnorchelt, mit der Harpune Fisch und Oktopusse gefangen (Wenn sich ein Hai näherte war ich ganz schnell wieder an Bord...), mit dem SUP die Inseln umrundet oder einfach nur das Leben genossen. Schaut selber in die beiden Drohnen-Videos rein wie traumhaft es war; mehr Worte braucht es da nicht. - Chichime Island von oben - Ein Tag vor einer traumhaften Insel Ende Dezember ging’s dann durch den Panama Kanal. Jedes Boot braucht vier Linehandler sowie den Captain. Hinzu kommt, dass die zweitägige Fahrt von ein Advisor des Panamakanals begleitet wird. Am 18. Dezember ging es um 1700 dann endlich los, der Advisor kam an Bord und die Fahrt zur ersten von drei Schleusen wurde aufgenommen. Bei Dunkelheit wurden die ersten beiden Schleusen ohne Probleme aber dennoch mit einer gewissen Nervosität bravorös gemeistert. Es ist schon eindrücklich als kleines Segelboot hinter einem riesigen Tanker die Schleuse hinauf gehieft zu werden. Bei der dritten und letzten Schleuse des Tages kam unverhofft Hektik auf. Anstatt wie geplant links an die Wand wurden wir auf die andere rechte Seite beordert. Als wir noch nicht einmal ganz fest gemacht waren begann das Wasser bereits reinzuströmen, der Bug der Yum Yum wurde gegen die Wand gedrückt, ich war wehrlos am Steuer. Mein Crew versuchte das Schiff von der Wand wegzudrücken, mit mässigem Erfolg bei diesen Kräften. Zum Glück wurde nur der Anker mit ein paar Kratzern versehen, der Rest war unversehen. Grosses Glück gehabt! Die Nacht verbrachten wir an einer Boje im Gatun Lake welcher 26m über dem Meeresspiel liegt. Am nächsten Tag ging es dann unter Motor, segeln ist verboten, für fünf Stunden durch den See und den eigentlichen Kanal welcher rund 29km lang ist. Leider spielte das Wetter nicht ganz mit und wir wurden teilweise bisschen nass. Die drei Schleusen auf der anderen Seite in Pazifik gingen wir zusammen im Päckchen mit einem anderen Segelboot herunter. Hinter uns war jedoch noch ein riesiger Autofrachter. Eindrücklich so ein Monstrum direkt hinter der kleinen Yum Yum zu sehen. Dies sollte wohl hoffentlich das einzige Mal sein, dass ich einen Frachter wie diesen in nächster Nähe der Yum Yum sehe. Um 16.38h wurde die letzte Schleuse geöffnet und zum ersten Mal gleitete die Yum Yum ins pazifische Wasser hinein. Natürlich wurde darauf angestossen! Danach ging es für einige Tage nach Punta Chame, der Hotspot der Kiter. Natürlich liessen wir es uns nicht entgehen unser eigenes Kite Equimpment auszupacken und selber auf dem Brett zu stehen. Dank gütiger Hilfe von Thierry, schon praktisch einen Kite Instructor an Bord zu haben, machte ich in kurzer Zeit riesige Fortschritte. Weihnachten und Silvester verbrachten wir zu viert, vier Schweizer Jungs, auf den Las Perlas Inseln. Weihnachtsstimmung kam aber nie so wirklich auf. Wie auch bei über 30 Grad und Sandstrand? Wir kochten aber uns ein feines Essen und genossen diverse Abende mit unseren Freunden der Segelyacht Seatramp. Auch der Rum floss in Strömen. Ein weiteres Highlight war für mich ein simples BBQ mit Lagerfeuer an einem einsamen Strand, weit entfernt jeglicher Zivilisation. Es zeigte einmal mehr, dass nicht der Ort entscheidend ist, sondern die Personen, die dabei sind. Hier zum Kurzvideo. Coming up next; Vorbereitung auf den Pazifik, von Panama nach Ecuador. Falls Du Lust hast, meine Reise regelmäßig zu verfolgen, folgt mir bei Instagram unter @sailingyumyum. Findest Du unser Projekt grossartig und möchtest uns unterstützen? Dann darfst Du gerne hier weiter klicken oder per Paypal.

  • Von Enttäuschung zum Inselglück

    Mikronesien - 4. Dezember 2025 bis 1. März 2026 Mikronesien – der Name eines Landes im Pazifik, der oft ein großes Fragezeichen in den Gesichtern der Leute erscheinen lässt. Dabei ist Mikronesien gar nicht so klein – zumindest, wenn man die Wasserfläche mit dazurechnet. Es ist für die meisten einfach nur verdammt weit weg. Ein interessanter Fun Fact ist jedoch, dass ein Teil Mikronesiens sogar nach einer österreichischen Kaiserin benannt worden ist. Die Marianen, eine Inselgruppe am gleichnamigen Marianengraben, wurden nach Maria Anna von Österreich (auf Spanisch Mariana de Austria) benannt, der Witwe von König Philipp IV. von Spanien. Mikronesien selbst besteht aus insgesamt 607 Inseln, die sich über einen riesigen Teil des westlichen Pazifiks verteilen. Die meisten dieser Inseln sind klein, viele sogar unbewohnt, und liegen verstreut zwischen Äquator und nördlichen Tropen. Was viele aber nicht wissen: Mikronesien ist eigentlich gar kein einzelnes Land, sondern eine ganze Region im Pazifik. Dazu gehören mehrere unabhängige Staaten – unter anderem die Föderierten Staaten von Mikronesien (Kosrae, Pohnpei, Chuuk und Yap), Palau, die Marshallinseln und Kiribati – sowie einige weitere Inselgebiete. Der Begriff beschreibt also eher einen Teil der Weltkarte als ein konkretes Land. Historisch wurde die Region lange von verschiedenen Kolonialmächten geprägt – zuerst Spanien, später Deutschland und Japan. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen die USA die Verwaltung im Rahmen eines UN-Treuhandgebiets. Das heißt, dass die Föderierten Staaten von Mikronesien zwar unabhängig sind, aber in einem sogenannten „Compact of Free Association“ in enger Verbindung mit den Vereinigten Staaten stehen – was unter anderem finanzielle Unterstützung und militärischen Schutz bedeutet. Mikronesien hat uns nicht von Anfang an überzeugt. Ehrlich gesagt waren wir anfangs sogar enttäuscht. Wir hatten uns dieses Segelrevier komplett anders vorgestellt – ursprünglicher, traditioneller. Tatsächlich ist der Einfluss der Amerikaner hier überall deutlich spürbar. Vor allem die Hauptinseln Kosrae, Pohnpei und Chuuk, die wir während unseres Törns durch Mikronesien besucht haben, hinterließen bei uns einen eher ernüchternden Eindruck. Beispielsweise gibt es statt eines traditionellen Marktes, auf dem man frisches, lokales Obst und Gemüse kaufen kann, oft nur noch einen Supermarkt. Dort findet man neben Dosenwürstchen und Süßigkeiten teilweise Obst und Gemüse, das vor Wochen aus den USA per Frachter importiert wurde – und entsprechend alles andere als frisch ist. Außerdem wirkt ein Großteil der Inseln geradezu verlassen. Viele Mikronesier nutzen nämlich die Chancen, die ihnen ihr Pass bietet, und wandern aus. Dank des Abkommens zwischen Mikronesien und den USA können sie nach Belieben einreisen und sich dort niederlassen – sei es in Hawaii, in anderen US-Territorien wie Guam oder auf dem Festland, um zur Schule zu gehen, zu studieren, zu arbeiten oder zum Militär zu gehen. Nur wenige finden nach ihrer Ausbildung den Weg zurück auf ihre Heimatinsel; die meisten bleiben im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Dieses Abwandern der Bevölkerung spiegelt sich auch im Ortsbild wider: Zahlreiche Häuser stehen leer, sind teils verfallen und bereits von Pflanzen überwuchert – und prägen so viele der kleinen Inseldörfer. Tipp: Fotos antippen, um sie zu vergrößern 🔍 Erst als Mirko und ich die sogenannten Outer Islands ansteuerten, hatten wir das Gefühl, im richtigen Mikronesien angekommen zu sein: türkisfarbenes Wasser, palmenbesetzte Inseln mit versteckten, mit Palmblättern bedeckten Hütten und winkende, rufende Kinder an weißen Sandstränden. Genau dieses Gefühl von Ursprünglichkeit fanden wir vor allem auf Lamotrek und Elato wieder – zwei Atollen im Staat Yap, die uns gerade wegen des nur minimal vorhandenen amerikanischen Einflusses so gut gefielen. Hier gab es zwar keine aus dem Zweiten Weltkrieg zurückgelassenen Kriegsrelikte der Japaner oder Amerikaner – also keine Waffen, Bunker, Leuchttürme, Kanonen, Fahrzeuge, Panzer oder Flugzeugwracks, die man hätte erkunden können. Auf manchen anderen Inseln stößt man darauf überall: entweder am Wegrand mitten im Dorf oder irgendwo tief im Urwald, wo sie längst von den Wurzeln riesiger Bäume überwuchert werden. Auch jahrhundertealte Ruinen längst vergessener antiker Städte wie Nan Madol auf Pohnpei oder Lelu auf Kosrae sucht man hier vergeblich. Dafür gibt es etwas anderes: pure mikronesische Tradition und Kultur – und Menschen, die jeden Besucher so herzlich und selbstverständlich in ihre Gemeinschaft aufnehmen, dass einem ganz warm ums Herz wird. Auch hier in den kleinen Inseldörfern ist es üblich, sich beim Chief vorzustellen und um Ankererlaubnis zu bitten. Als wir auf Lamotrek ankamen, machten Mirko und ich uns daher gleich auf den Weg zum Haus von Joseph. Das Oberhaupt hieß uns herzlich willkommen und lud uns direkt ein, dem nächsten „Tuba Circle“ im Men’s House beizuwohnen. Tuba ist das yapesische Wort für Palmwein, ein fermentiertes Getränk, das auf natürliche Weise aus der Kokosblüte gewonnen wird. Gleich am ersten Tag nahm uns John, ein Einheimischer, mit und zeigte uns, wie die zwei Varianten – der nicht-alkoholische Sweet Tuba für Kinder und Frauen und der alkoholische, gegärte Tuba für die Männerrunde – direkt von der Kokospalme geerntet werden. Nachdem John die Kokosschale, in der die Flüssigkeit der Kokosblüte über einige Stunden zusammen mit etwas Kokosfleisch vor sich hin gärt, abgenommen hatte, füllte er das alkoholische Getränk in seine große Zwei-Liter-Glasflasche ab. Diese Flaschen kamen uns fast wie ein insulares Statussymbol vor, denn scheinbar jeder Mann im Dorf besitzt eine und trägt sie ständig mit sich herum – meist zusammen mit seinem bunten „Cracker-Kübel“ (ohne Cracker, dafür mit den wichtigsten Habseligkeiten wie Smartphone, Betelnüssen und/oder Zigaretten). Normalerweise sind die Tuba-Runden reine Männerrunden im sogenannten „Men’s House“ – den größten, mit Palmblättern bedeckten, offenen Hütten des Dorfes –, zu denen Frauen keinen Zutritt haben. Durch meinen Status als Touristin hatte ich jedoch die außergewöhnliche Erlaubnis, daran teilzunehmen und den Abend bei ein paar Tubas aus Kokosschalen, Bechern oder – meinem Lieblingsbehälter – kleinen, leeren Viennese-Sausage-Dosen zu verbringen. Wenn ich heute daran zurückdenke, gehört dieses süß-säuerlich gärige, leicht alkoholische Gebräu zu den Dingen, die nur mit genau diesen Menschen und nur an genau diesem Ort gut schmecken – und überall sonst ein Stück ihres Charmes verlieren. Zwischen den zwei Atollen Lamotrek und Elato liegen keine zehn Kilometer, und sie sind kaum voneinander zu unterscheiden. Während auf der Hauptinsel von Lamotrek rund 300 Einwohner auf einem Quadratkilometer Land wohnen, bietet Elato gerade einmal 0,5 Quadratkilometer Wohnfläche für etwa 100 Menschen. Auf beiden Inseln gibt es einen Kindergarten und eine Schule, die sogar über Starlink verfügt, um Lehrern und Schülern Internetzugang zu ermöglichen. Die Schulen (und gelegentlich auch Segelyachten) sind eine der wenigen Quellen für Internet – und sobald irgendwo ein Signal verfügbar ist, ändert sich das Ambiente auf der Insel spürbar. Sowohl Kinder als auch Erwachsene tummeln sich während der Pausen und am Nachmittag nach der Schule auf dem Schulhof und starren in ihre Smartphones – vorausgesetzt, es ist genug Solarstrom da, um das Starlink-Gerät zu betreiben und die Verbindung aufrechtzuerhalten. Ansonsten wird gebaut, es werden undichte Dächer repariert oder praktische Dinge wie Paddel oder Speere für die Schildkrötenjagd geschnitzt. Mirko und ich hatten sogar das Vergnügen, „Fängi“ und „Verstecki“ mit den Kids zu spielen, nachdem wir die Frage „Is your Starlink on?