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  • Zwei Palmen, drei Pferde und vier Sundowner

    Nördliche Lau Gruppe - 27. Juni bis 6. Juli 2025 Ein bisschen mehr als eine Woche hatten wir in Savusavu hinter uns. Wir hatten alle Freunde besucht, unsere Vorräte aufgefüllt und waren nun endlich mehr als bereit für das echte Fidschi – so, wie man es sich in seinen Träumen ausmalt: kleine Inseln mit ein paar winzigen Siedlungen darauf, weiße Sandstrände gesäumt von Kokospalmen und türkisfarbenes, glasklares Wasser. Solche Orte gibt es in Fidschi zwar zuhauf, die meisten sind jedoch von Hotelanlagen gespickt, voller Touristen, und die Buchten wimmeln von Yachten, deren Besitzer oder Charterer hier ihren Kurzurlaub verbringen. Das versteckte, fast unberührte Paradies – weit, weit entfernt von den Touristenmassen – liegt tatsächlich im Osten von Fidschi und trägt den Namen: Lau. Die östlichste Inselgruppe Fidschis besteht aus etwa 60 Inseln, von denen nur rund 30 bewohnt sind. Sie erstrecken sich über eine riesige Fläche im Südpazifik und sind berühmt für ihre Abgeschiedenheit, die herzliche Gastfreundschaft der Dörfer und eine Natur, die noch nahezu unberührt wirkt. Die Inseln selbst sind sehr unterschiedlich: manche sind flach und von Lagunen umgeben, andere ragen vulkanisch und schroff aus dem Meer. Duff Reef Einen Tages- bzw. Nachtschlag von Savusavu entfernt lag schon eine ganz besondere Insel, bei der wir unsere erste Nacht in der Lau-Gruppe verbringen wollten: Cakaugalu, besser bekannt als Duff Reef. Das Riff selbst ist mit 6,5 Meilen Durchmesser ziemlich groß, umschließt aber nur eine winzige, nicht einmal 0,2 nautische Meilen (etwa 370 Meter) lange, einsame, vollständig aus Sand bestehende Insel. Auf ihr gibt es nichts außer zwei Palmen und ein paar Steinen, unter denen sich Millionen von Einsiedlerkrebsen vor der Mittagshitze verstecken. Letztes Jahr hatte ich hier sogar noch eine dritte Palme pflanzen wollen, doch die Kokosnuss, die ich damals eingegraben hatte, war nirgends mehr zu entdecken. Schade. Die einzigen größeren Besucher scheinen – neben Seglern wie uns – Schildkröten zu sein, die die Insel zu einer bestimmten Zeit im Jahr als Brutplatz nutzen. Bei einem Spaziergang durch den Sand fanden wir die Löcher, die die Tiere graben, um ihre Eier abzulegen, und sogar zwei riesige, leere Schildkrötenpanzer. Da wir, seit wir das Minerva-Riff verlassen hatten, nicht mehr im Ozean schwimmen gewesen waren – die schlammige Flussmündung von Savusavu hatte wenig einladend gewirkt – sprangen wir direkt, nachdem der Anker gefallen war, ins kühle, immer noch 28 Grad warme Wasser, um den Staub der Nachtfahrt wegzuspülen. Das glasklare Wasser brachte uns sofort zum Staunen: die Sicht war atemberaubend, sodass wir nicht anders konnten, als unsere Schnorchel und Masken zu schnappen und eine kleine Runde am Riff zu drehen. Tatsächlich war der erste Bewohner, der uns begrüßte, etwas ganz Besonderes: eine riesige, lilafarbene Qualle. Ihre langen, elegant wehenden Tentakel faszinierten und erschreckten mich zugleich. Vage erinnerte ich mich an eine seltene Sichtung in Indonesien, bei der eine ähnliche Qualle sogar ein Menschenleben gefordert hatte. Spätere Recherchen ergaben, dass es sich wahrscheinlich um eine „Crown Jellyfish“ (Netrostoma setouchianum) handelte – eine seltene Art, die durch ihre intensiven Farben auffällt, aber für Menschen nur mäßig gefährlich ist. Neben den „klassischen“ großen und kleinen Rifffischen entdeckten wir sogar einen kleinen Rochen, der sich vollkommen gelassen durch den Sand wühlte. Jemals einen Stachelrochen beim Fressen gesehen? Nein? Es ist wirklich süß! 😀 So schön der Tag auch gewesen war, so unangenehm war die Nacht. Da das Riff leider nicht in der Lage gewesen war, die Yum Yum vor dem Schwell zu schützen, klatschten die Wellen seitlich ans Boot, sodass wir ordentlich durchgeschüttelt wurden und kaum Schlaf fanden. Eigentlich hatten wir unseren Besuch am Duff Reef genau deshalb auf diese Tage gelegt, weil die Wetterprognose uns ein paar ruhige, windstille Nächte versprochen hatte. Doch offenbar hatte sich der Wettergott in letzter Minute umentschieden. Widerwillig machten wir uns also nach 24 Stunden im nicht ganz so paradiesischen Paradies auf den Weg in eine etwas wind- und wellengeschütztere Bucht. Unsere Ausflug im Duff Reef. Tausende Hermitcrabs gab es auf der Insel. Bavatu Harbor Während der 25 Meilen, die wir größtenteils segelnd zu unserem nächsten Ziel zurücklegten, fragte ich mich immer wieder, wie die Seeleute früher wohl geschafft haben, ihr Boot nicht schon in den ersten paar Meilen an einem Riff aufzuschlitzen. Fidschi besteht aus so vielen unsichtbaren Riffen, die man einerseits nur über die Seekarten-App (Navionics) und andererseits über Satellitenbilder sehen und ihnen dementsprechend ausweichen kann. Unwillkürlich kam mir in den Sinn, dass dieser Inselstaat manchmal wie ein natürliches Unterwasserminenfeld wirkte. Während der Überfahrt trafen wir weder auf ein Riff noch auf einen Fisch. Der Beginn unserer einwöchigen Fischer-Pechsträhne startete genau an diesem Tag: Ein Mahi Mahi, den wir zwar am Haken hatten und nach einem echten Kraftakt bis auf die Heckplattform der Yum Yum gezogen hatten, entwischte uns dennoch. Zwar ärgerten wir uns über den Verlust des schmackhaften Fisches, aber gleichzeitig bedauerten wir das Tier selbst, dessen Überlebenschancen durch die Verletzung durch unser Gaff (ein großer Haken an einer Stange) auf Null gesunken waren. An diesem Tag hatten wohl nur die Haie Glück. Bavatu Harbor ist eine schmale, malerische Bucht im Norden der Insel Vanua Balavu. Sie befindet sich auf sogenanntem „Freehold Land“, was in Fidschi bedeutet, dass das Land entweder einem Privatbesitzer oder einem Ausländer, einem so genannten Palagi, gehört und es daher kein Dorf gibt, in dem man dem Chief Kava als Gastgeschenk bringen muss. Dieses “Sevusevu” ließ also noch auf sich warten. Anscheinend gehört ein großer Teil der Insel einem Australier, der auch zwei Marinas in anderen Teilen Fidschis besitzt. Anders als am Duff Reef gab es hier tatsächlich Land mit dichten Mangroven, ein paar Strände mit kokosnusslosen Palmen und hohen Felsen, die uns vor Wind und Wetter schützten und ein paar ruhige Nächte versprachen. Keinen Wind am Ankerplatz zu haben hat zwar seine Vorteile, bringt aber auch viele klitzekleine Nachteile mit sich – nämlich Mücken. Glücklicherweise war Mirko in Neuseeland so einfallsreich gewesen, ein Netz zu besorgen, mit dem wir unsere Koje in ein mückenloses Himmelbett verwandeln konnten. Neben einigen gescheiterten Versuchen, entweder mit der Angel oder dem Dinghy und einer Schleppleine einen Fisch zu fangen, gingen wir natürlich schnorcheln und wanderten zur großen Plantage hinauf, bis wir einen grandiosen Aussichtspunkt erreichten. Von dort konnten wir die andere Seite der Insel bestaunen, deren Bucht berühmt ist für ihre pilzförmigen Inseln (also eigentlich “Steinpilze - hihi) – die Bay of Islands. Umgeben von Kühen, Schweinchen, Ziegen, Pferden und ein paar Hühnern wagten Mirko und ich es, ein paar Kokosnüsse und eine Soursop mitzunehmen. Für die Soursop (Guabana) kletterte Mirko sogar auf einen Baum, während ihn drei grasende Pferde misstrauisch beobachteten und wir uns einbildeten, sie fast schon vorwurfsvoll schnauben zu hören. Außerdem wagte ich mich zum ersten Mal an meine Joghurt-Käsemaschine, um eigenen Käse herzustellen. Ernüchtert musste ich feststellen, dass es mit H-Milch schlicht unmöglich ist, „richtigen“ Käse zu produzieren. Durch die Hocherhitzung fehlt der Milch einfach das nötige Leben – sprich die guten Bakterien und Enzyme, die man für die Käseherstellung braucht. Wir hätten wohl tatsächlich eine der Kühe auf der Plantage melken müssen, denn Frischmilch ist hier auf den Inseln absolut nirgends zu bekommen – nicht einmal in den Städten! Immerhin gab es eine tröstliche Alternative: Ricotta und Weichkäse funktionierten trotzdem ganz gut. Hartkäse wäre mit der Maschine ohnehin nicht drin gewesen. Gut geschützt durch die Mangroven. Daniela pumt das SUP auf. Little Bay – Tui’s Place Etwas weiter östlich von Bavatu Harbor auf Vanua Balavu befindet sich eine weitere kleine Bay mit dem überaus passenden Namen Little Bay. Auch auf den drei Meilen, die wir beim Locationwechsel zurücklegten, hielt unsere Pechsträhne, was den Fischfang anging, weiterhin an. Mirko und ich waren (vorerst) wieder einmal die einzigen Cruiser, die es bis in diese Bucht geschafft hatten, und wir freuten uns, die ganze Bucht für uns allein zu haben. Little Bay ist ein langgezogenes Inlet, gebettet in Mangroven und hohe Felsen. Beschränkt durch die Wassertiefe, konnten wir mit dem Boot nicht weit in die Bucht hineinfahren, was bedeutete, dass wir im vorderen Teil ankern mussten. Die malerische Aussicht und der kleine Strand, an dem wir eines Abends sogar ein Lagerfeuer anzündeten, machten das alles aber mehr als wett. Bevor wir uns dem ganzen Exploring widmen durften, war – tatsächlich zum ersten Mal seit wir in Fidschi waren – Sevusevu angesagt. Sevusevu ist eine Zeremonie, bei der der Chief bzw. das Oberhaupt des fidschianischen Dorfes, zu dem die Bucht gehört, dich feierlich als Teil der Dorfgemeinschaft anerkennt und es dir erlaubt, alle Tätigkeiten eines Dorfbewohners auszuführen. Dazu zählen beispielsweise Fischen, Ankern, die Gegend erkunden, Fotos machen usw. Die Besucher (in diesem Fall wir) müssen dem Chief hierbei ein Geschenk mitbringen – dabei handelt es sich immer um Kava. Die Kava-Wurzel wird auch Rauschpfeffer genannt und gehört zur Gattung der Pfeffer. Im Pazifikraum wird daraus Tee hergestellt, der meist zu zeremoniellen Anlässen getrunken wird. Da die Pflanze eine beruhigende und leicht betäubende Wirkung hat, ist sie nicht in allen Staaten der Welt legal. In Österreich ist sie aufgrund gesundheitlicher Risiken (Leberschäden) illegal, in der Schweiz wiederum legal. Sevusevu wird überall etwas anders ausgeführt, und, wenn man Glück hat, sogar mit einer Runde Kava. Was aber überall gleich ist: Um Respekt gegenüber dem Chief und seinen Traditionen zu zeigen, müssen sowohl Frauen als auch Männer für die kurze Zeremonie einen Sulu tragen, um ihre Knie zu bedecken. In Fidschi ist ein Sulu in der Regel ein traditionelles Wickelkleidungsstück, ähnlich wie ein Rock oder Sarong. Also machten Mirko und ich uns, mit Sulus und Kava bepackt, mit dem Dinghy auf den Weg in die Tiefen des Inlets, um Tui und seine Familie zu besuchen und ihm das Gastgeschenk zu bringen. Fünfzehn Minuten schlängelten wir uns an Untiefen und Korallenköpfen vorbei durch das imposante Inlet, das rechts und links zunächst von Felswänden und später von Mangroven eingezäunt schien. Hätte man nicht die Korallen auf dem Grund gesehen, hätte man es fast mit einem kleinen Fjord verwechseln können. Erst am hintersten Ende, als wir glaubten, schon irgendwo tief im Mangrovendschungel verirrt zu sein, tauchten ein paar einzelne Hütten vor uns auf. Kurz bevor wir das Ufer erreichten, versperrte uns ein Fischnetz plötzlich den Weg, das zwischen den Mangroven befestigt und für die YY („WaiWai“, unser Dinghy) unüberwindbar war. Nachdem wir vergeblich einen anderen Weg an Land gesucht und dabei sogar einen Stein mit dem Motor touchiert hatten, der sich im, durch die Mangroven getrübten Wasser versteckt hatte, gaben wir auf und machten uns auf den Rückweg zur Yum Yum. Da es aufgrund der Tide nur einmal pro Tag möglich war, bis ganz ans Ende der Lagune zu fahren, probierten wir es am nächsten Tag zum zweiten und letzten Mal – erfolglos. Später erzählten uns andere Segler, dass sie gehört hatten, dass Tui’s Frau gerade ein Kind zu Welt gebracht hätte und die Familie wohl deshalb gerade nicht in ihrem abgelegenen Zuhause, sondern auf der Hauptinsel im Krankenhaus war. Die Abwesenheit des Chiefs nahmen wir als OK dafür, uns dennoch frei in der Gegend bewegen zu dürfen. Wir tranken Sundowner an einer kleinen Sandbank, die sich nur bei Niedrigwasser zeigte, probierten weiterhin euphorisch Fische zu fangen und erwählten einen kleinen Strand zu unserem Lagerfeuerplatz, als Mirko es tatsächlich nach vielen, vielen Versuchen gelang, einen Trevally mit der Angel aus dem Wasser zu fischen. Aber nicht nur der leckere Fisch machte uns Freude. Ich freute mich zudem wieder darauf, einen passenden Grillstock zu suchen, um darauf das selbstgemachte Stockbrot (österreichisch für Schlangenbrot ;) zu einem Kunstwerk aufzuwickeln und ungeduldig darauf zu warten, bis es endlich nicht mehr teigig (= bauchschmerzenfördernd), aber auch nicht zu verbrannt (= krebserregend) war. Zum Nachtisch gab es sogar richtige S’Mores – für die ich extra Leibnizkekse aus Österreich importiert hatte. Wer S’Mores nicht kennt: Es handelt sich dabei um ein perfekt gegrilltes Marshmallow, umhüllt von geschmolzener Schokolade in einem Butterkeks-Sandwich – mmmmh! Das Wetter während unserer Zeit in Little Bay war durchwachsen. Sonne und Regen wechselten sich ab, und wie es natürlich so ist, regnete es zwar immer kurz, aber genau zu den ungünstigsten Zeiten. Zum Beispiel regnete es genau während beider Ankermanöver, genau dann, als wir Feuer entzünden wollten und natürlich auch gerade in dem Moment, als wir unsere Teller mit leckerem, gegrilltem Essen angehäuft hatten und die erste Gabel in den Mund schieben wollten. Wie sagt man so schön? Wir sind ja schließlich nicht aus Zucker. An dem Morgen, als wir beschlossen hatten, in den südlichen Teil der Lau Gruppe weiterzusegeln, wurden wir von einem Motorengeräusch geweckt. Verschlafen schielte ich durch die Luke aus dem Bett und sah ein kleines Longboat mit zwei neugierigen Fidschianern um unser Boot herumtuckern. Die Einheimischen bzw. der Chief war wohl endlich zurück. Für uns war es um halb 7, und ohne Kaffee noch etwas zu früh für Konversation – und da es sich um unseren letzten Tag in der Bucht handelte, auch zu spät für das eigentlich noch ausstehende Sevusevu. Also beschlossen wir frech, uns schlafend zu stellen. Nächstes Mal gibt’s dann wieder Kava für Tui, versprochen! Ein weitere kleines Paradies.

  • Back in Fidschi: Vanua Levu

    Bevor wir so richtig loslegen, fangen wir doch mit ein bisschen Geografie, Geschichte und allgemeinem Fidschi-Wissen an, ha? Ich verspreche: Es ist wirklich interessant! Das vom Lonely Planet als „kaum bekanntes Südsee-Paradies“ beschriebene Fidschi (hää?) besteht aus über 330 Inseln – davon sind rund 110 bewohnt. Die größten sind Viti Levu im Süden, auf der auch die Hauptstadt Suva liegt, und Vanua Levu im Norden. Die Bevölkerung Fidschis ist vielfältig: indigene Fidschianer, Indisch-Fidschianer sowie kleinere Gruppen von Europäern, Chinesen und anderen Pazifikinsulanern leben hier zusammen. Fidschi wurde im 19. Jahrhundert von den Briten kolonisiert, erlangte 1970 seine Unabhängigkeit und ist seit 2014 eine parlamentarische Demokratie. Die Geschichte ist geprägt von politischen Umwälzungen – inklusive mehrerer Militärputsche – und ethnischen Spannungen. Die Indisch-Fidschianer sind Nachkommen jener Vertragsarbeiter, die ab 1879 von den Briten aus Indien auf die Zuckerrohrplantagen gebracht wurden (eine eher beschönigende Umschreibung für "ausgebeutet zu werden"). Heute machen sie etwa 37 % der Bevölkerung aus und haben Kultur und Wirtschaft Fidschis stark geprägt. Historische Spannungen zwischen indischen und indigenen Fidschianern führten zu politischen Krisen und einer massiven Auswanderung vieler Indisch-Fidschianer. Die fidschianische Wirtschaft basiert hauptsächlich auf Tourismus (Tauchen, Luxusresorts), Landwirtschaft (vor allem Zuckerrohr) und Fischerei. Kulturell ist Fidschi ein faszinierender Mix aus indigenen und indischen Einflüssen: traditionelle Tänze, Musik und Handwerk sind zentrale Bestandteile des Alltags. Ein besonders wichtiger kultureller Brauch ist das sogenannte Sevusevu – das rituelle Vorstellen beim Dorf-Chief, bevor man dessen Dorf betreten darf. Aber dazu mehr, wenn es so weit ist. Die offiziellen Sprachen sind Englisch, Fidschianisch und Fidschi-Hindi. Englisch dominiert in Regierung, Schule und Verwaltung – im Alltag hört man aber alles durcheinander. Und noch ein sehr wichtiger Punkt: Rugby. Fidschi ist Rugby-verrückt, vor allem was das Rugby-Sevens-Team betrifft – sowohl Männer als auch Frauen sind international extrem erfolgreich. Ihnen zu Ehren gibt es sogar jeweils einen eigenen 7-Fidschi-Dollar-Schein. Das wichtigste Wort  in Fidschi? „Bula“!  Es bedeutet vor allem „Hallo“, kann aber eigentlich alles heißen – Hauptsache, es ist positiv 🙂. Auch ”Vinaka” (Danke) und “Vinaka vaka levu” (vielen Dank) ist etwas, das man sich einprägen sollte, wenn man sich als Palagi [palangi] (so werden hier die Europäer, Amerikaner, Australier - halt einfach die Weißen - genannt) ins Südseeparadies verirrt. Savusavu - 18. bis 27. Juni 2025 Nach 60 Stunden beziehungsweise 420 Seemeilen unter Segel sahen wir endlich Land vor uns aufragen: Fidschi! Okay, ehrlich gesagt sahen wir nichts außer die Leuchttürme, die dies kennzeichneten, denn es war mitten in der Nacht, als wir Fidschi-Gewässer erreichten. Blind ankerten wir im Dunkeln drei Meilen vor der Stadt Savusavu, um noch etwas Schlaf zu bekommen, bevor das ganze bürokratische Zeug erledigt werden musste. Genau genommen ist es streng verboten, fidschianisches Hoheitsgebiet zu betreten – das schließt auch das bloße Werfen des Ankers auf dem Meeresboden ein – bevor man nicht ordnungsgemäß einklariert hat. Es ist ein bisschen so, als würde man sich bei Neumond in schwarzer Kleidung und mit Heckenschere bewaffnet durch einen Grenzzaun schneiden, nur um sich dann klammheimlich hindurchzuzwängen. Kurzum: Es war illegal, eine Landesgrenze zu überschreiten, ohne jemandem vorher den Pass unter die Nase zu halten. Aber um ein Uhr nachts hätten wir ohnehin niemanden erreichen können, also warfen wir einfach frech den Anker und gönnten uns ein paar Stunden Schlaf. Dass unser AIS gerade kaputt war und die Yum Yum dadurch wie durch Zauberei von allen digitalen Seekarten verschwand, verlieh dem Ganzen schon einen leicht kriminellen Touch – hihihi. Am nächsten Morgen machten Mirko und ich uns gemächlich auf den Weg nach Savusavu, einer Stadt mit 7.000 Einwohnern auf Vanua Levu, einer der zwei Hauptinseln Fidschis. Die Stadt war eine der ersten Anlaufstellen für Segler in Fidschi. Wir hissten die gelbe Quarantäneflagge und prägten uns das heutige Datum ein, um den Beamten ohne zögern unseren Ankunftstag zu unterbreiten. Wir und die Yum Yum sahen sowieso immer noch so aus, als ob wir einige Tag- und Nachtschichten auf dem Ozean hinter uns hatten. Niemand würde unsere tatsächliche Ankunftszeit hinterfragen. Nachdem Mirko die Marina angefunkt hatte, wurden wir von einem Fidschianer mit einem freundlichen “Bulaaaa!!!” in einem kleinen Boot begrüßt, der uns zu einer Boje in der Bucht führte. Sein Name war William und er war zwar freundlich, benahm sich aber so, als ob er das erste Mal einer Yachtbesatzung half, an einer Mooring festzumachen. Normalerweise fährt man mit dem Seil, das an einem Ende an der Klampe auf dem Boot befestigt ist, durch den Ring an der Boje und gibt das andere Ende wieder dem Yachtie am Bug zurück, damit er beziehungsweise sie das Seil wieder an Bord befestigen kann. William knotete einfach das aaaaallerletzte Ende des Seils mit einem improvisierten Knoten so ungeschickt am Schwimmkörper fest, dass die Yum Yum, wenn der Wind ein bisschen die Richtung änderte, entweder durch die scharfen Korallen aufgeschlitzt werden oder gar in den Mangroven hängen blieben konnte. Mirko, der zwar an der Oberfläche wie immer total stressfrei wirkte, war gar nicht happy über Williams Unfähigkeit und nahm das Manöver unter dessen fragenden Blicken gleich selbst in die Hand. Gepaart mit Hunger war der Ärger darüber eine explosive Mischung, die sich da knapp unter Mirkos Oberfläche zusammenbraute. Gut, dass sich die fidschianischen Behörden immer jede Menge Zeit ließen und wir noch etwas zwischen die Zähne bekamen, nachdem William sich aus dem Staub gemacht hatte, um die besagten Beamten zu uns an Bord zu holen. Das offizielle Einklarieren läuft normalerweise folgendermaßen ab: Es kommen verschiedene Beamte des Health Departments, der Customs, der Immigration und der Bio-Security direkt auf das Boot, das durch die gelbe Flagge als “In Quarantäne” gekennzeichnet ist. Wenn die Untersuchungen von Mensch, Boot und Inventar beendet sind und alle zufrieden sind, bekommt man einen Stempel in den Pass und darf für vier Monate (der schwimmende Unterhalt sogar bis zu zwei Jahre) in Fidschi bleiben. Als Erste kam die junge Dame vom Health Department – schniefend und, laut eigener Aussage, in den falschen Schuhen. Sie stellte uns ein paar Fragen zu unserem Gesundheitszustand und knipste dabei unscharfe Bilder von unseren Essensvorräten, während sie sich ständig die Nase schneuzte. Eine Stunde später erschienen drei weitere Fidschianer. Mirko, mittlerweile geübt im Einklarieren, brach sofort das Eis mit einem charmanten „I remember you from last year“, gerichtet an die Beamtin von Customs. Die Dame fühlte sich geschmeichelt und begutachtete mit jener unerschütterlichen Ruhe, die offenbar nur echte Fidschianerinnen beherrschen, unsere Pässe und kritzelte etwas in ihre Formulare. Der Mann von der Einwanderungsbehörde starrte derweil nur verträumt in die Ferne und beteiligte sich kaum an dem Geschehen an Bord. Der Dritte im Bunde – der Bio-Security-Typ – forderte in schläfriger Gleichgültigkeit lediglich unseren Müll und murmelte hin und wieder „Yum Yum…“ vor sich hin, als würde er den Bootsnamen meditativ verarbeiten. Normalerweise hat man als Segler immer großen Respekt vor der Bio Security: Manchmal wurde nämlich das ganze Boot auf den Kopf gestellt, um nach illegalem (oder - je nach Tageszeit - schmackhaftem Mittagessen-würdigem) Essen zu suchen, dass es unerlaubterweise in Fidschi-Gewässer geschafft hatte. Unser Freund interessierte sich für gar nichts. Weder für die Zwiebeln, noch für unsere Nüsse und schon gar nicht für unseren Kühlschrankinhalt. Als wir ihn ein paar Tage später zur Begleichung der Rechnung noch einmal in seinem Büro trafen, wurde uns endgültig klar, wie wenig diese Beamten vom Leben an Bord einer Yacht verstanden. Er fragte uns ernsthaft, ob wir uns wirklich monatelang nur von Konserven ernähren würden – und es war für ihn unvorstellbar, dass wir keine Tiefkühltruhe an Bord hatten. Aber zurück zum eigentlichen Geschehen an Bord: Nach etwa einer halben Stunde waren alle Förmlichkeiten erledigt und wir wurden offiziell in Fidschi willkommen geheißen. Man sollte meinen, dass das bedeutet, man könne sofort lossegeln und die idyllischen Inselgruppen erkunden – aber das ist nicht ganz richtig. Erst muss man auf das sogenannte „Cruising Permit“ warten. Und das dauert zwischen zwei und sieben Tagen – je nachdem, ob ein Wochenende dazwischenliegt oder nicht. Angeblich werden die Unterlagen dazu auf die Hauptinsel nach Suva geschickt, wo irgendwo ein einzelner Fidschianer auf einem unbequemen Holzstuhl hinter seinem Schreibtisch sitzt und dem Papierfetzen gelangweilt einen Stempel aufdrückt. Wahrscheinlich passiert das Ganze noch ganz altmodisch per Post (oder Brieftaube), anders lässt sich nicht erklären, warum das immer so lange dauert. Obwohl wir uns ohne das Permit nicht mit dem Boot bewegen durften, war es Mirko und mir erlaubt, unsere Erkundungstour durch Savusavu zu Fuß zu starten. Nach 19 Tagen auf See – seit unserem Aufbruch aus Neuseeland – spürten wir endlich wieder festen Boden unter den Füßen - herrlich! Der noch nicht ganz gestillte Hunger trieb uns als Erstes in ein uns bereits bekanntes Restaurant: den Planters Club, wo wir schon bei unserem letzten Besuch in Fidschi gerne zum Mittagessen eingekehrt waren. Obwohl die Küche gerade umgebaut wurde – eine Frau brutzelte unser Essen in einer riesigen, verrosteten Wokpfanne, während in der Ecke ein barfüßiger Mann mit Sonnenbrille als Schutzbrille etwas zusammenschweißte – schmeckte das Essen so gut wie eh und je: Chow Mein und Stir-Fried Chicken, dazu eine frische Trinkkokosnuss. Mmmmmmmmmmmmh. Und das Beste: Es war genauso günstig wie bei unserem letzten Besuch in Savusavu vor nicht ganz einem Jahr. Die Tage in Savusavu, in denen wir auf den Papierfetzen warteten, vergingen wie im Flug. Fast täglich schlenderten wir die eine Straße entlang, in der sich das ganze Leben der Stadt abzuspielen schien, gingen in die verschiedenen, recht gut bestückten Lebensmittelläden einkaufen und beobachteten belustigt die angestrengten Gesichter der Fidschianer auf dem Markt, wenn sie versuchten, unsere Verhandlungen bezüglich des Obst- und Gemüsepreises zu durchschauen. Der Markt fand zwar seit kurzer Zeit in der neuen Markthalle statt, Preise feilschen und Kopfrechnen schien gleich wie vorher aber