“ (ein kleines bisschen aus Prinzip) mit Nein beantwortet hatten. Nach wenigen Tagen – wenn nicht sogar Stunden – nach unserer Anreise stellte sich heraus, dass der Blumenkranz, den wir als Willkommensgeschenk von den Insulanern überreicht bekommen hatten, Mirko zusätzlich zum Heimwerkerkönig gekrönt hatte. Während unseres Aufenthalts reparierte er alle möglichen Dinge: angefangen bei leeren und/oder korrodierten Batterien über kaputte Solarpanele mit fehlerhafter Verkabelung bis hin zu einer Spear Gun, für die er sogar ein metallenes Ersatzteil selbst herstellte. Zum Dank wurde er jedes Mal mit noch mehr Taro, Reis, gekochten Bananen und Schildkrötenfleisch beschenkt. Halt, stopp … Speere? Schildkrötenfleisch? Ja, richtig gelesen. Hier im „mikronesischen Hinterland“ wird neben Fisch auch Schildkröte gejagt und gegessen. Es gehört – wie der sonntägliche Kirchengang und die täglichen Tuba Circles – zur Kultur und ist tief in der Tradition der Inselbewohner verwurzelt. Der Fang, Zerlegen und Verarbeiten einer Schildkröte wird sogar regelrecht zelebriert: Groß und Klein – jeder hilft mit. Haut, Innereien, Fett, Fleisch, Eier – alles wird verwertet. Und die ganze Dorfgemeinschaft bekommt ihren fairen Anteil. Hierzu vorab eine kurze Warnung: Die folgende Bilderreihe sowie einige Bilder in der Galerie am Ende zeigen, wie sie ihren Fang ausnehmen und verarbeiten. Beim ersten ungewöhnlichen Menschenauflauf am Strand von Elato wurden Mirko und ich natürlich neugierig. Was passiert da? Dann entdeckten wir drei auf den Rücken gedrehte und zusammengebundene Schildkröten, über denen gerade ein Feuer entfacht wurde – und ich wurde sofort bleich im Gesicht. Ich hatte bereits genug gesehen, während Mirkos Neugier blieb und er dem Spektakel beiwohnte. Er sah, wie ein paar kräftige Männerhände die gegrillten Schildkrötenpanzer aufknackten, während andere das Fleisch und Fett davon lösten, auf einer Spanplatte in Stücke schnitten und portionierten. Er beobachtete, wie wieder andere die Innereien und die noch ungelegten Eier separierten und die kleinen Hände eines Kindes einige sandig gewordene Fleischstücke mit Meerwasser wuschen. Anschließend kam er mit unserem Anteil an frischem Fleisch zurück an Bord – natürlich in einem Cracker-Kübel –, denn als temporärer Teil der Gemeinschaft bekamen wir selbstverständlich auch etwas ab. Zudem hatten ihm die Dorfbewohner gleich ihre geheimsten Rezeptideen verraten, darunter das wohl beliebteste Rezept: der Schildkrötenburger. Schildkrötenfleisch schmeckt … na ja, wie Hähnchen. Einzig der Gedanke daran, dass es sich um ein Tier handelt, das man sonst fasziniert unter oder über Wasser beobachtet, und die grünliche Farbe der Haut erinnern daran, dass es eben doch eine Schildkröte ist. Sieht man einmal von Smartphones und Solarpanelen ab, blühen sowohl auf Lamotrek als auch auf Elato Tradition und Kultur. Männer tragen tagein, tagaus den sogenannten Teor, eine Art gebundenen Lendenschurz, während die Frauen ihre bunten Lavalavas (Röcke) selbst weben und stolz präsentieren. Die älteren Frauen sind manchmal noch oben ohne unterwegs, wie zu früheren Zeiten. Sowohl Männer als auch Frauen schmücken sich oft mit Blumenkränzen – sogar an ganz normalen Tagen, was neben den bunten Blumenbüschen und blütenbesetzten Bäumen auch ihre mikronesischen Gesichter leuchten lässt. Obwohl diese Inseln längst noch nicht so „westlich“ erscheinen wie die Hauptinseln, gibt es auch hier bereits Opfer der heutigen Zeit – darunter wahrscheinlich sogar eines der größten, das die schwindende mikronesische Kultur zu verzeichnen hat: das mikronesische Segelkanu. Die großen Kanus, mit denen die Mikronesier einst den Pazifik erkundeten und durch die sie den legendären Ruf als unerschrockene Navigatoren erlangten, stehen heute verstaubt und längst vergessen nur noch in den Men’s Houses herum. Heutzutage besitzen die meisten Mikronesier ein Fischerboot, um kleinere Strecken zurückzulegen oder angeln zu gehen. Um auf die Hauptinsel zu gelangen, kommt alle paar Wochen eine Fähre. Stolz sind die Einheimischen trotzdem auf ihre Kanus – doch genutzt werden sie kaum noch. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch das Wissen darüber verloren geht: die Kunst der Sternennavigation, das Lesen von Wellen und Wind, der Bau der Kanus aus traditionellen Materialien und das über Generationen weitergegebene Verständnis für den Ozean. Ein Wissen, das einst darüber entschied, ob man den Weg nach Hause fand – oder für immer im Pazifik verschwand. So herzlich, wie wir auf Lamotrek und Elato begrüßt wurden, wurden wir auch verabschiedet. An unserem letzten Abend, kurz nach Sonnenuntergang, wurde eine große Musikbox zum Men’s House geschleppt, es wurden Reden gehalten, Blumenkränze verschenkt, mit Tuba auf unsere gemeinsame Zeit angestoßen und ausgelassen getanzt. Definitiv ein Abend, den man nicht so schnell vergisst. Unser anschließender Stopp in Olimarao brachte die Reise durch Mikronesien schließlich zu einem schönen Ende. Nach so vielen menschlichen Eindrücken freuten Mirko und ich uns auf ein wenig tropische Ruhe, einsame Strände, wilde Natur und Unterwasserwelten nur für uns allein. Okay, nicht ganz allein. Überraschenderweise tummelten sich hier sowohl an Land als auch in den Lüften und unter der Wasseroberfläche alle möglichen Lebewesen. Überraschend deshalb, weil uns die Unterwasserwelt in Mikronesien – verglichen mit Fidschi und Vanuatu – bisher weder in Bezug auf die Korallen noch auf die Fischvielfalt wirklich überzeugt hatte. Und auch die „Land- und Flugsaurier unserer Zeit“ hatten sich durch die Besiedelung eher auf kleinere, abgelegenere Inseln zurückgezogen, die mit dem Boot oft nur schwer zu erreichen und zu erkunden sind. Olimarao ist ein unbewohntes Atoll im Bundesstaat Yap und gehört geografisch zu den sogenannten Outer Islands. Es besteht aus mehreren kleinen, dicht bewachsenen Inselchen, die von einer Lagune umgeben sind, und ist nur per Boot erreichbar. Unter den Bewohnern von Lamotrek gilt es als eine Art „Speisekammer“: Alle paar Wochen kommen sie hierher, um zu fischen, Schildkröten zu fangen, Eier aus den zahlreichen Vogelnestern der Tölpel zu sammeln und Kokoskrabben einzusammeln. Mirko und ich hingegen begnügten uns damit, die Tierwelt fasziniert zu bestaunen und nur ein wenig auf Jagd zu gehen – gerade genug, um unsere Lagerfeuer am Strand und die Pastagerichte an Bord in kulinarisch unvergleichliche Erlebnisse zu verwandeln. Gleich nachdem der Anker im tiefblauen Wasser auf sandigem Grund gefallen war, sprangen Mirko und ich ins Wasser, um zu den kleinen Korallenblöcken zu schnorcheln, die sich nur ein paar Meter von dem mit Palmen bewachsenen Inselchen entfernt befanden. Zwischen den auf gerade einmal drei Meter Tiefe liegenden, eigentlich völlig unspektakulären Korallen schwammen hunderte Fische! Noch nie hatten wir so viel Leben innerhalb einer Lagune gesehen. Ganze Schwärme schillernder Fische wurden von riesigen Rainbow Runnern und Bluefin Trevallys hin und hergescheucht, während zwischen ihnen mehrere Schwarz- und Weißspitzenhaie sowie einige Lemon Sharks in den unterschiedlichsten Größen ihre Runden drehten. Große Doktorfische, Papageienfische und diverse Jackfische beäugten uns kritisch, und sogar ein großer Thunfisch kreuzte unseren Weg. Jeden Tag betrachteten wir dieses Spektakel aufs Neue – langweilig wurde es nie. Mirko traute sich sogar mit der Speargun ins Getümmel und schoss, umringt von Haien, einen großen Trevally. Da war der Fang eines großen Rainbow Runners mit der Leine vom Dinghy aus zwar weniger spektakulär, aber gegrillt mindestens genauso lecker. Sogar unser ländlicher Jagdinstinkt wurde eines Abends geweckt, und wir machten uns – mit Messer und Kübel bewaffnet – auf die Suche nach Kokoskrabben. Die große Challenge dabei war nicht etwa das Jagen der Tiere selbst – die sitzen nämlich meist ahnungslos am Boden herum und lassen sich einfach aufheben. Nein, schwieriger war es, den Rückweg aus dem nächtlichen Dickicht zu finden. Selbst auf gerade einmal wenigen hundert Quadratmetern ist es gar nicht so einfach, die Orientierung zu behalten, wenn die Pflanzen den Blick auf den Sternenhimmel versperren, von allen Seiten das Meer rauscht und jede Palme gleich aussieht wie die nächste. Olimarao war für uns nicht nur das letzte Atoll Mikronesiens – nein, auch das letzte tropische Paradies für eine etwas längere Zeit. Nach der Überquerung des Marianengrabens – mit über 9.000 Metern die tiefste Stelle dieser unglaublichen Erde – erwartet uns im Anschluss wieder mehr Zivilisation: größere Städte in westlicheren Ländern und irgendwann sogar winterliche Temperaturen. Es bleibt spannend!

  • Im Reich der Giganten

    Vanuatu - 28. Oktober bis 16. November 2025 Viele Segler, die – anders als wir – den Südpazifik nicht endgültig hinter sich lassen wollen, kommen gar nicht bis hoch in den unbekannten Norden Vanuatus. Für die meisten endet die Reise bereits auf Espiritu Santo. Wir waren daher nur zwei von wenigen Cruisern, die die Besonderheiten dieser abgelegenen Regionen wirklich zu schätzen lernten. Hier begegnet man den Giganten Vanuatus : rauchenden Vulkanen, uralten Landschaften, dem endlosen Ozean – und an Land jenen stillen Bewohnern, die man in dieser Größe kaum erwartet. Kava, Wassermusik und Tradition Gaua, Banks Islands Die Banks Islands von Vanuatu bestehen – neben ein paar kleineren – aus drei Hauptinseln: Gaua, Vanua Lava und Ureparapara.Jede einzelne der Inseln der Banks-Gruppe, die wir besuchten, unterschied sich sowohl landschaftlich als auch kulturell deutlich von den anderen. Gaua , unser erster Stopp, ist vor allem bekannt für seine traditionellen Dörfer und die wilde, unberührte Natur. Für uns wurde die Insel zu einem der kulturellen Höhepunkte unserer Zeit in Vanuatu. Gleich am ersten Ankerplatz, Bushman’s Bay,  landeten wir unerwartet mitten in einer Kava-Zeremonie , sobald wir mit dem Dinghy am Strand ankamen. Als Chief Willi  uns willkommen hieß, lud er uns direkt ein, gleich daran teilzunehmen. Ich zögerte kurz – meist dürfen nur Männer mitmachen – doch er lächelte: „Hier trinken alle, und Frauen genießen den Kava sogar oft noch lieber.“ Also stellten Mirko und ich uns mit vier weiteren Personen in eine Reihe. Gegenüber hielt jeweils jemand eine Schüssel mit der grün-milchigen Flüssigkeit. Erst gossen wir einen kleinen Schluck für die Ancestors auf die Erde, danach tranken wir den Rest des Kavas in einem Zug. Mirko verzog wie immer das Gesicht, während ich den würzigen Geschmack, der in Vanuatu so besonders ist, genoss. Auf Gaua erlebten wir zudem die besondere Tradition der Wassermusik . Mit Blumenkränzen geschmückte Frauen standen hüfthoch im Wasser und erzeugten durch rhythmisches Klopfen, Schöpfen und Schlagen mit den Händen auf das Wasser eine ganz eigene Melodie. Vom Strand aus sahen wir gebannt zu und lauschten den einzigartigen Klängen. Später erklärte man uns, dass diese Kunst seit Generationen von Mutter zu Tochter weitergegeben wird. Anschließend überraschten uns dann die Männer mit traditioneller Musik: Sie gruben ein Loch in die Erde, deckten es mit einer Holzplatte ab und stellten sich im Kreis auf – einer mit Trommel, die anderen mit Bambusstäben. Als der Chief zu singen begann, setzten Trommel und Bambusstäbe rhythmisch ein und füllten den Platz mit einer kraftvollen, erdigen Melodie. Schließlich wurden auch wir aufgefordert, mitzutanzen. Es war ein Nachmittag voller Freude – für uns wie für die Dorfbewohner. Wanderung zum Mount Garet Gaua, Banks Islands Nicht nur kulturell, sondern auch landschaftlich hat Gaua unglaublich viel zu bieten. Von der Matanda Bay  aus machten wir mit Michel , dem jungen Chief des kleinen Dorfes, eine Tageswanderung ins Herz der Insel. Blickt man von oben auf Gaua (statt gleich in den Weltraum zu fliegen, reicht Google Earth völlig aus), erkennt man sofort Mount Garet , den aktiven Vulkan im Zentrum der Insel, der die Landschaft mit seiner mächtigen Caldera prägt. Die Wanderung war eine meiner liebsten hier im Inselstaat – obwohl nicht unbedingt wegen des Weges. Das Gestrüpp war scharfkantig und hinterließ viele kleine Kratzer an meinen Beinen, was zwei Wochen Wasserverbot nach sich zog. (Kratzer + Salzwasser = ☠️ … lange Hosen statt Shorts wären hier eindeutig besser gewesen.) Das Besondere war unsere kleine Wandergruppe – und natürlich der Vulkan selbst. Michel zeigte uns, welche Ressourcen und Traditionen das Leben auf Gaua prägen – von Gartenpflege über Kavaanbau bis hin zu Holzarten für Häuser, Kanus und Seile. Zwischendurch versorgte uns sein Onkel Roy, ein elfjähriger Junge (ja, richtig gelesen), regelmäßig mit frischen Trinkkokosnüssen. Während wir uns stärkten, versuchte Michel, mit seiner Steinschleuder Vögel zu erlegen – erfolglos. Es rieselten immer nur ein paar Blätter auf uns herab. Das Allerschönste an dieser Wanderung war jedoch die Ungewissheit . Es gab keine Beschreibungen im Internet und keine Erfahrungsberichte anderer Reisender – wir wussten nicht, was uns erwartete, und genau das machte alles umso spannender. Nach etwa drei Stunden Fußmarsch traten wir ahnungslos auf eine weite, offene Wiese – und plötzlich offenbarte sich die ganze Pracht der Landschaft unter uns. Mount Garet, ein Vulkan wie aus dem Bilderbuch, thronte rauchend im Zentrum seiner über Jahrhunderte geformten Caldera. Zu seinen Füßen lag der Lake Letas , der größte Süßwassersee Vanuatus. Seine tiefblaue, leicht bewegte Oberfläche wirkte unwirklich, und der Anblick hatte etwas Märchenhaftes. Zu dem Zeitpunkt hätte ich schwören können, vor einem riesigen Gemälde zu stehen. (Keine) Krokodile in Sola Vanua Lava,   Banks Islands Von Gaua aus war es ein Segeltag nach Sola auf Vanua Lava , dem Hauptort der Banks-Inselgruppe. Hier befanden wir uns im einzigen Teil Vanuatus, in dem es Krokodile gibt – und nicht irgendwelche, sondern Leistenkrokodile , die als die gefährlichste Krokodilart der Welt gelten. Doch nicht nur die riesigen Reptilien sorgten dafür, dass wir uns in Sola nicht lange aufhielten. Abseits der notwendigen Formalitäten gab es weder besonders Spannendes zu tun, noch etwas wirklich Gutes zu essen oder vernünftig einzukaufen. Nur dem Glück hatten wir es zu verdanken, dass wir nicht ausschließlich mit Mais, Dosentomaten und einer Brotfrucht zu unserem nächsten Ziel aufbrechen mussten, ein unbewohntes Atoll. Ein Einheimischer war so scharf auf ein paar Kilo unseres frisch gefangenen Speerfischs, dass er uns kurzerhand eine ganze Schubkarre voller Gemüse und Obst aus verschiedenen Privatgärten organisierte. Danach hieß es „Anker hoch!“ – und wir verließen die rolly Ankerbucht von Sola, um in das Rowa Atoll zu segeln, nur ein paar Seemeilen weiter nördlich. Zwischen Arbeit und Abenteuer Rowa Atoll, Banks Islands Rowa war unser erstes richtiges Atoll in Vanuatu – glasklares Wasser, tägliches Schnorcheln, abendliche Lagerfeuer am Strand und Inselerkundungen. Das unbewohnte Atoll besteht aus mehreren flachen Motus, die eine weitläufige, geschützte Lagune umgeben. Die Landfläche aller Inseln beträgt nur 0,1 km² – sehr viel Wasser, wenig Land. Auch wenn wir dort rund um die Uhr beschäftigt waren – Reparaturen, Schrauben, Flicken, Waschen und Putzen –, hatten wir einen wunderschönen Aufenthalt in Rowa. Zuerst kümmerte sich Mirko um das verstopfte und das undichte Backbordklo, danach um die Klopumpe. Gleichzeitig fertigten wir Moskitonetze für die Luken, reparierten einen defekten Ventilator, die kaputte Nähmaschine (die allerdings immer noch rumnörgelt), ersetzten diverse Dichtungen und montierten ein zusätzliches Sonnendach. Außerdem optimierten wir die Leinen für das Code-Zero-Segel und erledigten wie üblich Wäsche und Hausarbeit – so viel zum Thema „Leben wie im Dauerurlaub“ , ha. Die ersten Unterwasserabenteuer musste Mirko noch ohne mich erleben – ich hatte ja immer noch Wasserverbot. Ich selbst musste mich deshalb täglich schweißtreibend in Gummistiefel zwängen, um nicht nass zu werden – nicht einmal die kleinen Löcher in den bereits spröden Stiefeln halften wirklich gegen die Hitze, die sich um meine Füße staute. Nichtsdestotrotz genossen wir jede Minute unseres Aufenthalts auf Rowa. Ankern im erloschenen Vulkan Ureparapara,   Banks Islands Keine 11 Seemeilen vom Atoll entfernt, ankerten wir danach an einem ganz besonderen Ort. Hier liegt eine Insel, die stark von ihrer vulkanischen Vergangenheit  geprägt ist: Ureparapara . Die Besonderheit der Insel liegt in ihrem Krater. Wo einst Magma brodelte und Lava floss, klatschen heute die Wellen des Ozeans gegen die Küste. Vor vielen Jahrtausenden kollabierte ein Teil des Kraterrandes, wodurch sich eine große, flache Lagune bildete, die durch eine Öffnung im Osten mit dem Meer verbunden ist. In einem solchen erloschenen Vulkan zu ankern , war auch für uns etwas völlig Neues. So friedlich es in Rowa war, umso wuseliger ging es auf Ureparapara zu. Nur rund 300 Menschen leben hier, verteilt auf drei Dörfer. Dennoch wirkte es, als herrsche geradezu geschäftiges Treiben. Rona , eine 31-jährige Mutter von vier Kindern, führte uns durchs Dorf: vorbei an traditionellen Holzhäusern, die mit Bananen- und Pandanussblättern gedeckt waren, entlang bunter Blumenhecken und über kleine, liebevoll gebaute Holzbrücken. Die Bewohner begrüßten uns freundlich und hießen uns willkommen - manche blieben in ihrer Hängematte liegen, andere pflegten ihre Gärten, stellten Kokosöl über dem offenen Feuer her oder bauten ein neues Haus. Würden nicht ab und zu Solarpanele auf den Dächern glänzen und diese eine Starlink-Schüssel über den Häusern thronen – die wohl den ein oder anderen Dorfbewohner dazu verleitet, über das Gratis-WiFi ständig irgendwelche unsinnigen Reels auf dem Smartphone anzusehen –, hätte ich geglaubt, mich in einem  Freiluft-Museum zu befinden, in dem man beobachten kann, wie das Leben vor tausenden von Jahren ausgesehen haben könnte. Die Giganten der Abgeschiedenheit Tegua, Torres Islands Im Gegensatz zu den Banks wirkten die Torres Islands fast menschenleer. Die Inselgruppe ist der nördlichste und zugleich abgelegenste Teil Vanuatus . Auf rund 118 km² leben weniger als 1.000 Menschen – etwa sieben pro Quadratkilometer. Wir sahen keinen einzigen von ihnen, dafür umso mehr Tiere. Beim Schnorcheln in der Bucht Ngwel  bei der Insel Tegua begegneten wir zwischen bunten Rifffischen und grimmig wirkenden Groupern einer wunderschön schimmernden Sepia – eine echte Rarität – sowie einer Familie von Eagle Rays . Mehrere Adlerrochen, alle mit leicht unterschiedlichen Mustern, glitten gemächlich durch die Ankerbucht unter der Yum Yum hindurch, bis der kleinste von ihnen – der Babyrochen (aaaaaaw)  – plötzlich etwas Spannendes entdeckte und sich neugierig von der Gruppe entfernte. Man konnte richtig beobachten, wie sich der Mutterrochen wenig später in Bewegung setzte, um den Kleinen wieder einzusammeln. Auch an Land wartete eine tierische Überraschung auf uns: Kokosnusskrabben . Wir hatten zwar gehört, dass es hier viele von ihnen geben soll, waren dann aber doch erstaunt, wie viele wir tatsächlich im Dickicht, auf dem feuchten Boden und zwischen modrigen Kokosnüssen entdeckten. Diese gigantischen Krabben  sind die größten landlebenden Gliederfüßer der Welt und waren für mich bisher nur ein Mythos. Kokosnusskrabben erreichen eine unglaubliche Beinspannweite von bis zu einem Meter , können sogar auf Palmen klettern, um Kokosnüsse zu ernten und zu knacken. Außerdem können bis zu 60 Jahre alt werden. Die erste war noch ein Baby. Um ihren weichen Körper zu schützen, steckte sie – wie ein Einsiedlerkrebs – noch in einer Muschel und versteckte sich in einem Baumloch. Die nächste war schon deutlich größer, ohne schützendes Gehäuse, ihr blau schimmernder Panzer  hob sich deutlich vom Boden ab. Was für wunderschöne Tiere! Bald entdeckten wir viele weitere dieser meist nachtaktiven Krabben, einige gerade beim Mittagessen – sie beachteten uns kaum. Der krönende Abschluss Hiu, Torres Islands Der krönende Abschluss unserer Vanuatu-Reise erwartete uns jedoch auf dem Wasser: eine Delfinschule aus mindestens 50 Tieren, die wir genau in dem Moment entdeckten, als wir in von unserem Ankerplatz in der Yeu Metenia Bay zur Insel Hiu fahren wollten. Aufgeregt schwammen sie neben unserem Dinghy her, sprangen vor uns aus dem Wasser und pfiffen sich gegenseitig irgendetwas auf Delfinisch zu. Es war überwältigend. Doch das Allerbeste kam aber noch: Wir schwammen mit ihnen!  Natürlich ließen wir uns diese Chance nicht entgehen und sprangen mit Schnorchel, Maske und Flossen ins kristallklare Wasser. Die Tiere so nah und frei in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben, war ein einmaliges Gefühl. Endlich konnte ich endlich einen Punkt auf meiner Bucket List abhaken, der schon lange drauf steht: Mit Delfinen schwimmen.