immer noch außer Mode zu sein. Wo es an den unwichtigen Dingen mangelt, gibt es meist etwas ganz anderes im Überfluss. Hier in Fidschi ist es die Freundlichkeit der Einheimischen. An jeder Ecke wird man von Groß und Klein mit einem herzlichen “Bula vinaka!” begrüßt und angelächelt. Den Rekord machte einmal ein kleines Mädchen in Labasa, das uns innerhalb von einer halben Stunde bestimmt zehnmal lächelnd begrüßte. Auch kulinarisch ließen Mirko und ich nichts anbrennen: Ob Fischcurry und Palak Paneer im indisch-fidschianischen Lokal, Burger mit Bea und Erwin (SY Sawadiva aus der Schweiz) in einem Hotelresort außerhalb Savusavus, Dumplings und Mapo Tofu in einem kleinen chinesischen Restaurant gegenüber der Marina (in der der Chefkoch anscheinend seine Pfannen als Aschenbecher verwendete), asiatische Küche in einem Hotel mit Blick auf Savusavu Harbour, Eiskaffee in der Copra Shed Marina auf der Terrasse (ein Dank an unseren ersten Sponsor!), leckere selbstgemachte Gerichte auf der Yum Yum oder BBQ bei unserem guten Freund Simon und seiner Familie zuhause - es war wirklich alles dabei. Was das chinesische Restaurant betrifft, wurden wir erst im Nachhinein von Simon, einem Einheimischen, über das angebliche Suchtproblem 🚬 des Chefkochs behelligt. Wir nahmen das allerdings mit einer gehörigen Portion Skepsis – das Essen war lecker, und die Gesellschaft (eine schwarze Katze) ebenso. Wie bei uns wird eben auch hier gerne geredet. Wer ist denn nun dieser Simon? Wir hatten ihn im vergangenen Jahr in Savusavu kennengelernt, als wir – auf der Suche nach einem nicht existierenden Ticketschalter – planlos über den Busbahnhof irrten. Der indisch-fidschianische Tourguide war uns auf Anhieb sympathisch, und als er anbot, uns mit nach Labasa zu nehmen – 2,5 Autostunden entfernt –, war der Grundstein für unsere Freundschaft gelegt. Natürlich stand für Mirko außer Frage, ihm sofort zu schreiben, als wir diesmal wieder in Savusavu ankamen. Im Nachhinein war das fast überflüssig, denn schon am ersten Tag bremste quietschend ein Auto neben uns, Simon sprang über beide Ohren strahlend heraus und hieß uns mit einem „Captain & Admiral (Lady Boss)!" und einer herzlichen Umarmung willkommen. Allein an dieser Begrüßung hätte ich ihn blind erkannt. In dieser "Stadt" war es einfach unmöglich, sich nicht über den Weg zu laufen. Wie bereits erwähnt, lud uns Simon sogar zu sich nach Hause zum BBQ ein. An einem Samstagabend packten wir also ein paar kühle Getränke und etwas Kava ein (den wir am Ende übrigens wieder mit nach Hause nahmen), und Simon holte uns am Dock der Marina ab. Seine ganze Familie war gerade vorübergehend in Savusavu, um deren Mutter zu pflegen, die sich von einem Sturz erholte. Also, fast die ganze Familie: zwei Brüder (einer lebt in Suva auf Viti Levu, der andere in Savusavu), zwei Schwestern (eine aus Sydney, eine aus Tonga), eine Nichte und Simons eigener Sohn – nur ein Bruder fehlte. Dieser eine wurde prompt zum „schwarzen Schaf“ der Familie erklärt. Sie riefen ihn sogar an, nur um ihn wegen seiner Abwesenheit aufzuziehen. Geschwisterliebe, ha! 😉 Der Abend war also gespickt mit Sticheleien, Geschichtenerzählen, Gelächter begleitet von pinken Gin Tonics (“Bula” kann neben “Hallo” übrigens auch “Prost” bedeuten), Bier und jeder Menge Essen. Es gab einen riesigen Topf voller leckerer Lammkoteletts und Würstchen, Cassava, Maniok und Salat - wer sollte das bitte alles essen?! Naja.. Mirko. Er ließ es sich gut gehen und schlemmte den ganzen Abend, wie auch die ganze Familie Sharma. Nicht wie bei uns muss hier gegessen werden, wenn das Essen noch heiß ist. Hier wird vorbereitet, getrunken und irgendwann und immer wieder etwas gegessen, was das Dinner zu einer gesellschaftlichen Angelegenheit macht, das den ganzen Abend über andauert.  Leider quälten Mirko in der darauffolgenden Nacht und den ganzen nächsten Tag schreckliche Bauchschmerzen. Ob die Menge, die er in sich reingestopft hatte, oder etwas bestimmtes daran Schuld trug, wussten wir nicht. So oder so trübte auch das Leiden von Mirko nicht unsere Erinnerung an den witzigen Abend bei den herzlichen Locals. Erst 24 Stunden später erwachte Mirko von den Toten und aß sofort den kompletten Laib frisch gebackenen Brots, das ich während seiner geistigen Abwesenheit zubereitet hatte. Vielleicht war es kein Zufall, dass ihn das Schicksal kurz darauf zur Strafe – oder sagen wir: als karmischen Ausgleich – beim Schere-Stein-Papier verlieren ließ. So musste er bei strömendem Regen an Deck, um dem Dinghy den Stöpsel zu ziehen. Dieses hatte sich nämlich bereits mit einigen Litern Wasser gefüllt und drohte zu kippen. Zum Glück bleibt es in Fidschi auch bei Regen angenehm warm – sodass Mirko die Aufgabe gleich im Adamskostüm bewältigte. Wir verbrachten auch ein wenig Zeit mit Bea und Erwin, einem netten Schweizer Paar, das auf ihrer 53-Fuß-Beneteau namens Sawadiva seit 2019 in Savusavu sind. Obwohl Mirko sie zuvor nur einmal getroffen hatte, luden sie uns gleich ein, uns ihr Haus zu zeigen, dass sie vor ein paar Monaten in den “Savusavu Hills” gekauft hatten und gerade renoviert wurde. Man erkannte auf Anhieb die Leidenschaft, die der Ex-Unternehmer und die Innenarchitektin schon in das verwilderte Stück Land gesteckt hatten. Vor allem der Blick vom Haus aus auf den weitläufigen Ozean war einfach nur atemberaubend. Zu meiner Freude gab es nicht nur Burger und Pommes zu Mittag, sondern auch noch einen Eisbecher, Zimtschnecken und Kaffee auf der Sawadiva zum Abschluss des Tages - yummy!  Da unsere neuen Freunde ihre Yacht in der schicken Nawi Marina untergebracht hatten – von der wir noch ganz genau wussten, wie unglaublich toll die Sanitäranlagen für Yachties waren (vor allem die Außen-Regenduschen!) – konnten wir der Versuchung nicht widerstehen. Unsere eigene Waitui Marina hatte lediglich eine von Ameisen befallene Kabine mit rostiger Duschvorrichtung und kaltem Wasser zu bieten. Also wagten wir es: Wir machten unser Dinghy heimlich am Steg hinter der Sawadiva fest und schlichen uns in die Nawi Marina… zum Duschen. Man kann sich schließlich immer noch dumm stellen und sich als ahnungsloser Tourist ausgeben, oder?  Beim ersten Dusch-„Ausflug“ hörten wir im Dunkeln plötzlich Polizeisirenen, gerade als wir frisch geduscht mit dem Dinghy zurück zur Yum Yum düsten. Für einen Moment schauten wir uns panisch um – nur um dann festzustellen, dass sie gar nicht uns galten. Puh. Die nächsten Male waren dann ein Klacks. Was soll man sagen – Mirko und ich haben’s mit dem Kleinkriminellen halt einfach im Blut. Auch dieses Mal machten wir einen Ausflug nach Labasa – allerdings mussten wir diesmal auf den Luxus von Simons klimatisiertem Auto verzichten. Stattdessen fuhren wir beide Strecken in einem ordentlich durchgerüttelten Bus, jeweils 2,5 Stunden, ohne Klimaanlage. Aber wofür gibt es schließlich Fahrtwind? Erst als wir Palagis im klappernden Bus saßen, wurde mir wieder so richtig bewusst, dass wir uns in einem dieser Länder befanden, in denen mit offener (oder gar keiner) Bustür durch bergige, unebene Straßen gerast wird – und ich musste grinsen. Die Fahrt war schon ein kleines Highlight für sich. Vanua Levu besteht aus drei Provinzen, die sich jeweils auf ein bestimmtes Produkt spezialisiert haben: Bua  im Westen ist für den Reisanbau bekannt, Macuata  (wo Labasa liegt) für Zuckerrohr im Nordosten, und Cakaudrove  rund um Savusavu für Kokosprodukte im Südosten. Unterwegs passierten wir außerdem eine Quelle, deren Wasser angeblich noch besser sein soll als das berühmte „Fiji Water“. Was besonders auffällt: Viele Pflanzen – selbst meterhohe Palmen und Bäume – sind kilometerweit mit einer Kletterpflanze namens Kudzu überwuchert. Wusstet ihr, dass die Samen dieser Pflanze im Zweiten Weltkrieg von amerikanischen Bombern abgeworfen wurden, damit sich Truppen besser im Dickicht verstecken konnten? Tja. Heute ist das invasive Grün eine echte Plage. Wir besuchten die größte Stadt Vanua Levus, um ein bisschen shoppen zu gehen und das beste indische Restaurant zu besuchen, das es auf der Insel gibt: das Delhi 6. Das Besondere an Labasa ist eigentlich nur dieses Restaurant, der große Supermarkt namens Extra, der um einiges mehr Lebensmittelauswahl hatte wie die die anderen Shops, der große lokale Obst- und Gemüsemarkt und, wenn man will, der zu jeder Tageszeit vollgestopfte Busbahnhof. Ansonsten ist es einfach nur eine ganz normale, dreckige Insel-Stadt voller schwitzender Menschen - also wie man es sich vorstellt. Wir fuhren mit dem Vorsatz in die Stadt, keinen Blödsinn zu kaufen. Wie bereits geahnt, kamen wir am Ende des Tages trotzdem mit ein paar neuen Gadgets nach Hause: Seitdem zählt ein Hippie-Sturmfeuerzeug, eine neue Frisörschere, Spritztüllen und ein Mini-Häxler zum Inventar. Also genau die Dinge, die man das erste Mal sieht und sich sofort fragt, wie man vorher ohne sie überleben konnte.  Nach neun Tagen in Savusavu und dem Cruising Permit endlich in der Tasche war das Wetter annähernd perfekt, um in den Osten Richtung Lau-Gruppe aufzubrechen. Bevor wir lossegelten, wollten Mirko und ich uns aber noch von Simon verabschieden – und uns für das BBQ bedanken. Am Ende des Treffens schenkte er uns zwei Sulus im DRUA-Style - sehr süß von ihm –, während wir das Mittagessen bezahlten. Ein Sulu ist ein traditionelles Kleidungsstück aus Fidschi – im Grunde genommen ein Wickelrock, der von Männern und Frauen getragen wird. Fijian Drua ist ein professionelles Rugby-Team aus Fidschi – und zwar das erste Team überhaupt, das Fidschi in der internationalen Rugby-Union-Liga Super Rugby vertritt. Funny Story am Rande: Simon bestellte im Restaurant gleich ungefragt drei Fiji Gold (also Bier) und am Ende war ich die Einzige, die mit einem angenehmen Dusel nach Hause kam. Da Mirko ja kein Biertrinker ist, haben wir – um nicht unhöflich zu sein – immer wieder unsere Gläser vertauscht, sobald Simon gerade nicht hinsah. Und so war ich gezwungen, in doppelter Geschwindigkeit zu trinken, damit es nicht auffiel… Also dann: Bulaaa! Und da war noch… der unerwartete, morgendliche Gast. Während Mirko, ausgeknockt von seinen Bauchschmerzen, in unserer Koje lag, stieg ich mich aus dem Bett und ging an Deck. Der Regen hatte gerade erst aufgehört, und der frühe Morgen lag noch still über dem Wasser. Ich beobachtete einen kleinen, aufgeregt hüpfenden Fischschwarm – offensichtlich auf der Flucht vor irgendetwas. Doch dann fiel mein Blick auf etwas ganz anderes: Ein großer, gepunkteter Eagle Ray glitt lautlos und mit anmutiger Ruhe direkt am Bug der Yum Yum vorbei – wie aus dem Nichts. So einen Besucher sieht man selten, vor allem nicht, wenn man mitten vor einer Stadt vor Anker liegt. Unser Ausflug nach Labasa mit dem Bus. Fiji kennt auch Regen.