  • What a beautiful dump

    Vanuatu - 8. bis 28. Oktober 2025 Keine Sorge, Vanuatu ist alles andere als ein ‚Dump‘ – eine Müllhalde ist das hier ganz bestimmt nicht. Worum es tatsächlich geht, erzähle ich später – es hat mit einem ganz besonderen, historischen Unterwasser-Ort zu tun. Aber eins kann ich schon verraten: Auch abseits davon hat Vanuatu wieder einiges zu bieten. Hinter uns lagen bereits aufregende Wochen – Campen am Fuße eines Vulkans, Schwimmen mit Dugongs, Feste, bei denen wir uns die Bäuche vollschlugen – und trotzdem war das Abenteuer noch lange nicht vorbei! Nachdem wir die Maskelyne Islands verlassen und uns von den faszinierenden Meeresbewohnern – vor allem den süßen Dugongs – verabschiedet hatten, stand als Nächstes etwas Trockenes auf dem Programm: Wandern! An Land! Am besten auf einen Vulkan! Gut also, dass es auf Vanuatu wahrlich genug von dieser Sorte gibt. Wir wählten natürlich den höchsten Berg mit der weitesten Entfernung am heißesten Tag aus: Mount Benbow auf Ambrym . 1.157 Meter hoch und 13 Kilometer entfernt. Man bedenke: Wir starteten fast auf Höhe des Meeresspiegels (0 Meter) und mussten die Strecke nicht nur hin-, sondern auch zurückwandern – insgesamt also 26 Kilometer Fußmarsch. Schon zwei Tage zuvor sammelten wir Kraft für die Wanderung und futterten uns durch die Essensstände eines Fußballturniers, das zum Jahrestag von Malampa – der Provinz, zu der Ambrym gehört – veranstaltet wird. Happy Malampa Day! Auch hier wurde uns wieder klar, wie reis-, kohl-, fleisch-, taro- und cassavalastig dieses Land ist. Das Nationalgericht Laplap – ein labbriger Cassavapudding mit Kokosmilch und einem Stück Fleisch oder Fisch – überzeugte uns dabei am wenigsten, obwohl es anscheinend DAS Vanuatu-Gericht bei Feiern und Festen ist. Vielleicht bedeutet Laplap ja auch einfach „labbrig“ – würde mich nicht wundern. Die Wanderung zu Mount Benbow  startete um 04:30 Uhr bei der Kava-Bar unseres Tourguides Francis – nicht etwa mit einer Schüssel Kava, um wach zu werden, sondern mit einer Runde warten. Warten auf unseren Fahrer mit dem Truck, der uns zum Ausgangspunkt bringen sollte. Francis war sichtlich nervös, als niemand auftauchte – es schien, als hätten sich nicht nur wir am Malampa Day gestärkt, sondern auch unser bestellter Fahrer. Der einzige Unterschied war wohl die Art der Stärkung. Bei ihm wohl in flüssiger Form – genug, um den Körper für die Nacht zu stärken, um in danach direkt auszulaugen. Immer noch überrascht, wie schnell wir trotz der unmenschlichen Zeit ein Ersatzfahrzeug bekommen hatten, wurde unsere achtköpfige Gruppe irgendwo im Dschungel abgesetzt. „Please come back.“ war das Einzige, was wir – genauer gesagt Doris – unserem Fahrer mit auf den Weg gaben, bevor uns die tropische Wildnis verschluckte. Natürlich ließen sich die Seenomaden dieses Abenteuer nicht entgehen. Dichter Dschungel, schwarze Sandebenen, bröckeliges Gestein, Böhen, Nebel, Schweiß und Hitze – das beschreibt wohl am besten die kommenden zehn Stunden. Anfangs ging es etwa eine Stunde durch den noch vom Morgentau feuchten Dschungel bis zu einer ebenen Fläche aus feinem schwarzen Sand, die ich fälschlicherweise für eine Straße hielt. Sie entpuppte sich als uralter Ausläufer / Lavastrom des Vulkans Drei Stunden liefen wir über diese Art „Strand“, wobei wir bei jedem Schritt ein bisschen einsanken (Muskelkater ahoi!). Nur wenige Schatten der angrenzenden Bäume schafften es auf unseren Weg, und wir liefen die meiste Zeit in der prallen Sonne. Wenigstens die weiß-pinken Orchideen, die hier zu Tausenden aus jeder Felsspalte sprossen, hielten der Hitze stand. Wir schwitzten und waren froh, genug Wasser dabei zu haben. Je näher wir dem Vulkan kamen, desto größer wurden die Steine. Der feine Sand verwandelte sich nach und nach in kleine, schwarz-blau-glänzende Lava-Kiesel, die sich mit Widerhaken an unserer Kleidung festkrallten. Wie kleine, ungewollte Begleiter rutschten sie zwischen Socken und Schuhen, pieksten bei jedem Schritt in die Haut und zwangen uns, alle halbe Stunde die Schuhe auszuleeren. Trotzdem waren Wanderschuhe tausendmal besser als Flipflops. Sogar Mirko wechselte nach wenigen Minuten seine Plastikschaufeln gegen Trekkingschuhe! Wer öfter unsere Blogeinträge liest, weiß, was es alles braucht, bis er tatsächlich mal seine Lieblingslatschen auszieht. Als die Steine schließlich ihre Endgröße erreicht zu haben schienen und wir uns an imposanten, schimmernden Felswänden entlangschlängelten, begann der steile Aufstieg. Gefühlt hatten wir bis dahin nur wenige der tausend Höhenmeter erklommen – jetzt holten wir sie nach. Die nächste Stunde konzentrierten wir uns mehr auf den Boden als auf die Umgebung, um nicht auf loses Geröll zu treten. Umso überwältigender war der Moment, als wir endlich den Rand einer Felsspalte erreichten und einen Blick auf die gesamte Umgebung und dieses vulkangeschaffene Wunderland werfen konnten. Der Vulkan Benbow, ein aktiver Schildvulkan, erstreckte sich vor uns, während tiefe, von erkalteter Lava durchzogene Canyons unter unseren Füßen lagen. Die Vegetation hat mittlerweile die Oberhand übernommen und überwuchert nicht nur die Ränder der Canyons, sondern auch alles am Fuße des Vulkans, das nicht von sprödem Vulkangestein begraben wurde. Die vom Vulkan geformten Lava-Landschaften sind einfach unglaublich beeindruckend und faszinieren mich immer wieder aufs Neue durch ihre Vielfalt an bunter Flora – entstanden über mehrere tausend Jahre. Bevor wir das letzte und anstrengendste Stück der Wanderung angingen, mussten wir noch einige Höhenmeter hinunterklettern, um zum Fuß des Vulkans zu gelangen. Obwohl die Erschöpfung schon überhandgenommen hatte und uns bewusst war, dass wir den ganzen Weg wieder zurückwandern mussten, machten wir uns schließlich an den Aufstieg bis zum Kraterrand. Schon nach den ersten zwei Schritten wurde klar, dass Francis’ „Only 10 minutes to the top!“ stark untertrieben war. Der Vulkan war ein reiner Schotterhügel, bestehend aus spitzen, kleinen Vulkansteinchen, die wir schon zu Hauf in unseren Schuhen gesammelt hatten. Würde man ein Loch graben, würde man wohl nie auf harten Untergrund treffen. Bei jedem Schritt sanken wir mindestens zwanzig Zentimeter ein, rutschten einen halben Meter ab, lösten kleine Kiesellavinen aus und füllten unsere Schuhe mit weiteren tausend Steinchen. Selbst größere, fest aussehende Steine bestanden nur aus zusammengebackenen Erdbrocken, die unter unseren Füßen auseinanderbröckelten. Francis’ 10 Minuten wurden schließlich zu einer Stunde – aber niemand gab auf, wir waren dem Ziel einfach zu nah. Eigentlich hätten wir schon vorher erahnen können, dass Francis nicht ganz zuverlässig mit Zahlen war, nachdem er erzählt hatte, dass er fünf Jahre als Tourguide in Neukaledonien gearbeitet und 26 Jahre auf Ambrym als Guide tätig war – obwohl er angeblich erst 35 Jahre alt war. Irgendwie geht diese Rechnung nicht ganz auf. Völlig erschöpft erreichten wir nach insgesamt 5 Stunden und 42 Minuten den Kraterrand von Mount Benbow – im nebeligen Nieselregen ohne Aussicht. Wir konnten nicht einmal einen Blick in den Krater werfen, so dicht war der Nebel und so kalt die Böen, die auf fast 1.200 Metern unsere schweißgetränkten Haare ins Gesicht peitschten. Na ja, wenigstens warteten als Belohnung selbstgemachter Nudelsalat und Kokoskekse aus der Packung auf uns. Früher standen wir hier über einem der berühmten Lava-Seen von Ambrym, die jahrzehntelang in den Kratern von Benbow und Marum, seinem Nachbarvulkan, glühten, und Touristen aus aller Welt anzog. Nach einer heftigen Eruption im Dezember 2018 wurden die Lava-Seen jedoch zugeschüttet, und der leuchtende Feuer-Effekt ist heute nicht mehr sichtbar, auch wenn der Vulkan weiterhin aktiv bleibt. Der Rückweg verlief über denselben Weg wie der Hinaufstieg. Im Gegensatz zum mühsamen Aufstieg ging das Herunterschlittern über den Vulkan geradezu beängstigend schnell, während sich der restliche, unspektakuläre Weg umso länger zog. Erst als wir wieder auf der offenen Ladefläche des Trucks Platz genommen hatten – er war tatsächlich zurückgekommen! – erfuhren wir von Francis, dass er unterwegs sein Smartphone verloren hatte. Kurz darauf gestand einer unserer Mitstreiter, einer der Schiedsrichter des Fußballturniers, dass er außer einem halben Liter Wasser nichts zu trinken dabei hatte und komplett dehydriert war. Als wir an einem Regenwassertank vorbeikamen, schien er am liebsten den ganzen Tank in einem Zug austrinken zu wollen. Es wäre definitiv besser für ihn gelaufen, wenn er uns einfach schon unterwegs nach Wasser gefragt hätte. Nach diesem aufregenden Besuch auf Ambrym ging es für uns auf Pentecost weiter – geradezu erholsam nach dem Vulkanabenteuer. Die Insel ist weltweit bekannt für die Urform des Bungeejumpings, das sogenannte „Land Diving“. Obwohl Nebensaison war und sich nur vereinzelt Autos über die lange, von chinesischen Bauarbeitern durch das Grün der Insel geschlagene Betonstraße bewegten (wahrscheinlich ist hier ohnehin nie viel los und man könnte problemlos sein Zelt aufschlagen), wurden wir von einer freundlichen Dame herumgeführt. Sie lud uns ein, einen der beeindruckenden Türme zu besichtigen, die das ganze Jahr über zur Veranschaulichung für Touristen und Cruiser stehen, die – wie wir – zur falschen Jahreszeit kommen. Das traditionelle Land Diving findet normalerweise im April und Mai statt, wenn die Lianen noch elastisch und nicht spröde sind. Heute springen junge Männer von hölzernen Türmen, die bis zu 30 Meter hoch sein können. An jedem Fuß werden Lianen befestigt, deren Länge individuell angepasst wird. Beim Sprung bricht die Plattform gezielt weg, der Springer fällt nach vorne und wird kurz vor dem Boden durch die Lianen wieder nach oben gezogen. Ursprünglich hatte das Ritual eine tiefe spirituelle Bedeutung: Es markierte den Übergang ins Erwachsenenalter und sollte eine gute Yamsernte sowie die Gesundheit des Dorfes sichern. Der Ursprung liegt in einer Legende: Eine Frau namens Tamala floh vor ihrem eifersüchtigen Mann, band sich Lianen um die Knöchel und sprang von einem Baum. Ihr Mann sprang ihr hinterher – ohne Lianen – und starb. Aus dieser Geschichte entwickelte sich zunächst eine Mutprobe, die später von den Männern übernommen wurde und sich zu einem wichtigen Initiationsritual wandelte. Heute wird das Land Diving nur noch in wenigen traditionellen Dörfern rituell durchgeführt. In den meisten Fällen findet es vor allem für Touristen statt – als eindrucksvolles, aber auch etwas verstörendes Zeugnis einer jahrhundertealten Tradition, die als Grundlage des modernen Bungee-Jumpings gilt. Auf Pentecost gönnten wir uns neben spannender Kultur auch ein sagenhaftes kulinarisches Erlebnis: ein typisches ni-Vanuatu 12-Gänge-Menü! Unsere Gastgeber, ein nettes Paar, hatten vor einigen Jahren ihren Yachtclub in der Loltong Bay durch einen Hurrikan verloren. Seitdem beschäftigten sie sich damit, das Dach nachwachsen zu lassen – um es später „ernten“ zu können (ja, richtig gehört) und den Wiederaufbau des Clubs zu starten – und nebenbei Cruiser wie uns zu verköstigen. Auf dem Menü standen mehrere Laplap-Varianten aus Cassava (Maniok) und Kochbananen, manchmal eingewickelt in Island Cabbage (mehr eine Art Spinat als Kohl), dazu geräucherte Papaya, Süßkartoffeln und Yams in sämtlichen Varianten, Brunnenkresse, Kürbisblätter und Gerichte mit zerkleinerter oder geriebener Nangai, der typischen Nuss aus Vanuatu. Außer dem Nachtisch, einem Fruchtsalat aus lokalem Obst und Nangai, wurde natürlich alles mit Lolo (Kokosmilch) serviert. Im Nachhinein war wohl ein kleines Wunder, dass wir es zurück zur Yum Yum schafften, ohne das Dinghy durch unser zusätzliches Gewicht zu versenken. In Espiritu Santo , der größten Insel Vanuatus, standen schließlich ein paar Abschiede an. Zuvor wollten wir aber noch dieses legendäre Blue Hole besuchen, von dem alle schwärmten – ein Badeloch mitten in den Mangroven, umgeben von hohen Bäumen. Hätten uns die Mücken nicht schon nach einer Stunde aus dem türkisblauen, natürlichen Süßwasserbad gejagt, wären wir wohl länger in dieser Idylle geblieben – ein verzauberter Ort mitten in der Wildnis. Außerdem war da noch dieser mysteriöse militärische Müllhaufen, den man anscheinend gesehen haben musste. Sein offizieller Name lautet „One Million Dollar Point“ bzw. „WWII Dumpground“ des U.S. Military und sieht zunächst aus wie ein chaotischer Haufen aus alten Autos, Jeeps, Baggern, Kanonen und allerlei Metallkram, der heute von Korallen überwuchert wird. Aber hier steckt echte Geschichte dahinter: Am Ende des Zweiten Weltkriegs standen die Amerikaner vor einem logistischen Problem. Die Truppen mussten heim, die Ausrüstung war riesig – Jeeps, Lastwagen, Bagger – und der Rücktransport nach Amerika viel zu teuer. Sie versuchten, das Material zu einem Spottpreis zu verkaufen, doch die Kolonialbehörden lehnten ab. Also wurde kurzerhand entschieden: alles ins Meer damit. So entstand das spektakuläre Unterwasser-Wrackfeld, das heute als künstliches Riff ein Paradies sowohl für Fische als auch für Taucher und Schnorchler ist. Bereits das Ufer war übersät mit vom Wasser abgestumpften Scherben und kaputten Glasflaschen. Der Inhaber des dortigen Tauchclubs traf mit seiner Aussage den Nagel auf den Kopf: „What a beautiful dump“. Tatsächlich wurden wir hier das erste Mal übers Ohr gehauen. Ein Mann namens Simon verlangte Wegzoll für die Überquerung seines Grund und Bodens. Wir glaubten ihm zunächst, schließlich hing ein Schild mit den Preisen und wir hatten vorher gehört, dass es eine Kleinigkeit kostet. Später erfuhren wir vom echten Simon, dass der Betrüger die Gunst der sonntäglichen Kirchenstunde ausgenutzt hatte, um sich als Landbesitzer auszugeben und das Geld ahnungsloser Touristen einzustecken. Natürlich war er längst über alle Berge – vermutlich sogar mit dem Taxifahrer, der uns zuvor dorthin gebracht hatte. In Luganville , der größten Stadt auf Espiritu Santo, mussten wir uns schließlich von unserem Crewmitglied Miri verabschieden. Die vier Wochen voller Lachen, Abenteuer und gemeinsamer Erfahrungen vergingen wie im Flug. Gleichzeitig trennten sich auch unsere Wege von Doris und Wolf. Seit Fidschi waren wir gemeinsam mit unserem Buddyboat unterwegs gewesen, hatten so viel erlebt, gelacht und uns aneinander gewöhnt, dass der Abschied uns allen wirklich schwerfiel. Die Nomad segelt nun nach Westen Richtung Australien, während wir weiter nach Norden nach Mikronesien aufbrechen.Nicht nur die gemeinsamen BBQs, Abendessen, Papayakuchen- und Kaffeerunden – immer gewürzt mit ihren Seglergeschichten aus der ganzen Welt und einem kleinen Damen-Rum – werden uns fehlen. Auch ihre Witze, die Energie und Begeisterung, ihre Fürsorge und Hilfsbereitschaft hinterlassen eine große Lücke, die wir so schnell nicht füllen können. Obwohl wir aus derselben Ecke der Welt stammen, wird es wohl eine Weile dauern, bis sich unsere Wege wieder kreuzen. Bis dahin werden Mirko und ich unser Bestes geben, all das weiterzutragen, was wir an den Seenomaden so geschätzt haben – und das, was wir aus dem „heiligen Geo 2000“ gelernt haben 😉. Kokosbusserl ins schöne Österreich! Hoch über den Canyons, die die Lava einst geschaffen hat. Bei wechselndem Wetter hoch zum Vulkankrater Runter ging es dann ziemlich zügig What a beautiful dump!