  • Minerva: Ankern mitten im Pazifik

    Minerva Süd - 5. bis 10. Juni 2025 Für Mirko und mich war es jetzt schon das zweite Mal, dass wir Zeit in dieser Oase verbringen durften. Im Frühjahr 2024 hatten wir auch hier einen Stopp eingelegt, bevor wir weiter nach Tonga gesegelt waren. Die letzten Tage hatten wir uns in Gewässern mit einer Tiefe zwischen 2.000 und 4.000 Metern befunden. Und jetzt, mitten im Ozean, hunderte Kilometer vom Land entfernt, konnten wir plötzlich auf 12 Metern den Anker schmeißen. Wie das geht? Die Minerva Riffe liegen auf einem untermeerischen Plateau. Dieses Plateau ist zwischen 550 und 1.100 Meter tief und erstreckt sich über eine Länge von 45 Kilometern. Die Riffe sind Atolle im Entstehungsprozess und haben sich seit 1916 um einen Meter angehoben. Die höchsten Stellen ragen bei mittlerem Tidenhub bereits aus dem Meer, lediglich bei Hochwasser liegen die Riffe größtenteils noch unter der Wasseroberfläche. Ein Atoll ist übrigens ein aus einem ringförmigen Riff und einer Lagune bestehende Koralleninsel in tropischen Meeren. Da die Minerva-Riffe (noch) keine Inseln aufweisen, kann man sie daher noch nicht ganz als ein "fertiges" Atoll bezeichnen. Leider meinte es das Wetter dieses Jahr nicht ganz so gut mit uns wie letztes Jahr. Es war windiger, tagsüber sehr oft bewölkt und manchmal sogar regnerisch. Dennoch war es ein ganzes Stück wärmer als in Neuseeland - sowohl die Luft, als auch das Wasser. Unsere Seglerfreunde, die dem Wetterfenster nicht so großes Vertrauen geschenkt hatten und noch im Norden von Neuseeland geblieben waren, erzählten uns sogar von einem “Arctic Storm”, der die Kiwis eine Woche später heimgesucht und eisige Temperaturen mitgebracht hatte - brrrrr. Gut also, dass wir den kalten Süden frühzeitig verlassen hatten. Dem Wetter zum Trotz ließen wir es uns natürlich nicht nehmen bei der nächstbesten Gelegenheit schnorcheln zu gehen - endlich! Mirko und ich hielten es gerade mal eine halbe Stunde im 24 Grad warmen Wasser aus, bis uns kalt wurde und wir bibbernd und außer Atem die Badeleiter hoch und zurück auf die Yum Yum kraxelten. Eingewickelt in Handtuch und flauschigem Surfponcho, waren wir uns in dem Moment einig: Wir waren eindeutig außer Form. Sogar mit Shorty (kurzem Neoprenanzug) war uns schnell kalt, nach kürzester Zeit meldete sich schon die verkrampfte Wadenmuskulatur, die nur ein paar Minuten gegen die Strömung ankämpfen musste und von den peinlichen 10 Sekunden, die ich es geschafft hatte, die Luft anzuhalten fange ich jetzt gar nicht erst an. Ab diesem Tag wurde somit kontinuierlich an der Kondition gearbeitet. Wir erkundeten täglich die Unterwasserwelt und dessen Lebewesen, machten die ersten richtigen Spritztouren mit dem nigelnagelneuen Dinghy, gingen fischen und probierten das erste Mal Mirkos Wingfoil aus. Die Unterwasserwelt war schön wie eh und je. Bunte, hohe Korallensäulen säumten den Meeresboden und boten Unterschlupf für die verschiedensten Meeresbewohner: Kleine blau-glitzernde Fischschwärme, die sich geschickt zwischen den verwobenen Armen einer Hartkoralle versteckten; ein großer Grouper, der uns wachsam beäugte - jederzeit bereit, im schmalen Korallenvorsprung zu verschwinden; Blacktips (Schwarzspitzen-Riffhai - sehen unglaublich schlecht), die uns neugierig mit runden Augen umkreisten; ein gechillter Whitetip (Weißspitzen-Riffhai - können rückwärts schwimmen) der elegant und knapp über dem Meeresboden seine Bahnen drehte, und natürlich all die bunten Rifffische, meist als Pärchen unterwegs, die sich gemächlich vom blau-türkisen Wassers hin und her wiegen ließen. An einem schönen Tag düsten wir sogar Richtung Pass, um die dortige Unterwasserwelt zu erkunden. Den Pass kann man sich als den Botanischen Garten unter den Nationalparks vorstellen - beste Sicht, jede Menge Tiere und eine Vielzahl an Pflanzen. Auch hier am Minerva Riff wurden wir in dieser Hinsicht nicht enttäuscht. Gleich zu Beginn wurden wir überraschend von zwei Schildkröten begrüßt, die ohne jegliche Scheu nur einen Meter entfernt neben uns herschwammen! Mirko und ich waren so fasziniert, dass wir einen Hai (den größten Riffhai bisher) nicht sofort sahen, der sich ebenfalls neugierig genähert hatte, und begann, eine der Schildkröten zu ärgern (siehe Video). Was das Wingfoilen betraf, waren wir beide komplette Anfänger. Schon öfter war jemand mit seinem Board und dem Segel in der Hand in Neuseeland oder Fidschi an uns vorbei gedüst und jedes Mal war ich wieder fasziniert davon gewesen, wie die Sportler es schafften, so geschmeidig und mit dem Foil aus dem Wasser über das Blau zu surfen (oder sagt man segeln? - Ich weiß es nicht). Darum war ich umso neugieriger, es endlich mal selbst auszuprobieren. Die erste Schwierigkeit war schon mal der Zusammenbau des Boards. Das lag aber einzig und allein daran, dass man uns die falschen Schrauben mitgeliefert hatte - und das gleich zweimal. Für was bestellt man bitte Ersatzschrauben, wenn man die fehlerhaften Schrauben nicht damit ersetzen kann? Ärgerlich. Zum Glück fand Mirko in seiner riesigen Sammlung an Werkzeug in irgendeiner seiner hundert Kisten die passenden Schrauben, sodass wir das Foil am Board befestigen konnten. Zuerst wollten wir die Basics wie Lenken, Aufstehen und das Board aus dem Wasser heben, mit dem Dinghy und ohne dem Wing (Schirm) üben - also eigentlich wie beim Wakeboarden. Lenken und Aufstehen ging nach einer Weile schon ziemlich gut, nur das Anheben des Boards - damit man nur auf dem Foil surft - brachte uns Rätsel auf. Wie soll das denn funktionieren? Das war wirklich nicht so einfach. Weder Erklärvideos noch mehrfaches Üben hatten uns bisher zum Erfolg gebracht… aber das wird schon. Vielleicht treffen wir ja bald einen Wingfoiler, der uns aus Mitleid unterrichtet. Wie schon letztes Jahr im Minerva Riff schlüpfte jeder von uns auch diesmal einmal in die Rolle des Spitzenfriseurs. Während Mirko meinen Schnibbelkünsten blind vertraute, rutschte ich schon etwas nervöser auf dem improvisierten Friseurstuhl herum. Aber alles ohne Grund: der Kurzhaarschnitt gelang ihm wirklich gut - oder was meint ihr? An unserem zweitletzten Tag im südlichen Minerva Riff wurde es nochmal ganz anders aufregend. Den bewölkten Vormittag verbrachte ich mit Bloggen vor dem Laptop im Saloon, als ich plötzlich einen Schrei aus dem Cockpit hörte, der mich sofort nach Oben stürmen ließ. Achtung, jetzt wirds etwas eklig. Mirko hatte sich beim Verräumen der Fischerkiste mit voller Wucht einen Haken in den Mittelfinger gerammt. Natürlich einen schön rostigen mit diesen tollen Widerhaken. Der erste Versuch ihn rauszuziehen scheiterte kläglich - der Haken, der sich einen ganzen Zentimeter tief ins Fleisch gebohrt hatte, bewegte sich keinen Millimeter. Während Mirko, dem vor lauter innerlichem Stress die Schweißperlen auf der Stirn standen, dennoch ruhig überlegte, was die beste Lösung war, gingen mir bereits jegliche Horrorszenarien durch den Kopf und prompt wurde mir kotzübel - was für eine tolle Hilfe ich doch war. Schließlich entschieden wir uns, einen kleinen Schnitt mit einem Skalpell zu machen und den Widerhaken vorsichtig rauszuziehen, um keinen Rost oder Dreck zurückzulassen, der eine Infektion oder gar eine Blutvergiftung auslösen konnte. Zurück blieb nur eine kleine, unscheinbare Narbe - Glück gehabt! Dadurch, dass das südliche Riff etwas niedriger ist als das nördliche, ist man vor Anker nicht so gut geschützt wie im Norden. Es dient nur beschränkt als Wellenbrecher, was bedeutet, dass es in der Lagune innerhalb des Riffs ganz schön rolly (=wellig) werden kann - vor allem bei Flut. Aus diesem Grund beschlossen wir nach der fünften  durchgerüttelten Nacht, ins nördliche Minerva Riff weiterzuziehen, dessen höher liegender Riffring etwas mehr Schutz vor dem Ozean bietet. Ihren Namen erhielten die Riffe übrigens von Kapitän Henry Mangles Denham vom Forschungsschiff HMS Herald. Er benannte sie nach dem Walfangschiff Minerva, das 1829 am südlichen Riff strandete. Minerva Nord - 10. bis 15. Juni 2025 Das andere Riff lag nur 22 Meilen nördlich, die die Yum Yum mit gemütlichen 5 bis 6 Knoten Geschwindigkeit in ein paar Sonnenstunden bewältigte. Natürlich schmissen wir gleich nach den ersten Metern euphorisch die Fischerleinen mit unseren besten Ködern aus, doch bis zum “Anker tief” ging uns kein einziger Fisch an den Haken. Schlimmer noch: dreimal wurde einfach der Haken abgebissen! Zusätzlich riss sich am selben Tag ein riesiger Fisch von der Leine los, als wir sie mit dem Dinghy nachschleppten und zog unseren Lieblingsköder mit sich in die Tiefe. Das war wirklich nicht unser Tag gewesen. Die Fische hatten wohl alle gewusst, dass Mirko aufgrund seiner Verletzung die “Drecksarbeit” nicht erledigen konnte und ich diesmal den Fisch ausnehmen und filetieren hätte müssen. Das wollten sie (abgesehen von ihrem Tod) wohl auf alle Fälle vermeiden. Bis auf das riesige Exemplar des Jackfishs (oder sowas in der Art - ich konnte ihn nicht identifizieren), das Mirko umringt von drei Haien während unserer Schnorcheltour im Pass schoss (ja, verdammt aufregend 🦈🦈🦈), ging uns kein einziger Fisch mehr während unserer Zeit in Minerva in die Falle. Ein Glück, dass uns endlich Rachel und Adam mit ihrer Lady Annabelle (Sydney, Australien) eingeholt hatten, während eines Schnorchelausflugs einen Crayfish (eine Languste) fingen und am selben Abend mit uns teilten. Wir verbrachten viel zeit mit den zwei. Jeden Abend wechselten wir uns ab mit Appetizern und Drinks an Bord. Es war schön, zwischendurch etwas Gesellschaft zu haben, vor allem welche, die immer spannende Geschichten mitbrachte. Beispielsweise erzählte Adam, der wie jeder zweite Australier einmal Tauchlehrer gewesen war, von Riesenkalmaren die Haie anknabbern und von Booten, die im Orkan vom Wind davongetragen und Tage später im nahegelegenen Mangrovenwald  wiedergefunden wurden. Rachel erweiterte diese Skurrilitäten mit (natürlich australischen) Raupen, die statt ihren Lebensraum in einer Zimmerpflanze kampflos aufzugeben lieber zu Menschenfresser wurden und zubissen, wenn man sie entfernen wollte. Außerdem erzählten sie uns von der gründlichen Untersuchung ihres Bootes beim Ausklarieren aus Neuseeland, bei dem der Beamte angab, nach blinden Passagieren zu suchen, sie sich aber unschlüssig waren, ob er statt Menschen eher nach kleinen flauschigen Häschen Ausschau hielt. Er hatte nämlich bei der Durchsuchung Rachels Karottenvorrat entdeckt, bei dem es sich anscheinend um mehrere Kilos (unglaubliche 6 Kg! ) handelte. Rachel mag halt einfach Karotten 🥕. Übrigens hatte ich Probleme mit Ungeziefer an Bord - Nein, leider keine Häschen. Ich hatte es mir zur Aufgabe gemacht, einen kleinen Kräutergarten zu züchten. Ich hatte dafür in Neuseeland sorgfältig meine Lieblingskräuter und passende kleine Übertöpfe ausgesucht, liebevoll mit etwas Erde aus dem Garten der Riverside Marina in Whangarei aufgetoppt und an ein sonniges, aber windstilles Plätzchen in der Bordküche vor dem Fenster platziert. Tja… wer hat den Fehler bereits gefunden? Genau. Die Gartenerde. Ich hatte damit nicht nur nahrhafte Bioerde aus Neuseeland, sondern auch gleich eine kleine Schnecke, eine Raupe und ein paar Ameisen eingeschleppt. Gut gemacht, Daniela. Erst drei von sieben kaputte Pflanzen später entdeckte ich die tödlichen Ungeheuer. Auch an diesem Ankerplatz im glasklaren Wasser des nördlichen Minervariffs ließen wir es uns nicht nehmen, jeden Tag im 24.2 Grad warmen Wasser schnorcheln zu gehen. Interessanterweise fand man in der Lagune nur ganz vereinzelt schöne Korallenbommies und zusätzlich zwei korallenbewachsene Wrackteile, an denen es nur so von Fischen wimmelte, während ansonsten weit und breit sandige Unterwasserwüste herrschte. Sogar den Schnorchelausflug zum Pass hatten wir uns hier etwas bunter vorgestellt - aber das ist Jammern auf hohem Niveau, wenn man dort zwei anmutigen Eagle Rays begegnet, oder? Unter den Seglern wurde gemunkelt, dass hier am nördlichen Minerva Riff zwar ein vier Meter großer Tigerhai seinen Wohnsitz hatte… gesehen hatte ihn aber schon länger keiner mehr. Es wurde lediglich eine Seglern versehentlich von einem Riffhai vom SUP geschubst, den sie aber vorher mit Fischresten unabsichtlich in Bootsnähe gelockt hatte, und der noch ein paar Stunden länger nach mehr (normalerweise nicht-menschlichen) Leckereien Ausschau gehalten hatte. Am Tag vor unserer Weiterreise nach Fidschi gesellte sich noch ein weiteres junges Seglerpaar zum Abendessen zu uns: Merrit und Joost mit ihrer Awa. Die zwei Holländer sind seit 2021 unterwegs und wollen dieses Jahr auf (fast) direktem Weg nach Kanada. Mit ihrer stählernen, türkisfarbenen Awa waren sie sogar schon durch die patagonischen Fjorde gesegelt. Wir verabschiedeten uns an diesem Abend von Lady Annabelle, die beschlossen hatten, nach Tonga weiterzusegeln und auch von Awa, die zwar auch nach Fidschi segelten, aber an einem anderen Port einklarieren wollten. Für uns gehts weiter nach Savusavu auf Vanua Levu und von dort… tja - mal sehen! Und da war noch… das Lichterketten-Debakel. Alles begann schon in Neuseeland. Mirko hatte sich einen tollen Plan zurecht gedacht und war froh und munter in Neuseeland einkaufen gewesen, um alles für die nahtlose Installation einer neuen licht- und stimmungsspendenden Lichterkette im Cockpit zu organisieren. Um das bunt leuchtende Stück Elektrik zusätzlich vor Regen zu schützen, hatte er sogar einen passenden, durchsichtigen Schlauch als Hülle gekauft, wo wir die 5 Meter lange Kette einfach nur durchfädeln sollten. Mirko hatte sogar extra genau passende Schlaufen an das neue Bimini nähen lassen, um das Meisterwerk nachher zu befestigen. Der Plan war eigentlich perfekt - und dadurch natürlich gleichzeitig zum Scheitern verurteilt. Der Schlauch war einfach ein kleines bisschen zu eng und erschwerte das ganze ungemein. Weder Spülmittel noch Feingefühl halfen dabei. Das ganze Projekt, das uns einige Stunden über mehrere Tage kostete, vernichtete in null komma nichts die idyllische Stimmung am Minerva Riff. Als uns nach dem zwanzigsten Versuch dann die zweite Lichterkette auseinander riss, hatten wir die Nase voll und bedachten das Ganze schon als gescheitert und ich schmiss das Handtuch. Ich sah es positiv: Zumindest musste man sich keine Gedanken mehr über “Das Auge isst mit” beim Abendessen machen… Als ich am nächsten Tag aufstand und das ganze schon hinter mir gelassen hatte, war Mirko bereits dabei, die Lichterkette zu reparieren - genauer gesagt zu löten (ja, wir haben tatsächlich einen kleinen Lötkolben an Bord!). Er schien über Nacht eine Eingebung gehabt zu haben und voilá: Nach vier Tagen kann sich das Ergebnis sehen lassen! Endlich angekommen. Atemberaubende Unterwasserwelt. Unsere ersten Wingfoil Versuche. Einige Eindrücke vom Riff. Ein neugieriger Squid. Einfach nur Traumhaft!

  • Die Überfahrt: 123 Stunden Blau

    Die Überfahrt - 30. Mai bis 5. Juni 2025 Ich kenne viele, die sagen, es sei ihr Traum einmal eine Ozeanüberquerung mit dem Segelschiff zu machen, bei der man irgendwann zwischen Himmel und Wasser zu sich selbst finden kann. Auf der man beginnt, eins mit dem Meer zu werden und es nur noch wichtig ist, einzig und allein den salzwassergetränkten Wind zu spüren, der die Segel füllt. Während man wochenlang nur von Wasser umgeben ist, gibt es nichts zu tun, außer über das Leben nachzusinnen und die innere Ruhe zu finden… Das hört sich wirklich traumhaft an, oder? Tja, leider kann man das wörtlich nehmen, denn diese Vorstellung bleibt ein Traum - zumindest ein Teil davon. Die Realität einer solchen Überfahrt sieht oftmals doch ein kleines bisschen anders aus - zumindest habe ich das so empfunden. Nachdem ich jetzt schon ein paar mehrtägige Überfahrten hinter mich gebracht habe und es sich hier wohlgemerkt nur um höchstens sechs Tage am Stück handelte, kann ich zu diesem Zeitpunkt mit einer Bestimmtheit sagen: Solche Überquerungen sind nichts für mich. Der Weg ist hier NICHT das Ziel - zumindest nicht für mich. Auch Mirko ist nicht unbedingt scharf auf diese langen Passagen und das trotz der Tatsache, dass die Weltmeere schon sehr lange sein Zuhause sind. Ich meine, die obige Beschreibung klingt ja schon ziemlich toll, aber die meisten vergessen, dass es sich bei diesen mehrtägigen oder sogar mehrwöchentlichen Passagen nicht durchgehend um “Champagnersegeln” handelt. Leider kann man meistens kein Gläschen Sprudel bei durchgehendem Sonnenschein ohne Wellengang, ohne Krängung (Schieflage) und bei leichtem Wind genießen. Eventuell das eine oder andere Mal, aber eben nur selten. Das mit dem Champagner ist eh halb so schlimm. Einerseits schmeckt das teure Blubbelwasser eh nicht so gut wie Prosecco (by the way; Buy me a Prosecco ;-); andererseits hat man während dieser Zeit auf See sowieso kein Bedürfnis nach irgendwelchen legalen Drogen außer Schokolade und Stugeron, die Tabletten gegen Seekrankheit. Zumindest geht es uns immer so. Leichtwind ist ohnehin nicht das, was man sich auf einer Passage wünscht. Man möchte ja schließlich genügend Wind haben, um irgendwann auch am Ziel anzukommen. Das hat zur Folge, dass man sich mit dem starken Wellengang und der ungemütlichen Schieflage abfinden muss - und das bei Tag und bei Nacht -, was erholsamen Schlaf zu einer Seltenheit macht. Natürlich hat eine Überquerung auch seinen Charme - ganz klar. Fast täglich erlebt man sowohl Sonnenauf- als auch Sonnenuntergang, man kann sich endlich einem Buch widmen, für das man bisher keine Zeit hatte, man ist fernab vom Strudel der Sozialen Medien und das Schönste ist sowieso, dass man (wenns gut läuft) 24/7 die Segel gesetzt hat. All das bringt eine gewisse Romantik mit sich. Von Neuseeland nach Minerva Mirko und ich entfernten uns unter Segel von Neuseeland. Es lagen ca. 820 Seemeilen (1.519 Kilometer) vor uns, die wir in fünfeinhalb Tagen (und Nächten) bewältigen wollten. Erst als es dämmerte, verschwand auch die letzte markante Bergspitze der Nordinsel Aotearoa (Maori Name für Neuseeland). Nicht nur wir waren auf dem Weg zu “den Inseln”, auch einige andere Segelboote befanden sich einige Meilen um uns herum verteilt in dieselbe Richtung bewegend. Trotz des, verglichen mit der Größe des Südpazifiks kleinen Abstands, sahen wir nur ab und zu ein Segel über dem Horizont aufragen. “Die Inseln” beziehungsweise “The