  • Wo Meerjungfrauen Seegras fressen

    Vanuatu - 19. September bis 8. Oktober 2025 „Vanuatu? Ein faszinierendes Land! Aber abgesehen von dieser militärischen Mülldeponie unter Wasser gibt es nicht viel, wenn man ans Schnorcheln denkt.“ … „Es gibt zwar richtig coole Wanderungen, aber dafür braucht man immer einen Guide – und den muss man natürlich bezahlen. Manchmal zahlt man sogar nur dafür, dass man irgendwo ankern darf.“ … „Und dann ist da noch dieses Turmspringen, oder? War da nicht Joko? Oder Klaas von dieser TV-Show?” … “Und diese Festivals mit Tänzen und Erdferkeln? Allerdings glaube ich nicht, dass zu dieser Jahreszeit gesprungen und gefeiert wird.“ … „Ich habe gehört, die Menschen von Vanuatu sind nicht immer besonders gastfreundlich. Und wenn sie nett sind, erwarten sie oft eine Gegenleistung.“ Wenn wir diesen Aussagen  geglaubt hätten, wäre Vanuatu, überspitzt gesagt, zwar interessant, aber auch teuer – voller Touristenfallen. Es ist zwar von viel Wasser umgeben, doch bunte Riffe mit kleinen, süßen Fischen gibt es dort nicht, und Mirko und ich besuchten das Land zu allem Überfluss auch noch zur falschen Jahreszeit. Hm. Trotzdem waren wir da. Nicht nur, weil es quasi auf unserer Segelroute Richtung Nordhalbkugel lag, nein. Auch deshalb, weil wir beschlossen hatten, dieses neue, unbekannte Land, von dem niemand etwas Genaues zu wissen schien, unter die Lupe zu nehmen. Spätestens nachdem ich ein Aufklärungsgespräch mit Mr. Google hinter mir hatte (es gibt hier tatsächlich etwas noch viel Besseres als kleine bunte Riff-Fische!) und wir Mount Yasur und ganz Tanna das Heck zugewendet hatten, war der Funke an Vorbehalten, den man uns über Vanuatu ungewollt wie einen lästigen Muschelbewuchs am Rumpf mitgegeben hatte, mit einer schnellen Handbewegung ausgelöscht. (Ach, wie schön wäre es, den Bewuchs auf dem Unterwasser der Yum Yum so einfach wegzuputzen.) Eines war ab diesem Zeitpunkt nämlich klar: Man muss sich Zeit nehmen, sich sein eigenes Bild von einem Land zu machen und sich nicht zu sehr von anderen beeinflussen lassen. Lustig irgendwie, wenn das jemand (= ich) schreibt, der quasi Erfahrungsberichte über Länder und deren Einwohner verfasst, um sie dann zu veröffentlichen – haha. Falls ihr also mal nach Vanuatu reisen möchtet, könnt ihr entweder jetzt aufhören zu lesen (nicht empfohlen) oder diesen Artikel als eine bunte, wild mit Pinselstrichen besprenkelte Leinwand interpretieren (empfohlen). Quasi ein Bild, das in einer Galerie hängt, dessen künstlerische Absicht es ist, eine ganz persönliche Geschichte zu erzählen und den Betrachter dazu zu inspirieren, ein eigenes Bild zu malen. Punkt. Jetzt ist es aber genug mit den Anekdoten. Unser erster Stopp nach Tanna war Erromango . Wie wir es bereits von anderen Pazifikinseln kannten, wurden wir auch hier freundlich begrüßt. Ein älterer Einwohner namens David paddelte noch am selben Abend, kurz nachdem wir vor Dillon’s Bay geankert hatten, mit seinem Kanu zur Yum Yum, begrüßte uns herzlich, reichte uns ein paar Papayas und Bananen und lud uns ein, am nächsten Tag an Land zu kommen – es war von Anfang an klar, dass er keine Absage duldete. Seine „Einladung“ beinhaltete eine Tour durch seinen Heimatort, eine kleine Verköstigung typischer Speisen aus Vanuatu und eine Trinkkokosnuss, die seine Frau extra für uns vorbereitet hatte. Wie auch in anderen Inselstaaten besteht die Ernährung hier in Vanuatu hauptsächlich aus Tarowurzeln, Maniok, Bananen, Yams und Papayas. Ich persönlich hatte mir auf Erro mango  natürlich zusätzlich Mangos erhofft – vor allem, weil wir ständig um die Mangosaison herumgesegelt waren. Natürlich gab es auf der Insel jede Menge Mangobäume, doch die Früchte daran waren – was hatte ich auch gedacht – noch nicht reif genug. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass wir uns ein paar Wochen später kaum noch vor den Unmengen an Mangos, die kiloweise auf den Märkten verkauft wurden, retten konnten – yay! Nach der 4.000-Einwohner-Insel stand ein paar Seemeilen weiter nördlich eine etwas dichter besiedelte Insel auf dem Plan: Efate . Hier in Port Vila, der stark zerstörten Hauptstadt Vanuatus, holten wir unsere Crew ab: Miri, eine 27-jährige Deutsche, die ich vor circa einem Jahr in Borneo kennengelernt hatte. Für die nächsten Wochen waren wir also zu dritt unterwegs. Warum zerstört? Im Dezember 2024 wurde Port Vila von einem schweren Erdbeben erschüttert. Rund 90 Prozent der Gebäude wurden dabei beschädigt – etwa 40 Prozent davon sogar schwer und sind seitdem baufällig und nicht mehr bewohnbar. Bei vielen wird bis heute renoviert oder sie wurden bereits abgerissen. Die Stadt wirkt in manchen Teilen geradezu geisterhaft verlassen. Ehrlich: Die besten Mangos meines Lebens habe ich eindeutig auf Vanuatu gegessen. Die Einheimischen essen sie übrigens entweder wie Äpfel (reinbeißen, Schale ausspucken und das Fruchtfleisch vom Kern essen), wie Bananen (mit einer Hand unten halten und mit der anderen die Schale von oben herunterziehen) oder zutzeln einfach so lange daran, bis nur noch der trockene Kern übrig bleibt. Wenn man von den verheerenden Erdbebenschäden absieht, wirkte  Port Vila  für uns wie jede andere Stadt im Pazifik: heiß, dreckig, laut und teuer. Letzteres war aber wohl – wie so oft – Eigenverschulden, da wir neben dem Aufstocken unserer Lebensmittelvorräte in den französisch angehauchten, gut gestockten Supermärkten (uuuh Schokolade! yesss Olivenöl! wooow Brokkoli! mmmmh Feta! – alles importiert, also teuer) auch die Infrastruktur nutzten und sämtliche Restaurants, Cafés, Bäckereien und „Eisdielen“ ausprobierten – aka die Supermarkt-Kühltruhen, denn diese Treats bleiben einem als Segler auf den (fast) einsamen Atollen und Inselchen normalerweise verwehrt. Obwohl wir anscheinend zur „falschen“ Jahreszeit in Vanuatu waren, kamen wir trotzdem in den Genuss eines Festivals. Leider handelte es sich dabei nicht um eines der bekannten Cultural Festivals, sondern – Trommelwirbel – um eine Gebäudeeinweihung! Schon von weitem sahen wir die gelb-grünen Flaggen stolz über den Palmen der kleinen, vor Port Vila gelegenen Insel Ifira wehen, auf dem das neue Government-Building eröffnet wurde. Zwar mussten wir auf die traditionellen Tänze, die schwarze Magie und das Turmspringen verzichten, nicht aber auf das Festmahl. Bereits während der – uns sowohl sprachlich als auch akustisch unverständlichen, aber bestimmt eh sehr langweiligen – niemals endenden Reden huschten Menschen in den Farben von Ifira umher, bereiteten eifrig Mahlzeiten zu oder rutschten ungeduldig auf den Plastikstühlen hin und her, während sie auf das Essen warteten und darauf, dass das traditionelle Pig Killing begann. Das Pig Killing wird hierzulande bei nahezu allen kulturellen Veranstaltungen durchgeführt und ist ein riesiges Spektakel. Dabei wird im wahrsten Sinne des Wortes ein Schwein vor den Augen aller Anwesenden getötet. Es hat eine symbolische und zeremonielle Bedeutung: Traditionen werden bewahrt, die Ahnen geehrt und der soziale Zusammenhalt der Gemeinschaft demonstriert. Das Schwein wird anschließend in einem Erdofen zubereitet und später gemeinsam verspeist. Glücklicherweise wurde auf Ifira kein Schwein vor unseren Augen geopfert (Anmerkung des Kapitäns: „Ich hät das scho gärn gseh“). Stattdessen trug eine Gruppe von Männern in traditionellen Gewändern etwa 20 Schweine in geschmückten Käfigen zeremoniell auf die Bühne. Dort wurden sie von (offenbar wichtigen) Personen tätschelt bzw. geehrt, bevor man sie wieder von der Bühne trug, begleitet von Gesang und dem Rasseln von Kokosnussschalen an den Knöcheln der Männer. Neugierig schlichen wir uns irgendwann von der Zeremonie weg, die schon seit eineinhalb Stunden hauptsächlich aus Reden und dem ständigen Rein- und Raustragen von Schweinen bestand, und beobachteten die Frauen und Männer, die das Essen für die Gäste vorbereiteten. Die traditionellen Erdöfen waren schon mindestens einen Tag vor der Feier ausgegraben, mit heißen Steinen bestückt und befüllt worden. Als die Abdeckung aus Bananenblättern schließlich entfernt wurde, kamen Unmengen riesiger Fleischstücke zum Vorschein – als hätte man das Schwein einfach fünfmal zerteilt und zum Garen in den Ofen gelegt. Darunter lagen zudem einige geflochtene Körbe mit Maniok, Taro und Brotfrucht. Als das Essen endlich startete, wurden wir Touristen gleich von mehreren Seiten angesprochen und nach unseren Wünschen gefragt. Noch bevor wir wirklich antworten konnten, brachte man uns einen ganzen Tray voller Fleisch und Gemüse, scheuchte uns liebevoll zum Salat- und Beilagenbuffet und schenkte uns eine grüne, matte Brühe aus einem Eimer mit der Aufschrift „Wall Sealer“ ein – Kava! Da der Kava hier in Vanuatu nicht wie in Fidschi mit getrockneten, sondern mit frischen Wurzeln hergestellt wird, gilt er als eine der stärksten Mischungen im Pazifik. Natürlich lehnte Mirko sofort höflich ab („I have to drive the dinghy” lautete seine Ausrede, da sein Bauch diese Brühe nicht verträgt), während Miri und ich es kaum erwarten konnten, das Fleisch mit ein bisschen „Wandversiegelungsmittel“ runterzuspülen. Durch seinen würzig-frischen und daher weniger erdigen Geschmack fand ich ihn sogar richtig gut! Wir entschieden uns nach Port Vila und Ifira zunächst für ein paar kurze Überfahrten entlang Efate, um Miri langsam auf die offene See vorzubereiten. Zuerst bestaunten wir gemeinsam mit rund 200 Landtouristen die feuerschwingenden Künstler der Freitag-Abend-Feuershow in Mele Bay . Anschließend ankerten wir vor Pele Island , einer kleinen Insel nördlich von Efate. Wir liefen am Strand entlang, genossen die Ruhe der Bucht und aßen zu Abend mit unseren Buddys Doris und Wolf auf der Nomad. Außerdem unternahmen wir eine idyllische Wanderung durch Dschungel und hohes Gras auf der Nachbarinsel Nguna – bis uns aus dem Nichts, nur etwa 100 Meter vor dem Ziel, ein provisorisch aussehender Zaun den Weg versperrte. Aus Trotz setzten wir uns direkt vor das Holzschild mit der Aufschrift „No Trespas“ (wahrscheinlich sollte es "No Trespassing", also "Betreten verboten" heißen), aßen unsere Gipfeljause vor den Augen der Einheimischen, die uns für das letzte Stück 2.000 Vatu (15 Euro) pro Person abknöpfen wollten, und ließen, diesmal aus Prinzip, die Drohne ein paar schöne Fotos von oben schießen. Zwischen Efate und Epi, unserem nächsten Segelziel, lagen etwa 60 Seemeilen – und genau auf halber Strecke das Cook Reef . Ja, Captain Cook’s. Langsam wird es uns klar: Deine Lieblingsbeschäftigung war wohl, überall ein englisches Fähnchen reinzustecken und anschließend alles nach dir ( Cook  Reef), deinem Boot (Port Resolution ) oder etwas typisch Englischem ( Maskelyne  Islands, nach Nevil Maskelyne, einem britischen Astronomen) zu benennen. Sogar Vanuatu hieß vor seiner Unabhängigkeit „New Hebrides “. Captain Cook leitete den Namen von den Hebriden in Schottland ab. Der Wind war an diesem Tag stark, und Mirko war sich bis kurz vor dem Riff nicht sicher, ob es eine gute Idee war, bei so viel Knoten auf einem kleinen Sandpatch ungeschützt mitten im Ozean zu ankern – mit nur wenig Schutz durch das vollständig unter Wasser liegende Riff. Ganz zu schweigen davon, mit der kleinen YY, unserem Dinghy, herumzufahren, zu baden und Fischlein zu beobachten. Doch das immer noch im Hinterkopf herumspukende Gerücht, dass dieses Land zum Schnorcheln nicht geeignet sei, ließ schließlich der Neugier den Vortritt, und wir setzten den Anker tief in den Sand – ohne Probleme. Den Anker sicher im Sand sitzend, machten wir uns auf zu unserem ersten Schnorchelabenteuer in Vanuatu – und es war großartig! Die riesigen, aneinandergereihten Korallenblöcke boten vielen großen und kleinen Meeresbewohnern ein Zuhause: riesige Papageienfische, überdimensionale Grouper (Zackenbarsche), eineinhalb Meter große Riffhaie, eine mir zuvor unbekannte Art von Stachelrochen (späteren Recherchen zufolge ein Cow Tail Ray) und unglaublich viele Variationen an Rifffischen. Hier schien zudem irgendwie alles ein wenig größer zu sein als anderswo – von wegen kein Schnorchelrevier! Während unserer Reise durch Vanuatu überraschte uns nicht nur das Cook Reef mit einer Vielfalt an gesunden Korallen und Fischen. Auch die rauen Küsten von Epi, die steile Ankerbucht vor Ambrym und andere Inseln hatten neben Adlerrochen und Schildkröten, die sich zu Dutzenden um unser Boot am Ankerplatz versammelten, Unmengen an Tieren und Pflanzen unter der Meeresoberfläche zu bieten. Und dabei bin ich noch gar nicht zu dem anfangs erwähnten Meerestier gekommen, das nicht nur in mir, sondern auch in Mirko und Miri übergroße Verzückung ausgelöst hat. Die besten Chancen, es zu treffen, hat man in den  Maskelyne Islands , einer Ansammlung vieler kleiner Inselchen nordwestlich von Epi – und genau dort setzten wir als Nächstes den Anker, um es aus nächster Nähe zu beobachten. Lange mussten wir nicht im Wasser herumpaddeln, bis wir sie ein paar Meter entfernt erblickten. In einer eigenartig aussehenden, aber auch irgendwie rhythmischen Bewegung bewegten sich die zwei bis drei Meter großen Lebewesen durchs Wasser und gingen gemächlich ihrer Lieblingsbeschäftigung nach: Seegras fressen. Dennoch waren sie flinker als erwartet, und wir mussten viel Geduld und Ruhe mitbringen, um sie nicht aufzuschrecken – vor allem nicht die Mama mit ihrem Baby. Als ich sie zum ersten Mal sah, dachte ich einfach nur: „Wie süß! Das sind ja dicke, graue, schwerfällige, große Delfine!“ Na, mittlerweile erraten? Es handelt sich um nichts anderes als … Meerjungfrauen! Na gut, fast. Denkt euch den menschlichen Teil weg und tadaaaa – jetzt ist es richtig: Es handelt sich um Dugongs! Dugongs gehören zur Familie der Seekühe und sind eine der letzten noch existierenden Arten dieser uralten Säugetiergruppe. Sie leben in warmen, flachen Küstengewässern und ernähren sich hauptsächlich von Seegras – bis zu 40 Kilo pro Tag. Genau deshalb werden sie oft als die „Gärtner der Meere“ bezeichnet, weil sie die Seegraswiesen kurz und gesund halten. Sie können bis zu drei Meter lang und über 400 Kilo schwer werden, bewegen sich aber überraschend sanft und leise durchs Wasser. Sie sind sehr scheu, reagieren empfindlich auf Lärm und Motoren und ziehen sich schnell zurück, wenn sie gestört werden. Nachwuchs bekommen sie selten, weshalb Dugongs heute als gefährdet gelten – jede Begegnung ist also etwas ganz Besonderes. Und da waren noch… …die kleinen Katastrophen auf hoher See.  Neben den ganzen kulturellen Abenteuern habe ich den Segelaspekt ein wenig in den Hintergrund geschoben – dabei ist auch hier einiges passiert. Es gab wunderschöne Segeltage, an denen der Wind unsere Segel füllte und wir uns immer wieder ein kleines, inoffizielles Wettrennen gegen die SY Nomad lieferten. Gleichzeitig wurden wir, vor allem Mirko – alias Kapitän, Mechaniker, Elektriker, Installateur und Mädchen-für-Alles – von einigen Zwischenfällen beschäftigt. Kurz vor Erromango spielte der Autopilot verrückt und erschwerte die Manövrierfähigkeit. Obwohl er ausgeschaltet war, entkoppelte er nicht richtig vom Rudermechanismus. Mirko musste ihn am Ankerplatz ausbauen, putzen und reparieren – den wir glücklicherweise ohne größere Probleme erreichen konnten. In den Maskelyne Islands streikte als Nächstes die Wasserpumpe – wieder einmal. Wie damals in Tonga war der Sensor kaputt, der auf den Wasserdruck reagieren sollte. Glücklicherweise hatte Mirko schon so viel herumgehaushaltet, dass ein Ersatzteil, zusammengesetzt aus verschiedenen Pumpen, verfügbar war und eingebaut werden konnte. Zu guter Letzt war das Segel bzw. der Lazybag dran. Auf der Backbordseite riss eine Leine während einer rasanten Fahrt, als wir das Groß reffen wollten, und das ganze Segel, das normalerweise sauber im Bag verstaut war, plumpste unschön heraus. Glücklicherweise beeinträchtigte das unseren Törn nicht – es sah nur unschön aus – und war, im Gegensatz zur Wasserpumpe, schnell wieder repariert. Beeindruckende Feuershow in Mele Bay Wie süss ist denn dieser Dugong? Davon kriegt man nie genug: Die Unterwasserwelt Schnorkeln an einem Wrack vor Ambrym

  • Tanna, die Feuerinsel im Pazifik

    Tanna, Vanuatu - 12. September bis 19. September 2025 Es war soweit. So leicht es einem fällt, Fidschi mit seiner atemberaubenden Landschaft und seinen liebenswürdigen Menschen ins Herz zu schließen, umso schwerer ist es, dieses faszinierende Land irgendwann wieder zu verlassen. Andererseits freuten wir uns darauf, ein neues Abenteuer anzutreten und etwas Neues zu entdecken. Jetzt wurde es spannend. Nachdem wir in Lautoka und Denarau drei Tage lang die Läden durchstreift und unsere Vorräte gründlich aufgefüllt hatten – wer konnte schon sagen, wann wir wieder auf gut sortierte Shops stoßen würden – und wir dazwischen noch eine tolle Eintageswanderung zum Mount Batilamu mit den Seenomaden Doris und Wolf unternommen hatten, fühlten Mirko und ich uns bestens vorbereitet für das nächste Abenteuer. Wir wollten das kommende Wetterfenster nutzen und nach Vanuatu segeln. “Vanu… was?” war die häufigste Reaktion, die ich bekam, als ich meinen Freunden und meiner Familie erzählte, wohin es als Nächstes gehen würde. V-a-n-u-a-t-u. Nein, auch nicht Vanatu , wie selbst Mirko es – sogar jetzt noch, nach dem hundertsten Mal – falsch ausspricht. Die Inselgruppe liegt im Südpazifik, rund 200 Seemeilen westlich von Fidschi und nur eine kurze Segelstrecke von Neukaledonien entfernt. Seit 1980 ist Vanuatu von Großbritannien und Frankreich unabhängig und seither eine parlamentarische Republik. Vanuatu hat etwa 330.000 Einwohner und besteht aus 80 Inseln, von denen 65 bewohnt sind. Meist gibt es auf den Inseln viele kleine Dörfer, in denen jeweils nur ein paar Familien zusammenleben. Neben Englisch und Französisch gibt es noch eine andere Amtssprache, die sich Bislama nennt. Es handelt sich dabei um eine super witzige Sprache, die klingt, wie ein Mix aus „kaputtem“ Englisch und Französisch und wird auch “Pidgin English” genannt. Durch sie können sich die Menschen aus den verschiedenen Teilen Vanuatus überhaupt verständigen, denn bei sage und schreibe 110 verschiedenen lokalen Sprachen wäre Kommunikation sonst kaum möglich. Selbst auf kleinen Inseln, die nur wenige Kilometer breit sind, spricht nämlich jedes Dorf seine ganz eigene Sprache, die für die anderen Bewohner oft unverständlich bleibt. Diese Tatsache kürt Vanuatu zu einem der sprachlich buntesten Länder der Welt. Und noch etwas macht es besonders: Laut Happy Planet Index  zählt Vanuatu zu den glücklichsten Ländern weltweit – nicht wegen Wohlstand, sondern wegen Lebensfreude, Gemeinschaftssinn und einem beeindruckend nachhaltigen Lebensstil. Was viele nicht wissen (selbst wenn ihnen der Name Vanuatu schon einmal irgendwo begegnet ist): Vanuatu liegt auf dem Pazifischen Feuerring und somit in einer der aktivsten tektonischen Zonen der Erde. Es gibt mehr als zehn aktive Vulkane – darunter den Mount Yasur auf Tanna, Mount Benbow auf Ambrym und Mount Garet auf Gaua – sowie mehrere unterseeische Feuerberge. Durch die ständigen Erdbeben und Vulkanausbrüche verändert sich das Land fortlaufend. Manche Inseln heben sich nach einer Eruption um mehrere Meter, manchmal versinken Landstriche unter der Wasseroberfläche. Als Segler muss man deshalb immer ein wachsames Auge auf den Tiefenmesser haben, egal ob bei Überfahrten oder beim Ankermanöver, denn Vanuatu birgt gelegentlich unerwartete Überraschungen. Statt der auf der Seekarte angekündigten 60 Meter Wassertiefe hatten wir zum Beispiel schon einmal nur 15 Meter – immer noch genug, aber eben ein Zeichen dafür, wie sehr die brodelnden Giganten die Umgebung beeinflussen. Zusammengefasst sahen die vier Tage und Nächte unserer Überfahrt ungefähr so aus: Erst hatten wir unruhige See mit hohen Wellen, dann wurde das Meer plötzlich fast zu glatt – kein Wind, also mussten wir den Motor anwerfen, was uns über Stunden mit seinem Brummen begleitete. Das Wetter wechselte im Stundentakt: Sonne – Regen – Sonne – Regen – Sonne. Zum Glück überwog der Sonnenschein. Wir aßen viel Pasta Pesto – das typische Überfahrtsessen – und zu meiner Freude gab es noch Reste der Geburtstagstorte von Mirkos besonderem Tag, den wir noch in Fidschi gefeiert hatten. Als endlich zum dritten Mal die Dämmerung anbrach, tauchte die Silhouette der ersten Insel dieses uns noch völlig unbekannten Landes auf. Vanuatu lag vor uns. Nach drei Tagen und Nächten auf See erreichten wir Tanna – der Beginn unseres Vanuatu-Abenteuers. Als ich an besagtem Morgen aufstand, wusste ich gar nicht, wohin ich zuerst schauen sollte. Im Osten die orangefarbene Sonne, die ihre sonnenstrahlenförmigen Arme direkt aus dem Wasser in den wolkenlosen Himmel zu strecken schien – noch etwas verschlafen, fast gähnend. Und im Westen die Insel Tanna, auf der sich einer der aktivsten Vulkane Vanuatus erhebt: Mount Yasur. Sein ständig aufsteigender Rauch wirkte, als wolle er die tropische Insel in seinen aus dem Krater quellenden Schwaden einhüllen. Die Spuren großer Weltentdecker sind auf Vanuatu noch immer überall zu sehen. Wir ankerten in Port Resolution – einer Bucht, die Captain Cook höchstpersönlich nach seinem Schiff benannt hatte, als er hier 1774 zum ersten Mal anlegte, angelockt vom roten Glühen des damals sehr aktiven Vulkans. Die Bucht liegt direkt in der Caldera von Mount Yasur. Schwarze Strände, kleine kochend heiße Quellen und breite, badewannenwarme Flüsse, die direkt ins Meer fließen. Überall brodelnde, dampfende Löcher, aus denen zwischen den Bäumen Rauch aufsteigt. Weiches, farbig schimmerndes Vulkangestein, das unter den Füßen zerbröselt. Ein riesiges, offenes schwarzes Aschefeld, auf dem einem der Vulkansand wie in der Wüste ins Gesicht peitscht. Und mittendurch schlängelt sich ein kleiner Canyon, den der Vulkan selbst geformt hat. Man würde meinen, diese fremde, vulkangeprägte Natur wäre schon aufregend genug, oder? Schon, ja. Trotzdem verbirgt sich dazwischen noch eine faszinierende, völlig fremde Kultur, die sich komplett von unserer unterscheidet. Es begann bereits am Ankerplatz, auf dem uns schon bald ein paar Outrigger-Boote umkreisten – kleine, schlanke Kanus mit einem seitlich angebrachten Ausleger. Die neugierigen Insassen grüßten uns freundlich, sagten aber nichts weiter und betrachteten eher schweigend unser Boot. Erst später stellten wir fest, dass sie eigentlich nur auf weitere Kanus warteten, um gemeinsam mithilfe eines großen Netzes mit dem Fischen zu beginnen. Bei unserem ersten Spaziergang im Dorf wurden wir nicht, wie wir es von Fidschi gewohnt waren, euphorisch begrüßt und für das Sevusevu zum Chief geführt. Die Ni-Vanuatu – so nennt man die traditionellen Einheimischen – sind zunächst eher zurückhaltend und schüchtern. Hier begrüßten sie uns zwar freundlich mit einem „Halo“, doch nach einer kurzen Begutachtung unserer weißen Haut gingen sie wieder ungestört ihren Tagesgeschäften nach: Wäsche im Frischwassersee waschen (wobei „frisch“ sich hier nur auf den Salzgehalt, nicht auf die Klarheit des Wassers bezieht), Fische im gleichen See fangen (mit einem leichten Seifengeschmack - yummy), in den Kochhütten kochen, eine Horde Kinder bespaßen, Hütten bauen oder Korallensand für den Hausbau vom Strand sammeln. Die Insulaner Vanuatus leben meist in Holzhütten auf Stelzen, deren Wände aus Padanussmatten bestehen und deren Dächer aus einem Blättergeflecht gefertigt sind – gelegentlich ist sogar ein Solarpanel darauf befestigt. Der Dorfmittelpunkt ist ein großer Platz, an dessen Rand eine oder mehrere Kirchen stehen, von dem mehrere Wege in das Häusergewirr führen. Die Wege werden von beiden Seiten mit hohen, bunt blühenden Hecken gesäumt, in denen immer wieder kleine Lücken erscheinen, die den Blick auf eine Ansammlung von Häusern freigeben – eine Schlafhütte, eine Kochhütte, ein Outhouse (Toilette) und vielleicht noch ein oder zwei weitere Häuser für andere Zwecke. Tanna besucht man eigentlich aus einem sehr offensichtlichen Grund: um den Mount Yasur zu besteigen. Der Vulkan, den selbst Captain Cook das „Leuchtfeuer des Pazifiks“ nannte, ist einer der zugänglichsten Feuerspucker der Erde – und stand auch bei Mirko und mir ganz oben auf der Liste. Durch Hörensagen stießen wir bei der Organisation der Tour auf Donovan, einen jungen Einheimischen aus einem Dorf nahe der Bucht Port Resolution. Seit ein paar Jahren bietet er eine Wanderung durch das Land der Dorfbewohner bis zum Vulkan an, wo man dann am Fuße übernachtet. Als wir uns kennenlernten, lud er uns ein, mit seiner Familie zu essen. Neben dem… ähm Genuss (?) von undefinierbarem Fleisch, ungesalzenem Reis und Kraut mit Brotfrucht  – es es kommt ja nicht auf das Essen, sondern auf die Gesellschaft an, oder?  –  er erzählte uns, dass das Geld, das er mit der Tour verdient, direkt in ein Projekt für eine Wasserpumpe für fließendes Frischwasser im Dorf investiert wird. Donovan ist der Meinung, dass die große Firma, die den Vulkan eingezäunt hat, den Einheimischen ihr Land und deren Anteil am Tourismus vorenthält. Deshalb umgeht er das Unternehmen bewusst. Diese Haltung hat ihn schon mehrfach in Schwierigkeiten gebracht – festgenommen wurde er zwar, verurteilt aber nie. Ganz illegal kann sein Ansatz also wohl nicht sein, oder? Überzeugt, mit Donovan die richtige Entscheidung getroffen zu haben, ging es daher eines schönen Nachmittags los: Donovan, seine Frau Josline und drei Jungs zwischen zehn und 18 Jahren führten unsere kleine Gruppe von sechs Tamtonga – das hiesige Wort für „Weiße“ – im Gänsemarsch ein paar Stunden durch den üppigen Dschungel. Sie versorgten uns mit frischen Bananen und Kokosnüssen und machten mit uns einen Stopp unter einem riesigen Feigenbaum, um mit einer Liane wie Tarzan über das Gestrüpp zu schwingen. Das Unterholz wirkte beinahe friedlich, bis wir plötzlich ein lautes Grollen spürten – sowohl in den Ohren als auch in den Gliedern. Es klang, als würden Wellen am Riff zerschellen. Waren wir wieder in der Nähe des Ozeans? Nein – das war Mount Yasurs erster Willkommensgruß! Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Ahnung, dass das erst ein kleiner Vorgeschmack dessen war, was uns noch erwarten würde. Zwei Stunden später verließen wir den schmalen Weg, dessen hohes Schilf die Sicht auf die Umgebung versperrt hatte, und traten auf eine weite Ebene. Vor uns erhob sich ein riesiger, schwarz-grauer, von Zeit zu Zeit grollender Geröllhaufen: Mount Yasur. Seit mindestens 800 Jahren spuckt der kleine Gigant, der gerade mal 361 Meter hoch ist,rot leuchtende, heiße Lava – und wir standen nun direkt davor. Über ein Aschefeld, das links und rechts von beeindruckenden, klippenartigen Lavazungen gesäumt war, ging es noch zweihundert Meter über poröses, schwarzes Geröll und Sand zum rauchenden Kraterrand hoch. Ja, wir kletterten tatsächlich einfach so einen Vulkan hoch! Ich konnte es selbst kaum fassen. Der Ausblick von oben auf die schwarz-rot-grün-gelbe Landschaft, die im endlosen Blau des Himmels in der Ferne zu verschwinden schien, war atemberaubend. Wenn nicht mehr beeindruckend war der Blick in den aschefarbenen Krater des Vulkans. Trotz des kalten Windes und der stechenden Luft, die mich gleichzeitig zum Weinen und Husten brachte, konnte ich meinen Blick nicht von dem glühenden Loch in der Tiefe des Kraters losreißen. Hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich dieses für den offiziellen Eingang zur Hölle gehalten. Man hatte uns gesagt, dass Yasur momentan wenig aktiv sei, und wir hatten eigentlich keine großen Hoffnungen gehabt, tatsächlich Lava zu sehen. Als er jedoch zum ersten Mal grummelte und glühende Fetzen in die Höhe spuckte, entfuhr mir ein erstauntes „Woooooooow!“, während es den anderen in der Gruppe die Sprache verschlug. Was für ein Erlebnis! Obwohl es immer dunkler und kälter wurde, blieben wir mindestens eine Stunde oben, fasziniert und respektvoll vor dieser Naturgewalt. In solchen Momenten wird einem bewusst, wie klein und unbedeutend man eigentlich ist. Zurück am Campingplatz ließen wir den Abend am Lagerfeuer ausklingen, teilten unseren Proviant, und einer der jungen Tourguides erzählte uns eine Geschichte. Aufgrund seines gebrochnen Englisch, verstand sie zwar keiner von uns so wirklich, dennoch hörten wir alle gebannt zu, während wir in die Flammen starrten. Schlaf gab es anschließend kaum. Ob es an der dünnen Pandanussmatte lag, durch die jeder Stein im Rücken spürbar war, an den schweren Kochbananen zum Abendessen oder am lauten Brummen von Yasur, das mich eher fasziniert statt erschrocken aus meinem Herumgedöse aufrecht im Zelt aufsitzen ließ, kann ich nicht sagen. So oder so standen Mirko und ich vor Sonnenaufgang auf und kletterten ein weiteres Mal zum Krater hoch, um ein letztes Mal das Schauspiel der Erde live mitzuerleben, bevor wir den Zeltplatz räumten und den Rückweg antraten. Um es mit den Worten eines echten Ni-Vanuatu auszudrücken: Die Erlebnisse auf Tanna waren eines meiner „Nambawan“ (Bislama für das englische “Number One”) -Erlebnisse in Vanuatu! Mir stellen sich noch heute respektvoll die Nackenhaare auf, wenn ich daran denke, eine solche Naturgewalt so hautnah erlebt zu haben. [Fotoreihe] Noch nicht genug Eindrücke bekommen? Schau bei uns au f Instagram vorbei! Im Anmarsch zum Vulkan Es war ziemlich windig Einfach nur Woooow! Oben am Kraterrand Heisse Quellen direkt am Strand Es dampfte aus allen Löchern