Islands” ist DER Ausdruck, den die Kiwis (Neuseeländer) für Tonga, Fidschi, Vanuatu und die vielen anderen Inselstaaten der Südsee verwenden. Mehr als einmal wurde meine Gegenfrage “Which islands do you mean?” auf die Frage “Head'n to the islands, hey?” mit einem Schmunzeln quittiert, wobei ich förmlich das unausgesprochene “Tztz tourists…” hören konnte. Da es für mich doch schon ein Weilchen her war, offshore zu segeln, beschloss ich, Paulas Rat (SY Freydis) zu folgen und mir schon vorzeitig eine Tablette gegen Seekrankheit zu gönnen, damit ich den ersten Tag der Passage ohne Bedenken absolvieren konnte. Mein Magen musste sich schließlich erst an dieses ständige Auf und Ab der Wellen gewöhnen und diese unangenehme Zeit wollte ich unbedingt überbrücken. Mit einem Kurs von 025 bis 035 Grad gegen Norden und durchschnittlichen 7.5 Knoten Geschwindigkeit genossen wir den ersten langen Segeltag mit der Yum Yum. Auch sie hatte nicht verlernt, wie man segelt oder über die dreieinhalb Meter hohen Wellen surft. Sowohl die Temperatur der Luft als auch die des Wassers bewegte sich noch im niedrigen Bereich, wie in Neuseeland. Doch das sollte sich schneller als gedacht ändern, umso nördlicher wir kamen, und darauf freuten wir uns schon. Als ich abends dann zusätzlich zur langen Hose und meiner dicken Jacke auch noch meine nigelnagelneue Helly Hansen Segellatzhose anzog, um warm zu haben, war klar, dass es noch ein Weilchen dauern würde, bis Bikini und Badehose aus dem Schrank geholt werden konnten. Aber alles der Reihe nach. Die abendliche erste Wache nach dem frühen Abendessen übernahm täglich Mirko. Die Sonne ging schon um halb sechs Uhr abends unter und da es nach dem Bestaunen des meistens wunderschönen Sonnenuntergangs nichts mehr zu tun gab, legte ich mich meist direkt in die Koje, um etwas “vorzuschlafen”, bevor mich Mirko ein paar Stunden später zum Schichtwechsel weckte. Man stellt sich immer vor, dass die Wellen einen in den Schlaf wiegen wie ein Baby, das von seinen Eltern sanft in der Wiege geschaukelt wird, bis es einschläft. So einfach ist das dann doch nicht. Das Hin und Her und Auf und Ab der Wellen fühlt sich eher an, als ob man in einer Waschmaschine liegt. Die scheinbar unendliche Krängung und die Geräuschkulisse, die einerseits das vorbei rauschende Wasser am Bug und andererseits das scheppernde Inventar des Schiffes veranstaltet, trägt dabei nicht gerade zu einem erholsamen Schlaf bei. Mirko weckte mich trotzdem jede Nacht nach Mitternacht und ich kroch wenig erholt und mit Rückenschmerzen vom verkrampften Rumliegen aus dem Bett, um meine Schicht anzutreten. Meist waren die Nächte ereignislos, was positiv war, aber es gab da die paar Dinge, die jede Nacht trotzdem zu etwas Besonderem machten: Manchmal war es der Sternenhimmel, an dem man außer dem markanten Kreuz des Südens vor lauter Sterne die Sternbilder nicht erkennen konnte, ein andermal war da dieser leuchtende Plankton, der das unendliche, schwarze Wasser in eine glitzernde Decke verwandelte. Und habt ihr schon mal einen Mondaufgang vom Ozean aus beobachtet? Ein unbeschreibliches Ereignis. Im Großen und Ganzen lernte ich die Nachtfahrten zu lieben. Es war eigentlich gar nicht so übel, zu unsittlichen Zeiten wach zu sein, um in die weite Ferne ins eben doch nicht so leere Nichts zu starren. Im Gegensatz zur Nacht war es untertags meistens leicht bewölkt und selten strahlender Sonnenschein, während sich nächtens der Mond durch die Wolken kämpfte und den besagten Sternenhimmel freigab. In der Ferne konnten wir oftmals ein paar Regenschauer beobachten, deren Tropfen es glücklicherweise nicht zu uns schafften, aber uns ständig mit einem neuen Regenbogen überraschten. So viele Regenbögen wie am zweiten Tag unserer Überfahrt hatte ich wirklich noch nie gesehen.  Gestartet waren wir mit über 30 Knoten Wind, der sich am zweiten Tag auf konstante 20 Knoten reduzierte, bis er am dritten Tag gerade mal 5 bis 10 Knoten aufbrachte. Wir konnten bis auf den erwähnten dritten Tag immer die Segel setzen und mussten “nur” 29 Stunden unter Motor zurücklegen - was wir von vornherein gewusst hatten. Das heißt aber nicht, dass wir am dritten Tag nicht probierten, die Segel zu setzen. Bestimmt sechs mal setzten wir die Segel und bargen sie nach einer kurzen Zeit wieder. Wir probieren sogar mehrmals unseren roten Parasailor aus, eine Art Spinnaker, der genau für raumen, leichten Wind gemacht ist, und scheiterten kläglich an den schlechten Windverhältnissen. Ein Versuch wurde schließlich unfreiwillig zum letzten, als der Bergeschlauch so blöd am Segel hängenblieb, dass irgendetwas zerriss, und wir den Parasailor fürs Erste verräumen mussten.  Der entspannte Seegang bedeutete zwar weniger Speed beim Segeln oder dass man motoren musste, brachte aber einen bedeutenden Pluspunkt mit sich: Gutes Essen! Es war nämlich viel leichter unter Deck zu kochen, wenn man nicht alles festhalten musste was so herumgeschleudert wurde, wie beispielsweise Schüsseln, Gläser, Pfannen, Gemüse oder man selbst…, und man relativ horizontal zum Horizont (hihi) das Essen zubereiten konnte. Es gab dann Bratkartoffeln mit Ei zum Frühstück, einen leckeren Salat mit selbstgemachtem Brot und Guacamole zu Mittag und Steinpilzrisotto zum Abendessen - ein Traum! Durch das Lesen eines Buches wurde ich sogar zum Brownie-Backen inspiriert und zauberte uns während der ruhigen Fahrt schokoladige Energiebomben. Lustigerweise handelte das Buch eigentlich von einer Chemikerin, die aber als Fernsehköchin zum Star wurde. “Eine Frage der Chemie” von Bonnie Garmus - ein wirklich empfehlenswertes Buch (hier ein Danke an Ria für die Buchempfehlung). Nach ein paar Tagen stellte Mirko fest, dass irgendwas mit dem AIS (Automatic Indentification System; Auf dem Kartenplotter werden die anderen Schiffe angezeigt und dient als Kollisionsverhütung) nicht stimmte. Laut Marine Traffic (Internationale Webseite) befand sich die Yum Yum immer noch in The Nook (NZ) vor Anker und war nicht irgendwo nordöstlich von Neuseeland zu finden. Mirko begab sich gleich auf Fehlersuche und stellte fest, dass wohl was mit der Antenne nicht funktionierte. Wir sahen zwar die anderen Schiffe auf dem Kartenplotter, waren aber für sie scheinbar unsichtbar. Ein Problem, um das wir uns nicht gleich kümmern konnten. Gut, dass wir da draußen sowieso kaum jemandem begegneten und wenn, sie in die gleiche Richtung unterwegs waren wie wir und somit geringe Kollisionsgefahr bestand. Und schlafende Wale oder gar verlorene Schiffscontainer haben sowieso kein AIS. Umso weiter nördlich wir kamen, umso weniger Kleidungsschichten waren nötig. Irgendwann fiel auch die warme Segellatzhose bei Nacht weg und Mirko traute sich sogar nach ein paar Tagen untertags eine Badehose anzuziehen. Das Thermometer zeigte zwar nur die Wassertemperatur an, deutete aber darauf hin, dass wir uns Schritt für Schritt wärmeren Gewässern näherten. Was uns am dritten und vierten Tag an Wind fehlte, kam an den Folgetagen zurück. Ein entferntes Tief hatte den ganzen Wind aufgesogen und nur darauf gewartet, ihn von einer unmöglichen Richtung an uns zurückzuschicken. Schon in Neuseeland hatte uns der Wetterbericht darauf vorbereitet, dass wir die letzten Seemeilen mit einem Am-Wind-Kurs zurücklegen mussten. Die Windrichtung war glücklicherweise gnädiger als gedacht und wir kamen mit schönen 90 Grad am Wind (Halbwind) zügig voran. Als nach der fünften Nacht die Sonne aufging (Zu meinem Erstaunen nicht genau im Osten - wusstest ihr, dass die Positionen des Auf- und Untergangs über das Jahr leicht variieren?) war endlich ein Ende in Sicht. Es war warm, die Sonne schien, die salzige Luft prickelte auf der Haut und ich konnte gemütlich meine zwei E-Books beenden. Außerdem gab es auch noch Brownies - was will man mehr! Ach ja: Angeln! Als wir uns sicher waren, vor Sonnenuntergang unser Ziel zu erreichen, schmissen wir das erste Mal in dieser Saison die Angeln aus. Prompt biss auch ein großer Thunfisch an und ich konnte die Vorfreude, dass es bald Ceviche (in Limettensaft gegarter Fisch) geben würde, kaum verbergen. Gegen Mittag konnten Mirko und ich in der Ferne die charakteristischen Schaumkronen erkennen, die jedes Riff kennzeichnen. Hier handelte es sich aber um ein Riff, irgendwo inmitten des weiten hunderte Meter tiefen Ozeans: Minerva! Wie schon beim ersten Mal staunten wir über dieses Naturphänomen. Die zwei Atolle - Minerva Süd, das fast 8 Kilometer lang ist und aussieht wie eine liegende Acht, und das kreisförmige Minerva Nord mit einem Durchmesser von 7 Kilometern. und zeigen nur bei Ebbe ein paar Felsbrocken des ansonsten unterwasserliegenden Riffs. Sie haben je einen Pass beziehungsweise eine Riffeinfahrt, die es uns Seglern erlaubt, in die Lagune einzufahren und dort auf sandigem Boden zu ankern.  Nach 125 Stunden - 60 helle und 65 dunkle - fiel der Anker auf 12 Metern Tiefe und wir konnten endlich mit einem Gläschen Prosecco, den wir vorausschauend schon in Neuseeland eingekühlt hatten, auf eine erfolgreiche Passage anstoßen.  Wir verlassen Neuseeland Die Yum Yum mit Krängung Eindrücke von einer Nachtfahrt

  • Das Leben im Paradies hat auch seine Tücken!