  • Bula, Vinaka, Maca… und ein wenig Schwindel

    Kandavu, Fidschi - 12. August bis 3. September 2025 Nach ein paar Tagen in der “Zivilisation” hatten Mirko und ich immer ziemlich schnell die Nase voll. Vor allem in den größeren Dörfern Fidschis, beispielsweise Denarau oder Städte wie Nadi, in denen es zusätzlich noch von Touristen wimmelt. In den Supermärkten stöbern, ein Restaurant besuchen und Eis essen – besonders Eis essen! – ist zwar schön, aber als Segler sehnt man sich schon bald zurück nach der Ruhe einer glasklaren Bucht, dem leisen Klang der Wellen, die sich sanft um den Bug schlängeln, dem Knirschen des Sandes unter den Füßen und vor allem nach der Gelassenheit der Insulaner, denen die berühmte “Fidschi Time” im Blut liegt. Um dieser städtischen Betriebsamkeit zu entkommen – nebenbei bemerkt würde wohl kein Europäer eine fidschianische Stadt jemals “hektisch” nennen – nutzten wir das nächste gute Wetterfenster und segelten nach Kadavu, eine Inselgruppe im Süden von Viti Levu. Zu unserer Freude schlossen sich Doris und Wolfi an, besser bekannt als die Seenomaden ( www.seenomaden.at ). Für sie war Kadavu selbst jetzt, während ihrer dritten Weltumsegelung, noch Neuland. Mit einem Buddy Boat macht das Ganze ohnehin doppelt so viel Spaß! Außerdem verdoppeln sich die Chancen, endlich einen leckeren Thunfisch oder – noch besser – einen von uns allen seit Langem ersehnten Mahi Mahi zu fangen. Nach einer 19-stündigen Fahrt unter Segel erreichten wir am frühen Morgen das Great Astrolabe Reef. Es umschließt Kadavu, das etwa 478 km² groß ist, fast vollständig. Das Riff selbst erstreckt sich über rund 1.000 km² und wird nur von wenigen Passagen durchbrochen. Durch eine dieser Durchfahrten steuerten wir den Westen von Ono Island an. Zum Vergleich: Das Great Barrier Reef in Australien ist mit seinen 344.400 km² fast unvorstellbar größer – ein Unterschied wie Tag und Nacht. Das heißt aber noch lange nicht, dass es hier weniger Korallen- oder Fischvielfalt gäbe.  Wir ließen den Anker in verschiedenen Buchten der idyllischen Inselgruppe fallen. Für ein paar Nächte blieben wir in der Bucht von Nabouwalu im Westen von Ono Island, trafen die ersten gastfreundlichen Einwohner Kadavus und erkundeten nicht nur die Unterwasserwelt, sondern auch den ländlichen Teil von Ono bei einer Wanderung quer über die Insel. Zwar bekamen wir nicht ganz den Teil der Insel zu Gesicht, den wir eigentlich im Sinn hatten – irgendwann hatten wir wohl die falsche Abzweigung genommen und waren einem Trampelpfad im Dschungel gefolgt –, aber trotzdem genossen wir, Marco und Ella, zusammen mit Dorika und Lupo, die Abwechslung zum touristischen Port Denarau, wo die Hitze gnadenlos von Betonflächen zurückstrahlt. Dorika? Lupo? Marco? Ella? Woher kommen denn jetzt diese Namen? Naja… auf Fidschi sind da manchmal diese verzwickten Momente. Folgende Situation: Eine überfreundliche Einheimische begrüßt uns am Steg, nachdem wir mit dem Dinghy ihr Dorf erreicht hatten. Mit warmem Lächeln schüttelt sie uns nacheinander die Hand und fragt nach unseren Namen. Als Mirko seinen nennt, ziehen sich zwei nachdenkliche Falten zwischen ihre Augenbrauen. Er wiederholt es, doch das große unsichtbare Fragezeichen bleibt in ihrem Gesicht. Dann ein strahlendes Lächeln: “Aaaah. Marco! Bula! Nice to meet you!” So lief es in jedem Dorf – keiner konnte unsere Namen aussprechen. Doris stellte irgendwann die berechtigte Frage: Warum machen wir das überhaupt jedes Mal mit, wenn wir es doch einfacher haben könnten? So wurden unsere “Inselnamen” geboren. Besonders Dorika sorgt für noch breiteres Lächeln bei den Einheimischen – klingt ihr Name doch plötzlich richtig fidschianisch. Sieben Meilen weiter südlich von Nabouwalu trieb uns das schlechter werdende Wetter in eine weitere schöne Bucht, an deren Ende das Dorf Naigoro zwischen den wild wuchenderen Mangroven liegt. Nach der obligatorischen Dinghyfahrt zum betonierten Steg, um dem Chief beim Sevusevu das traditionelle Gastgeschenk zu überreichen, könnte man fast meinen, die Dorfbewohner würden sich nicht nur hinter den Mangroven verstecken, sondern sich mit dem matschigen Boden auch ein wenig gegen Fremde schützen wollen. Inseldörfer sind sich alle ähnlich und doch wieder so verschieden. In manchen wird der mitgebrachte Kava ehrwürdig entgegengenommen. In Naigoro jedoch wurde unser Kava nach der wenig feierlichen Übergabe an den Chief kurzerhand im Gemeindesaal zwischen den Männern umhergeworfen. Irritiert fragte Doris schließlich nach, ob es an der Qualität liegen könnte – schließlich ist Kadavu für den besten Kava des Landes bekannt, während unserer von der Nachbarinsel Vanua Levu kam. Doch die Dorfbewohner winkten ab, bedankten sich herzlich für den großen Büschel getrockneter Wurzeln und erklärten nichts weiter. Wir vermuten, dass das “Herumwerfen” eine Art Qualitätscheck war – schlechter Kava, mit Sägespänen gestreckt (ja, das gibt’s), würde dabei nämlich einfach zerfallen. Mirko und ich waren schon im letzten Jahr in Kadavu gewesen und wollten daher unbedingt eine bestimmte Familie wieder besuchen: Saiassi und seine Frau auf Dravuni. Dravuni ist eines der bekanntesten Dörfer der Inselgruppe, weil hier alle paar Monate ein Kreuzfahrtschiff mit tausenden Touristen anlegt. An diesen Tagen wird “traditionelles Dorfleben” inszeniert: Massagen an jeder Ecke, Hot Dogs, Kuchen, kalte Kokosnüsse, Bier, Fidschiwasser und handgemachte Accessoires (natürlich meist “Made in China”) werden an bunten Ständen verkauft. An einem ganz normalen Montagnachmittag sah es jedoch völlig anders aus. Als wir durchs Dorf spazierten, wurden wir von Saiassi sofort erkannt – trotz der Massen an Touristen, die während des letzten Jahres wohl über die Insel gezogen waren. Mit einem herzlichen “Oooh! Same Girlfriend as last year!” lud er uns auf seine kleine Holzterrasse ein, wo ich endlich wieder einen seiner uns wohlbekannten Lime-Leaf-Teas genießen durfte. Während der drei Wochen in Kadavu hatten wir nicht nur alte Freundschaften aufgefrischt, sondern auch neue geknüpft. Die Fidschianer machen es einem dabei wirklich leicht. Zwischen Schnorchelausflügen, Strandgängen, gemeinsamen Abendessen oder Sundownern auf der Nomad , der Yum Yum  oder am Lagerfeuer am Strand blieb genug Zeit, in die Dörfer zu gehen und mit den Einheimischen zu plaudern. Besonders im Süden, in Niudua, fühlten wir uns sofort willkommen – nachdem wir es überhaupt erst gefunden hatten. Der Weg dorthin führte durch dichte Mangroven. Vom Ankerplatz aus wäre die Flussmündung, die den Zugang bildete, ohne Satellitenbilder oder Tipps unmöglich zu erkennen gewesen. Fünfzehn Minuten tuckerten wir den Fluss hinauf, die Mangroven ragten links und rechts hoch auf, das Grün leuchtete in der Sonne. Dann bogen wir ab, und durch das Dickicht blinkten die ersten Hütten von Jioma, dem Hauptdorf. Ein Fußmarsch weiter lag schließlich Niudua, wo uns am Dorfrand ein junger Mann mit breitem Grinsen entgegenlief: Bill. Mit Bill, zwei weiteren Erwachsenen – Mantis und Tumanu – sowie den jungen Fidschianern Aron und Benny verbrachten wir den ganzen Tag. Wir hatten von einer Wanderung gehört, die anstrengend, aber wunderschön sein sollte und zu einem Wasserfall führte. Unsere neuen Freunde zögerten keine Sekunde und boten sich an, uns zu begleiten. Zwei Stunden ging es über matschige Dschungelpfade, rutschige Steine entlang und durch ein Flussbett, bis wir schließlich den gut versteckten Wasserfall erreichten. Wir kühlten uns im eiskalten Swimming Hole ab, teilten unsere Jause und kehrten danach verdreckt und verschwitzt ins Dorf zurück. Dort setzten wir uns in den Gemeindesaal, um unsere Füße zu entlasten – und natürlich, um gemeinsam Kava zu trinken. Die Wurzel wurde dafür in einem riesigen Baumstamm, der als Mörser diente, als erstes von Hand zerstampft und mit Wasser zu einer braunen Brühe angerührt, die am Ende aussah wie das Flusswasser, durch das wir uns gekämpft hatten… und auch so schmeckte: nach Erde. Gut schmeckt Kava wirklich nicht - aber um den Geschmack geht es dabei auch nicht wirklich, sondern um die Zeremonie, die Gemeinschaft – und vielleicht ein wenig um die betäubende Wirkung, die sich auf Zunge und Kopf legt. Erst dreimal klatschen und die Kokosschale engegennehmen… „Bula“… und trinken… „Vinaka“… „Maca“… und wieder klatschen. Und dann das Ganze von vorn. Und eine zweite Runde… und eine dritte. Bis die Wirkung des Kawas dein Gehirn erreicht und dir ein wenig schwindelig wird und deine Zunge taub.  Ob es nun daran lag oder einfach an der Aufregung des Tages – ich fiel jedenfalls früh und zufrieden ins Bett. Die drei Wochen auf Kadavu vergingen wie im Flug. Alte Freunde wiederzutreffen und neue Bekanntschaften zu machen, hat unsere Zeit hier besonders wertvoll gemacht. Jede Bucht, jedes Dorf und jeder gemeinsame Abend mit den Einheimischen und/oder den Seenomaden hat uns gezeigt, dass Segeln nicht nur aus Meer und Wind besteht, sondern vor allem aus Begegnungen. Kadavu mag im Vergleich zu großen Riffen winzig wirken, doch in unseren Erinnerungen nimmt es einen riesigen Platz ein. Und da war noch … TYRP1 Wenn man in Melanesien durch eines der Dörfer spaziert, wird man als Palagi („Weißer“) oft neugierig von allen Seiten beäugt. Die meisten dieser rehbraunen Augen gehören Kindern mit breitem Grinsen, tief gebräunter Haut und dunkelbraunem Haar. Manchmal jedoch ist da eines zwischen all den hübschen Kindern, das auch unsere Blicke auf sich zieht: ein junger Insulaner oder eine junge Insulanerin mit dunkler Haut und leuchtend blondem Lockenkopf. Was für viele auf den ersten Blick nach europäischem Einfluss aussieht, hat in Wahrheit seinen Ursprung in einer ganz eigenen genetischen Besonderheit: einer Variante des Gens TYRP1, die nur hier vorkommt. Sie verleiht etwa jedem zehnten Kind die goldene Haarfarbe – völlig unabhängig von den Genen, die bei Europäern für blondes Haar verantwortlich sind. Astrolabe Reef Part I Astrolabe Reef Part II Dinghy Ride durch die Mangroven nach Niudua Kokosnüsse? Klar, das haben wir gleich. Ist doch ganz einfach! Eine traditionelle Kava Zeremonie Cassiopea (Upside Down Jellyish), Feuerfische und andere Lebewesen Wer schlängelt sich den da entlang?