    Wieviel Aufwand steckt wirklich dahinter? Häufig werden wir gefragt, was wir denn eigentlich so den ganzen Tag an Bord machen. Einerseits fallen alltägliche Arbeiten an wie Einkaufen und Wäsche waschen. Das hört sich zwar simpel an, ist es jedoch nicht und kann locker mal einen halben Tag oder auch länger in Anspruch nehmen. Allein das Vorbereiten des Dinghys und die Fahrt bis an Land nimmt schon Zeit in Anspruch. Und häufig ist dann der Supermarkt weit von unserem Liegeplatz entfernt, sodass wir uns überlegen müssen, wie wir dort hinkommen. Es hat schon durchaus Vorteile, einfach ins Auto zu steigen und beim nächsten Supermarkt zu halten, der ein weitreichendes Sortiment hat. Auf der anderen Seite verbringen wir aber auch viel Zeit damit, unsere nächsten Etappen und Aktivitäten zu planen, seien es Wanderungen, Kite-Stunden oder Barbeques mit anderen Seglern. Neben den ganzen Ausflügen und Wanderungen, die wir unternehmen arbeiten wir aber auch sehr viel am Schiff, um es in Schuss zu halten. Längere Überfahrten zerren extrem am Material und die Salzwasserumgebung ist auch nicht gerade förderlich. Zeitweise verfolgte mich der Fluch, dass jeden Tag etwas in die Brüche ging. Um dies vorzubeugen versuche ich das Boot so gut wie möglich im Stande zu halten um mich gegen diesen Fluch zu wehren. In den letzten Wochen war ich sehr fleißig und habe einiges geschraubt, genäht und geschwitzt. In St. Kitts haben wir den Fäkalientank der hinteren Toilette Backbord ausgebaut weil dieser schon seit einer Ewigkeit verstopft war. Mit ach und krach konnten wir diesen ausbauen und in der Bucht reinigen. Einen Augenblick nicht aufgepasst war der Tank im Wasser und ich logischerweise dann hinterher…Zum Glück für die anderen Boote war es ein trüber Nachmittag, welcher sonst nicht zum Schwimmen einlud. Vom Erfolg gekrönt haben wir dann einige Tage später den vorderen Fäkalientank auch noch gereinigt, diesmal aber ohne den ganzen Tank auszubauen. Genauso eklig war es aber trotzdem…Mit dem Arm, verpackt in Plastik bis zur Schulter, im Tank rumzuwühlen, steht wahrlich nicht auf meiner Liste der Lieblingsaktivitäten. Die vordere WC Pumpe wurde mindestens sieben Mal aus und wieder eingebaut da stets Wasser entrinnte. Es wurde gereinigt, Dichtungen ersetzt, gefettet und alles wieder zusammen gebaut, das Ganze mal für mal. Schlussendlich mussten wir dann doch eine neue WC Pumpe einbauen, da wir leider feststellen mussten, dass das Wasser durch die Pumpe sickerte und diese vollkommen verrostet war und nicht mehr gerettet werden konnte. Wer die Toiletten kennt weiss, dass da nicht viel Platz ist um zu arbeiten und die Temperatur heiss und die Durchlüftung gering ist. Der Schweiss lief entsprechend nur so runter. Danke Cyrille und Jan für eure Unterstützung! Es gab aber auch schönere Arbeiten an Bord: Alle vier Winchen wurden auseinander gebaut, gesäubert, gefettet und wieder nach Anleitung zusammen gebaut sodass diese nicht mehr quietschen. Das Küchentablar wurde neu geleimt, das Steuerelement des Kühlschrankes ersetzt, weil dies den Geist aufgegeben hatte, ein neuer Bluetooth fähiger Batterie Monitor wurde eingebaut, das Grosssegel musste am obersten Mastrutscher neu genäht werden weil es ausgerissen war. In Grenada wurde dann die ganze Solaranlage erneuert damit wir in Zukunft genügend Strom produzieren können. Die alten Solarpanels wurden demontiert und die neuen, fünf Paneelen a 100 Watt, neu installiert. Leider mussten wir trotzdem feststellen, dass die Batterien bereits nach einem Jahr futsch sind. Dank der Kulanz von Mastervolt werden wir nun neue auf Garantie erhalten. Somit sollten wir nun neben den Solarzellen mit dem Windgenerator und HydroCharger (Wassergenerator) genügend Stromquellen haben. Letzteres hat mich jedoch bislang sicher mehr gekostet als gebracht. Bei der Atlantiküberquerung haben wir den Propeller des HydroChargers verloren, bei der Überfahrt nach St. Barth haben wir ein Fischernetz gefangen und entsprechend wurde der HydroCharger verbogen. Neu gebogen, Geschweisst, zu viel geschweisst, beim nächsten Testeinsatz gebrochen. Somit musste in Grenada für teures Geld ein neues Rohr eingeschweisst werden. Wir sind gespannt was uns diese Diva noch für einen Spass zubereitet. Schlussendlich wurde auch das Dinghy etliche Male neu geflickt. Mühsam den alten Kleber entfernt, gereinigt, neu verklebt um festzustellen, dass es immer noch undicht ist. Leider sind die Tage für dieses Dinghy gezählt denn es macht einfach keinen Spass bei jeder Verwendung das Dinghy fünf Minuten aufzupumpen im Wissen, dass nach zehn Minuten die Luft wieder draussen ist. Die Suche nach einem neuen hat bereits begonnen; allerdings sind die Preise mit über CHF 2500. Sponsoren sind willkommen. Wer also Lust hat sich als Sponsor zu beteiligen, bekommt als Gegenleistungen schöne Fotos, lustige Videos und natürlich ewige Dankbarkeit (hier gehts zur Unterstützung). Hört sich jetzt nach viel Arbeit an, ist es teilweise auch. Da neben den ganzen aufgezählten Arbeiten die kleineren Reparaturen, Reinigungen und Instandstellungen dazukommen. Da sich durch die Salzluft immer sehr schnell Flugrost bildet hat man ständig den Lappen in der Hand. Es bereitet mir jedoch viel Freude, diese Arbeiten auszuführen und mit jedem Problem und jeder Reparatur lerne ich meine Yum Yum besser kennen. Zusätzlich ist es immer wieder eine neue Herausforderung die Reparaturen anzugehen. Etliches Werkzeug über Trennscheibe, Stichsäge, Lötkolben und vieles mehr ist an Bord, jedoch genau das Werkzeug was man bräuchte eben dann doch nicht. Da muss man teilweise schon mit sehr viel Kreativität das Problem angehen. Auch wenn es oft nervenaufreibend ist, trotzdem weiß ich, wie viele weitere Weltumsegler vor mir: es ist der schönste Arbeitsplatz der Welt! Trotzdessen mussten wir leider auch einige negative Erfahrungen machen. Auf Bonaire wurden uns die beiden Falträder über Nacht geklaut. Trotz intensiver Suche und Aushang der Vermisstmeldung sind diese immer noch beim falschen Eigentümer. Zu allem Überfluss wurde uns in Curaçao der Aussenborder vom Dinghy inkl. Benzinkanister gestohlen. Was für ein Schock bei der Rückkehr. Da wir praktisch immer vor Anker liegen ist das Dinghy unsere Verbindung zum Land und essentiell wichtig. Eigentlich war mein Plan, bald das Dinghy auszutauschen; jetzt hatte aber der Motor Priorität und ich musste mich schnell um Ersatz kümmern. Denn gegen Wind und Wellen zu rudern ist zwar gut für die Fitness, jedoch nicht bei diesen Temperaturen und bei längeren Distanzen. Danke an die SY Limelight aus Deutschland welche für uns etliche Male das Wassertaxi spielte. Auf Aruba und nach neun Tage später wurde dann ein neuer Aussenborder angeschafft. Trotz intensiver Diskussion mit der Versicherung. welche einen Diebstahl als Reparatur ansieht (!!) wurde schlussendlich 76% der Kosten übernommen. Die ABC Inseln waren uns in dieser Hinsicht wahrlich nicht wohlgesonnen und deswegen hofften wir, dass unsere Diebstahlserie in Kolumbien ein Ende haben würde. Angekommen in Kolumbien, wurden uns allerdings direkt am ersten Tag beide Heckfender gestohlen als wir uns auf Landausflug befanden. Freundlichkeit sieht anders aus… Aber auch im Paradies scheint nicht immer die Sonne :) Falls Du Lust hast, meine Reise regelmäßig zu verfolgen, folgt mir bei Instagram unter @sailingyumyum. Findest Du unser Projekt grossartig und möchtest uns unterstützen? Dann darfst Du gerne hier weiter klicken.

  • Als Hurrikan Maria die Insel Dominica verwüstete

    Im September 2017 verwüstete Hurrikan Maria (Kategorie 5 und somit höchste Hurrikan-Stufe) die karibische Insel Dominica. Rund 90% der Häuser sowie ein Grossteil der Vegetation wurden zerstört! Meine Mitseglerin Kathrin war kurze Zeit nach dem Hurrikan in Dominica. Mit selbst gesammelten Spenden von inzwischen rund CHF 23’000 baute die Crew des Hilfstörns vor allem Häuser und Dächer und unterstützte einige Familien. Sie versprachen den Dominicanern und den Spendern, nach einem Jahr zurückzukehren. Am 7. Februar 2019 war es dann soweit: Die Crew, bestehend aus Kathrin, Bente, Cyrille und Mirko, brach von Le Marin/Martinique nach Dominica auf. Im Gepäck waren wiederum einige Spenden, Kinderspielsachen sowie Nahrungsmittel. Zunächst wurde der Süden der Insel Dominica angesteuert. Bereits einige Meilen vor der Küste erkannte Kathrin die Unterschiede zu damals. Die Insel sah bereits aus der Ferne viel grüner und „gesünder“ aus. Dank einer Sonderbewilligung durften wir in der Bucht des Nationalparks vor dem Dorf Soufrière an einer einheimischen Boje festmachen. Kaum angekommen, ging es dann mit dem Dinghi (kleines Schlauchboot), welches langsam aber sicher ausgedient hat, weil es ständig Luft verliert, an Land. Unter anderem wurde Peter, der einst bei einem Arbeitsunfall seine Unterarme verloren hatte, besucht. Peter baut sein eigenes Haus allein wieder auf. Es war eindrücklich zu sehen, wie er dies trotz seines Handicaps meistert. Da er praktisch keine fremde Hilfe annimmt, befindet sich das Haus jedoch noch im Rohbau, ganz nach dem Motto „Swiss people have Rolex, we have time“. Anschliessend wurden wir von Corally und Chop – die beiden wurden damals auch mit Schweizer Spenden unterstützt – empfangen und mit einheimischen Leckereien verpflegt. Unsere beiden Frauen wurden sogar noch mit selbstgemachten Handtaschen beschenkt. Kurz vor dem Sonnenuntergang fuhren wir mit unserem Fahrer Louis ins abgelegene Dorf Galion und überreichten den Kindern einige von unseren mitgebrachten Spielzeugen. Am nächsten Tag besuchten wir die vierjährige Ishima, welche sich jedoch nach unserem Erscheinen verkroch, und überreichten der Mutter die Spende, welche für die kommenden Schulgebühren und Schulmaterial verwendet werden soll. Ebenfalls unterstützten wir einen im Dschungel lebenden, blinden Einwohner mit der Bezahlung einer Kochplatte. Den Tag liessen wir anschliessend bei Bevin – er baut im Zentrum von Soufrière ein Resort – mit Speis und Trank ausklingen. Als wir spätabends auf der Yum Yum eintrafen, mussten wir leider feststellen, dass ins Boot eingebrochen worden war. Mit einem Stahleisen war eine Luke aufgebrochen worden. Der Sachschaden sowie auch die gestohlenen Gegenstände halten sich zum Glück im Rahmen, mühsam und unnötig ist es trotzdem. Am nächsten Tag haben wir somit auch noch mit der Polizei Bekanntschaft gemacht, auf den Polizeirapport warten wir jedoch noch heute. Weiter ging es daraufhin nach Portsmouth in den Norden der Insel. Hier wurden wir von Lise, Hotelbesitzerin und Mitglied des Rotary Clubs of Portsmouth, willkommen geheissen. Sie zeigte uns zunächst ein neues Projekt: In einem Plastik-Recycling-Center werden aus Plastikflaschendeckeln Schmuck oder einfache Gebrauchsgegenstände hergestellt. Anschliessend besuchten wir die Primarschule von Dublanc/Bioche und wurden von 36 Primarschülern herzlich empfangen. Seit Hurrikan Maria hat die Schule kein Dach mehr über der Kantine. Ebenfalls wurde das Gewächshaus, in dem die Schüler vor dem Hurrikan Gemüse für den Eigengebrauch angebaut hatten, komplett zerstört. Dank der mitgebrachten Spenden können nun Dach und Gewächshaus repariert werden! Nach dem emotionalen Tag genossen wir den Abend am Pool und die Pizza im Hotel von Lise und Hans. Am nächsten Tag erkundigten wir mit einem Einheimischen per Holzboot den Indian River. Hier wurde einen Teil des Films „Pirates of the Caribbean“ gedreht. Auf dem Rückweg zur Yum Yum konnten wir in letzter Sekunde ein Boot vor dem Crash mit einem Tanker retten. Aufgrund heftiger Winde hatte sich die Boje losgerissen und das Boot trieb besatzungslos ab. Am Abend kamen wir dann noch in den Genuss des Karnevals von Portsmouth. Mit dröhnender Musik und mit für unsere Verhältnisse sexistischen Tänzen wurde bis weit in die Nacht gefeiert. Nach diesen erlebnisreichen Tagen ging es dann eine Insel weiter nach Guadeloupe, wo wir uns zurzeit befinden. Hiermit möchte ich einen herzlichen Dank an Kathrin aussprechen und mich bedanken, dass die Crew der Yum Yum diese Erlebnisse erleben durfte! Weitere Informationen und Berichte über die Spendenaktion von Kathrin findet ihr hier; Bericht aus WaveTravel und Artikel im Zürcher Unterländer Spendeninteressenten für das Projekt von Kathrin können sich direkt bei Mirko melden.