  • Abseits der Touristenpfade: Fulaga

    Südliche Lau Gruppe, Fidschi 6. bis 17. Juli 2025 Wir befanden uns mittlerweile in einer sehr abgelegenen Gegend von Fidschi, und je weiter südlich wir segelten, desto mehr fühlten wir uns in das ursprüngliche, naturbelassene Fidschi versetzt. Vor allem ein ganz bestimmtes Atoll, am untersten Eckchen der Lau-Gruppe, ist in dieser Hinsicht unschlagbar: Fulaga. Nicht nur die Abgeschiedenheit, sondern auch die außergewöhnliche Natur machen diesen Ort zu etwas ganz Besonderem. Stellt euch das Urlaubsparadies schlechthin vor. Noch ein wenig kitschiger. Das Wasser darf noch etwas türkiser sein, der Himmel ein bisschen blauer und die Strände ein Stückchen weißer. Ach ja, und jetzt radiert noch die rot verbrannten Pauschaltouristen auf ihren Liegestühlen aus. Glückwunsch – ihr seid in Fulaga gelandet. Geologisch betrachtet ist Fulaga, auch Vulaga genannt (alter Name), als Insel durch vulkanische Aktivitäten vor Millionen von Jahren entstanden. Nachdem die vulkanische Phase abgeklungen war, wurde die Insel von Korallen umgeben, die im Laufe der Zeit wuchsen und die heutigen Kalksteinformationen und Korallenriffe bildeten. All das führte zur Entstehung der charakteristischen Lagunen und Kalksteinlandschaften, die die Umgebung bis heute prägen. Nach zwanzig Stunden beziehungsweise einer Nachtfahrt sahen wir am Morgen in der Ferne die hügelige Landschaft der gleichnamigen Hauptinsel von Fulaga aufragen. Der einzige Zugang zur Lagune und zu der darin liegenden Insel führt durch einen engen, etwa 60 Meter breiten Pass, der aussieht, als hätte ihn jemand in das Korallenriff geschnitten. Segler müssen die Durchfahrt gut timen, denn entweder ist die Strömung zu stark, die Wellen zu hoch – oder beides zusammen. Mirko und ich hatten es zeitlich gut abgepasst und steuerten den Pass kurz nach Tiefwasser an. Die Wellen waren am Eingang zwar beängstigend hoch und wild, doch umso ruhiger wurde es innerhalb des Passes, was mir am Ausguck einen guten Blick auf das Riff an Back- und Steuerbord bot – und glaubt mir: Mit einem 14 mal 4 Meter breiten Schiff bietet ein 60 Meter schmaler „Gang“ wirklich nicht viel Raum, um Navigationsfehler auszugleichen. Treue Leser meines vorherigen Blogs auf FindPenguins erinnern sich vielleicht noch daran, dass ich im letzten Jahr erzählt habe, wie ein nigelnagelneues fidschianisches Marineschiff – ein Geschenk aus Australien – hier im Pass auf Grund gelaufen ist. Fun Fact: Dieses Schiff wurde damals zur Nachbarinsel Ogea gebracht, von wo es angeblich abgeschleppt und zu einer der fidschianischen Hauptinseln zur Reparatur gebracht werden sollte. Anscheinend liegt es heute noch am selben Ort, seiner Ausstattung beraubt und auf die Verschrottung wartend. Sogar auf Navionics, der gängigsten Seekarten-App, wird es bereits als Wrack angezeigt. Rest in Peace, Navy Patrol Boat 402. Obwohl es weder für Mirko noch für mich das erste Mal hier war, kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus, nachdem wir den Pass, der unsere volle Konzentration verlangt hatte, passiert hatten und uns endlich unserer Umgebung widmen konnten. Die Lagune war atemberaubend schön: türkisfarbenes Wasser, in dem Hunderte von mit Palmen bewachsenen Felsbrocken aufragten; dahinter die große Insel Fulaga, überwuchert von dichtem Tropenwald … Es war einfach traumhaft. Da unsere Ankunft auf einen Sonntag fiel, verschoben wir das Sevusevu kurzerhand auf den nächsten Tag. In Fidschi ist es nämlich Tradition, dass die Dorfbewohner am „Tag des Herrn“ ihren Ruhetag einhalten. Das bedeutet: außer Kirchenbesuchen (für viele sogar drei Mal am Tag), Essen und Entspannen ist nichts erlaubt – und mit „nichts“ ist wirklich NICHTS gemeint. Vor allem keine Arbeit und folglich auch kein Kochen (das große Mittagessen nach dem zweiten Kirchengang wird schon samstags vorbereitet), kein Fischen und keine sportlichen Aktivitäten. Diese Regeln gelten nicht nur für die Fidschianer, sondern ebenso für uns Segler und Touristen. Trotzdem konnten Mirko und ich es nicht lassen: Wir packten das SUP (Stand-up-Paddleboard) aus, funktionierten es zu einem Kajak um und paddelten eine Runde in der Lagune. Und als ob das nicht schon genug Gesetzesbruch für einen Sonntag gewesen wäre, bereiteten wir uns heimlich auch noch etwas zu essen zu – Lasagne, yay! Wir waren uns sicher, dass kein Dorfbewohner, schon gar nicht der Chief, jemals herausfinden würde, dass wir das Sonntagsgebot gebrochen hatten – schließlich dürfen sie das Dorf ja nicht verlassen. ;-) Doch offenbar hatte der „Herr da oben“ ein Auge auf uns geworfen, denn beim Versuch, einen riesigen Trevally zu erledigen, den Mirko gerade an Bord geangelt hatte, brach unser Fischmesser einfach entzwei. Okay, okay, verstanden – keine „Arbeit“ mehr an Sonntagen. Nach dem faulen Sonntag (*hüstel*) besuchten wir also am Montagmorgen mit Sulu und Kava das Hauptdorf von Fulaga. Da die Lagune die beliebteste Region der Lau-Gruppe ist, hat sich der Chief hier etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Beim Sevusevu bringt man nämlich nicht nur Kava, sondern auch gleich 50 FJD mit. Durch diese unfreiwilligen Spenden konnte sich das Dorf schon einmal einen Gefrierschrank leisten (einen für alle Bewohner zusammen, versteht sich) oder das Material kaufen, das für einen neues Häuschen benötigt wird, um einen simplen Lebensmittelshop zu eröffnen. Seglern wie uns wird außerdem eine Gastfamilie zugeteilt, die sich während des Aufenthalts um einen kümmert. Da wir schon einmal in Fulaga gewesen waren, hatten wir gleich nach unserem ehemaligen Host Tai gefragt – und wurden direkt zu ihm geführt. Der nette alte Mann erkannte uns nach ein paar Schlagwörtern wie „Switzerland“ und „Gituar“ auch wieder und begrüßte uns herzlich. Er bot uns sofort an, eine Runde durchs Dorf zu drehen, und zeigte uns das Gemeindehaus, die Wasserspeicher, die Häuser sowie die Schule und den Kindergarten. Die zuckersüßen, gar nicht so scheuen Kindergartenkinder stellten sich uns sogar alle einmal auf Englisch vor, sangen gemeinsam ein Lied und spielten ein Spiel, bei dem ich zwar nicht wusste, worum es ging, das ihnen aber riesengroße Freude bereitete – vor allem, als wir mitklatschten. Wir beendeten die Village-Tour schließlich im Haus von Tais Familie und bekamen eine Trinkkokosnuss mit einem supercoolen Bio-Strohhalm aus dem Stängel eines Papayablatts, eine Art Brot aus Cassava, das im Bananenblatt gegart wurde, sowie fidschianische Pancakes, die mich eher an kugelige Donuts erinnerten. Nicht nur wir fanden die runden, fettigen Dinger lecker, auch Tai’s kleine Nichte, die gerade vom Kindergarten nach Hause gekommen war, begrüßte uns mit einem kurzen “Bula” und raste sofort ins Haus, um sich die kleinen Taschen und Hände mit den Leckereien zu füllen. So süß der Anblick doch war, so krass waren ihre jetzt schon faulen Zähne, die sie uns mit einem breiten Grinsen präsentierte. Obwohl man uns erzählt hatte, dass die Kinder jeden Tag im Kindergarten und in der Schule zusammen die Zähne putzten, wird Mund- und Zahnhygiene hier wohl nicht sehr groß geschrieben.  Mit einer ganzen Staude Bananen und einem Bündel riesiger Bohnen verließen wir das Dorf. Bananen sind unkompliziert: Warten, bis die Schale von grün nach gelb wechselt, dann schälen und essen – easy. Die Bohnen dagegen … hm. Zuerst schien es simpel: Kerne aus der Schote drücken, ab ins Wasser, kochen – fertig. Dachte ich zumindest. Doch schon beim Schälen merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Die Bohnen waren groß und erinnerten an Kidneybohnen, steckten aber in einer grünen, dicken, haarigen Schote. Beim Öffnen verfärbten sich unsere Finger schwarz und wurden klebrig, und im Kochtopf wechselten die Bohnen ihre Farbe von kidneybohnenrot zu aschgrau. Der Geschmack war auch seltsam. Die Bohnen waren zwar weich und süßlich, aber von einer harten, bitteren Schale umgeben – nicht gerade appetitlich. Mein Instinkt sagte mir: besser mal googeln. Meine Recherche ergab schließlich, dass es sich um sogenannte Velvet Beans handelte. Die muss man über Nacht einweichen, dann anderthalb Stunden kochen und anschließend von der harten, bitteren Schale befreien. Und: Im rohen Zustand sind sie sogar giftig. Als ich das laß, saß ich gerade mit halb offenem Mund da – die vierte Bohne schon auf dem Löffel – und ließ sie panisch wieder in den Kochtopf fallen. Drei dieser halb gekochten grauen grauen “Geisterbohnen” hatte ich schon intus. Zum Glück blieb es ohne Folgen: nur die üblichen Halluzinationen, keine Bauchschmerzen. Wahrscheinlich verdankte ich das meinem „Suuumaga“ (Saumagen), den ich von meinem Papa geerbt habe ;) Mirko und ich verbrachten elf wunderschöne Tage in Fulaga. Fast täglich erkundeten wir eine neue Ecke der riesigen Lagune – mal mit dem SUP, mal mit dem Dinghy oder einfach frei im Wasser, nur mit Flossen, Schnorchel und Taucherbrille bewaffnet. Ein paarmal ankerten wir auch in anderen Teilen der Lagune, jedes Mal in einem weiteren türkisfarbenen Naturpool, oft geschützt hinter einem beeindruckenden Felspilz, der uns von den übrigen Segelbooten abschirmte. Wir quatschen bei einem Get-Togheter am Lagerfeuer mit den anderen Seglern, die sich hierher verirrt hatten, machten zu zweit BBQs an verlassenen Stränden und nutzten den Wind, um es endlich wieder mit dem Wingfoil zu versuchen – diesmal sogar mit Schirm und nicht hinter dem Dinghy herziehend, wie beim letzten Mal in Minerva. Nachdem wir unzählige Vlogger auf YouTube studiert hatten, starteten wir mit Wingfoil-Trockentraining am Strand. Mirko hatte den Dreh schneller raus und wagte sich als Erster aufs Wasser, während ich seine Versuche beobachtete. Gar nicht so einfach, Schirm und Board gleichzeitig zu beherrschen! Aber als ich schließlich selbst ein paar Meter stand, war das ein großartiges Gefühl. Zwar schafften wir das Foil noch nicht aus dem Wasser, aber unsere ersten Versuche waren trotzdem ein voller Erfolg. So wild und unbändig der Pass in Fulaga ist, so schön ist er zum Schnorcheln und Tauchen. Pässe eines Riffs sind meistens gesäumt von hunderten Korallen und voller bunter Fische. Das Wasser ist klar, da es durch die Strömung ständig in Bewegung ist – wie wenn man die Aquarium-Szene in „Findet Dory“ in 5D anschauen würde, nur in echt und mit jeder Menge uneröffentlichter Szenen. Wir entdeckten große Schulen von Barracudas, Snappern, Trevallys und anderen Fischen, die zu hunderten unterwegs waren und uns ängstlich beäugten, während wir sie fasziniert beobachteten. Nach einer Woche stand in Fulaga das Sonntagsprogramm an. Zuerst Kirche mit der Dorfgemeinschaft, dann Mittagessen mit der Gastfamilie. Für uns war es der erste – und letzte – Gottesdienst: die Predigt auf Fidschianisch, begleitet von lautstarkem Gesang und einer ohrenbetäubenden Triangel. Es ist dennoch immer wieder ein tolles Erlebnis, an so einem traditionellen Tag mitten in der Community zu sein und die Kultur hautnah mitzuerleben. Vor allem das anschließende Mittagessen war super nett. Wir saßen mit der ganzen Familie auf dem Boden, vor uns ein ganzes Buffet an traditionellen Speisen: ganzer Fisch in Kokosmilch, im Lovo (Erdofen) gekochtes Cassava-Brot, Kraut nach Fidschi-Art und grünes Mangochutney. Als wir satt und zufrieden zum Boot zurückkehrten, erinnerte ich mich an eine Nachricht von unserer Seglerfreundin (Paula hüstel ), in der sie mir verraten hatte, wo man dieses leckere fidschianische Cabbage findet. Da es wieder Sonntag war und den Dorfbewohnern nicht einmal erlaubt war, Gemüse aus ihrem eigenen Garten zu pflücken (Tag des Herrn und so…), machte ich mich kurzerhand selbst auf die Suche nach dem versteckten „Gärtchen Eden“. Und tatsächlich: Hinter einem verlassenen Häuschen, das als Lager für alte, leere Weinflaschen diente (warum? Keine Ahnung), entdeckte ich einen kleinen verwilderten Garten. Mein Gedanke an den Garten Eden hätte mich eigentlich davon abhalten sollen, einfach etwas zu klau… mitzunehmen. Naja, was kann schon passieren? Ich hieß nicht Eva und eine Schlage war auch nirgends zu sehen. Ich pflückte daher frech fröhlich ein paar grüne Blätter und drückte sie Mirko in die Hand. Doch dann meldete sich meine Blase – noch eine ganze Dinghy-Fahrt vom Boot entfernt – und ich beschloss, schnell ins Gebüsch zu pinkeln. Eine schlechte Idee. Wirklich schlecht: Ich setzte mich prompt in eine Klettenpflanze, deren stachelige Samen sich sofort in meiner Hose verkrallten. Ich wäre in diesem Moment liebend gerne sofort unten-ohne zurück zum Boot gegangen – konnte aber nicht riskieren, dass ein Fidschianer einen Herzstillstand wegen einer nackten Palagi bekam. Dennoch: Jedes Blatt Cabbage war den kleinen Pieks wert! Die letzte Nacht verbrachten wir auf meinen Wunsch hin bei einer kleinen Insel namens Yanuy Anukalou, besser bekannt als „Lonely Rooster Island“. Man erzählt, dass dort einst ein alter Mann mit seinen Hühnern lebte. Vor einigen Jahren verstarb er plötzlich und ließ nur einen einzigen weißen Hahn zurück. Mit unglaublich viel Fantasie, kann man sich das ein bisschen wie Schneewittchen vorstellen: Gefieder weiß wie Schnee, der Hahnenkamm rot wie Blut und Augen schwarz wie Ebenholz - nur dass Albert the First, wie ich ihn taufte, definitiv nicht in einen Tiefschlaf fiel. Das bewies sein tägliches Gekrähe, das bis zum Ankerplatz zu hören war. Albert lebt seither ganz allein auf seiner kleinen, von Wasser umgebenen Insel. Die Segler-Community wurde schon mehrfach dazu aufgerufen, ihm Futter in Form von Bio-Abfällen oder Kokosnüssen vorbeizubringen, die er genüsslich verspeist. Auch wir leisteten ihm Gesellschaft und brachten etwas Cabbage vorbei. Vielleicht kommt ja eines Tages ein Einheimischer vorbei und bringt ihm eine passende Hühnerdame (ein sexy Chick) – wer weiß… Beachwalk in Fulanga Exploring mit dem SUP Die ersten Wingfoil Experimente Traumhafte Unterwasserwelt Engelsgleiche Melodie in der Sonntagskirche Die Sendung mit der Maus Unser Besuch in der Schule

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