  • Von der einsamen Insel bis zur Großstadt

    Vier Monate Karibik und neun Wochen ABC Inseln Es sind bereits wieder mehr als sechs Monate vergangen seit dem letzten Newsletter. Nicht, dass in dieser Zeit nichts Spannendes geschehen ist, ganz im Gegenteil. Dadurch blieb auch immer weig Zeit, all die Eindrücke in Worte zu fassen. Nach der intensiven und erlebnisreicher Zeit auf Dominica, ging es weiter die Leeward Inseln der Karibik hoch. Mit unterschiedlicher Crew genossen wir die Zeit auf Guadeloupe, Antiqua und Barbuda. Letztere Insel ist von der Ferne kaum zu erkennen, denn sie ist sehr flach und besteht auf der einen Seite nur aus Sand. Nachdem wir uns durch das Riff manövrierten, dank guter Karte und Ausguck, fiel der Anker auf einer Tiefe von vier Meter im herrlichen türkisfarbigen Wasser. Die nächsten Tage verbrachten wir also mit Schnorcheln, sonnen baden und der erfolglosen Jagd nach Lobstern, die sich gekonnt unter irgendwelchen Steinen und Felsen vor uns versteckten. An einem Tag machten wir einen Ausflug in die Stadt Carlington. Dieser war schockierend für uns. Gefühlt 80% der Häuser sind weiterhin zerstört vom Hurrikan Irma, welcher hier im November 2017 wütete. Teilweise sieht man Häuser, die während des Sturmes blitzartig verlassen wurden, die Kleider im Kleiderschrank hängen weiterhin da und Kinderspielzeuge liegen im Wohnzimmer oder im Vorgarten herum. Einige auf der Insel Gebliebene erzählten uns, dass die Einheimischen vom Hurrikan geflüchtet sind und nie wieder zurückgekehrt sind. Barbuda, welche mit Antiqua zusamnen einen Staat bildet, hatte praktisch keine Unterstützung zum Wiederaufbau erhalten. Für uns war es das ein sehr trister Anblick und ich schätze wiedereinmal, wie gut es uns in Europa doch geht. Mit Jan aus Bern und Cyrille aus Zürich ging es dann über St. Barth nach Sint Maarten (Niederländisch) oder Saint Martin (französisch). Ja genau die beiden Länder teilen sich die 121 Quadratkilometer kleine Insel, wobei der französische Teil ein wenig größer ist. Beide Inseln waren für uns jedoch weniger spektakulär und boten für unsere Verhältnisse wenig. Sicherlich hätten wir in Designerläden unser Geld lassen können oder in einem der überteuerten Restaurants unser Geld verjubeln können. Wir aber suchten eher das unberührte und die Natur. Einziges Highlight auf Sint Maarten war der berühmte Flughafen, bei welchem man sich hinter die Start- und Landepiste stellen konnte um sich beim Start der Maschine den Sand in die Augen wehen zu lassen. Es war jedoch ganz witzig zu sehen und zu spüren was für eine Kraft ein Airbus 743 beim Start aufwenden muss, um die Tonnen ins Rollen zu bringen. Ein Selfie mit Airbus im Hintergrund konnte ich mir nicht entgehen lassen. Auf Instagram teile ich viele Fotos, schaut also gerne rein. Für uns gings dann jedoch wieder Richtung Süden über die unbekannten Inseln Sint Eustatius, St. Kitts und Navis und Montserrat. Inseln, die die Wenigsten von euch wohl jemals gehört haben (ging uns vorher auch so). Auf den Überfahren wurde fleissig gefischt, resp. teilweise auch nur der Köder gebadet. Geangelt haben wir ab und zu auch unseren eigenen Köder, da wir zwei Leinen nachgezogen hatten. Dann hiess es wieder eine Weile die Leinen entwirren. Aber auf einer Überfahrt hat man für so etwas ja genug Zeit, wenn der Autopilot brav seine Arbeit verrichtet. Wir waren dann aber dennoch erfolgreich und haben den einten oder anderen Fisch herausgezogen. Aber ein Mahi-Mahi wollte partout nicht an Bord kommen. Tiefpunkt war eines Morgens als wir in kürzester Zeit zwei Mahi-Mahi an der Angel hatten. Beim Ersten liess das Material nach, der Zweite ist zwei Meter vor dem Boot in die Freiheit geflüchtet. Die Stimmung war für einige Stunden etwas geknickt. Auf Montserrat, die Musikgruppe Beatles hatte hier einige Jahre ihren kreativen Urlaub verbracht, einige Songs sind wohl auch hier entstanden, ist uns einen riesigen Lobster vor die Flinte gekrabbelt. Cyrille hatte den im Sand krabbelnden Lobster, diese verstecken sich sonst geschickt hinter und unter den Steinen, mit der Harpune erlegt. Das Festmahl konnte beginnen. Auf den weniger touristischen Inseln genossen wir die Natur und waren viel zu Fuss unterwegs. Wir liessen es jedoch nicht aus auch einmal per Anhalter unser Ziel zu erreichen. Auf Dominica schafften wir es sechs Mal am gleichen Tag eine Mitfahrgelegenheit zu erhalten. Die Menschen auf Dominica waren wirklich immer sehr herzlich zu uns. In jedem Land muss einerseits das Boot einklariert werden, anderseits die Crew. Das gleiche Prozedere dann wieder beim Ausklarieren. Je nach Land muss man zuerst zu Customs und anschliessend zur Immigration. Teilweise gibt es noch eine Health Abteilung. Zu einfach wäre es ja wenn alle Büros die gleichen Öffnungszeiten hätten und am gleichen Ort wären. Das ganze Prozedere kann somit mehrere Stunden dauern wie bei uns beim Ausklarieren auf Navis. Zuerst war das Büro geschlossen obwohl es geöffnet haben sollte, da anscheinend die Dame welche Schicht hätte den Prinz in Empfang nehmen müsste. Zunächst wunderten wir uns, welchen Prinzen sie wohl meinte…. Nach einer halben Stunde kam die Dame ganz gemütlich hergelaufen und wir konnten unsere Pässe abstempeln lassen. Danach ging es eine Tür weiter um die notwendigen Papiere abzuholen. Naja ein Lächeln konnte ich der Dame abverlangen als ich meinte, sie könne ja mit dem Prinzen essen gehen. Die Freundlichkeit der Offiziellen ist je nach Land, Wochentag, Tageszeit und wohl auch der Mondphase ganz unterschiedlich. Das Arbeiten hat aber bis jetzt keiner erfunden. Nachdem wir alle Papiere zusammen hatten gingen wir zu den anstehenden Festlichkeite, welche ja anscheinend für den Prinzen vorbereitet wurden. Wir schauten dann schon sehr blöd rein als dann tatsächlich Prinz Charles und Camilla auftauchten und nicht irgendein wischiwaschi Prinz. Wir dürften sogar den beiden die Hände schütteln und zwei Sätze austauschen. Wir haben zu dritt die Natur in vollen Zügen genossen und sind auch viel gewandert. Soweit ich mich erinnern kann haben wir keinen Vulkan in dieser Gegend ausgelassen. Mit unserem festen Schuhwerk aka Flip Flops sind wir die Berge hoch- und runtergerannt. Wir waren meistens schneller und flinkiger unterwegs als alle anderen Touristen mit festem Schuhwerk. Nur einmal passierte mir ein Malheur, und zwar auf Dominica. Wir liefen durch Matsch, Schlamm und Gestrüpp zu einem Wasserfall der auf unserer Karte von maps.me eingetragen war. Silvana wollte bereits kurz nachdem der offizielle Pfad endete umdrehen, hat aber dann tapfer durchgehalten (ich glaub sie verfluchte uns an diesem Tag). Auf dem Rückweg mussten wir einen relativ steilen Hang wieder hochklettern. Bei einem grösseren Felsvorsprung rutschte ich mit der Hand ab, in der Folge verlor ich das Gleichgewicht und fiel rückwärts runter. Nach zwei Meter verfing sich zum Glück mein rechtes Bein in einem Baum und ich blieb hängen. Silvana, welche hinter mir lief, hatte sicherlich den Schock ihres Urlaubes. Dies bestätigte dann auch ihre Pulsuhr, welche den höchsten Wert der beiden Urlaubswochen verzeichnete. Ein bisschen verwirrt und unter Schock kletterte ich die Böschung wieder hoch und lief weiter. Hatte jedoch dann die nächsten zwei Wochen schon bisschen Nackenschmerzen. Mit Sophia und Patricia, welche bereits im Mittelmeer an Bord waren, ging es von Martinique Richtung Süden. Patricia nahm zur Verstärkung ihren Freund Bene mit, der durch etliche Verspätung von der innerkaribischen Airline Liat, erst mit einem Tag Verspätung eintraf. Über St. Lucia, St. Vincente und die Grenadinen ging es nach Grenada. In den Tobago Cays, Insel Archipel in St. Vincente und der Inbegriff der Karibik (Postkartenartiger Sandstrand und Palmen), liessen wir die Seele baumeln. Das neu gesponserte SUP (herzlichen Dank dafür) wurde ausgepackt und es wurde fleissig gegen Wind und Welle gepaddelt. Es wurde geschnorchelt, Fische und Rochen bestaunt, fleissig Sundowner getrunken oder einfach die Atmosphäre genossen. Ein Highlight war bestimmt auch das Lagerfeuer welches wir am Strand entfachten (mit Holz welches ich seit Sardinien mit dabei hatte). Schlangenbrot und den selbst gekaufte Lobster schmeckten hervorragend! Vor dem grossen Crewwechsel auf Grenada konnten wir die bekannten Unterwasserskulpturen eines engländischen Künstlers bestaunen (seht die Bilder an) und eine Nutmeg (Muskatnuss) Farm besuchen. Zusammen mit Anja ging es dann auf die Erste der ABC Insel, nach 'B' Bonaire. Aufgrund der aktuellen politischen Lage haben wir auf einen Besuch des Inselarchipels Los Roques, welches zu Venezuela gehört, verzichtet und extra einen grösseren Bogen gesegelt. In den Nächten der dreitägigen Fahrt haben wir aufgrund der vorstehenden Problematik sogar auf die Positionslichter und AIS (Automatic Indification System) verzichtet. Ansonsten war die Überfahrt zu zweit sehr gemütlich, da der Wind schön von achterterlich (von hinten) kam. Die teilweise hohen Wellen haben uns zusätzlich in die richtige Richtung geschoben. Und tatsächlich haben wir den bis zum heutigen Tag letzten Fisch gefangen, ein Mahi-Mahi. Immer wieder ein Highlight ein solches Tier aus dem Wasser zu ziehen. Auf Bonaire blieben wir rund zwei Wochen und verbrachten die Zeit mit Schnorcheln (Bonaire gehört zu den Top Spots der Welt was das Tauchen angelangt), haben unsere ersten Kite Erfahrungen gesammelt, haben den überteuerten Nationalpark besucht und sind endlich mit anderen Fahrtenseglern in Kontakt gekommen. Etwas was ich bis zu diesem Zeitpunkt vermisst hatte. Bislang waren wir, sei es im Mittelmeer oder in der Karibik, immer umgeben von Wochenchartern, welche das Boot für eine oder zwei Wochen gechartert hatten. Diese waren unter sich und wollten nicht in ihrem Urlaub gestört werden. Ab Grenada sind keine Charterboote mehr in Sicht, die Anzahl der Boot hat sich sowieso drastisch verringert. Auf Bonaire wurden wir dann auch das erste mal sozial aktiv, soll nicht heissen dass wir bislang assozial unterwegs waren, nein wir haben uns einer Plastic Free Organisation angeschlossen und bei einem Beach Clean-up mitgeholfen. Innert einer Stunde wurden etliche Plastiksäcke (OK ist bisschen kontrovers bei einer Plastik Sammelaktion Plastiksäcke zu verwenden, aber es ist nun mal das Einfachste) gefüllt. Es ist erschreckend wieviel Plastikmüll angeschwemmt wird. Noch frustrierender war beim Berühren einiger Petflaschen, als diese in hundert kleine Teilchen verfielen. Dies zeigt leider wie lange der Müll bereits dort liegt und wie poröse das Plastik wird. Für uns war es die erste Erfahrung in diesem Bereich und zusätzlich eine gute Art um mit lokalen Menschen in Kontakt zu kommen. Und tatsächlich lernten wir das holländische (Bonaire gehört zu den Niederlanden) Pärchen Laura und Vessel kennen. Sie verbrachten einen herrlichen Abend bei uns an Bord mit Wein und Flammenkuchen, wir durften dann am nächsten Tag ihren Scooter ausleihen und Vessel zeigte uns eine eindrückliche Unterwassergrotte. Anschliessend ging es nach Curaçao. Weil wir gleichzeitig fasziniert und auch geschockt waren von der Plastikmüll Aktion auf Bonaire haben wir uns wiederum mit einer Wohltätigkeitsorganisation auf Curaçao in Verbindung gesetzt. So kam es, dass wir bereits am zweiten Tag um 0700, per Zufall auch von einem Deutschen, abgeholt wurden. Wir verstanden uns sehr gut mit Giacomo sowie mit Sabine, welche im gleichen Gebäude eine Seaturtel Conversation führte. Wir fühlten uns ebenfalls wohl und verbrachten einige Stunden und Tage bei ihnen. Entweder haben wir geholfen Pet Deckel zu sortieren, welche später dann einmal eingeschmolzen und verarbeitet werden oder wir lagen einfach in der Hängematte und quatschen. Auf Curacao fühlten wir uns wohl und einige Jahre jünger. So kam es, dass wir teilweise bis früh in die Morgenstunden das Tanzbein schwangen. Wir haben aber nicht nur Pet Deckel sortiert, sondern haben auch die Hauptstadt Willlemstad mit der bekannten Schwenkbrücke besichtigt, waren mit riesigen Schildkröten Schnorcheln und haben den Nationalpark erforscht. Nach vier Wochen, ich hätte mir vor meiner Abreise nie vorstellen können an einem Ort solange zu bleiben, aber Schwub war die Zeit im Fluge vorbeigegangen, ging es weiter zur letzten ABC Insel nach Aruba. Aruba diente uns nur als Zwischenstopp um ein geeignetes Wetterfester nach Kolumbien zu erwischen. Das Capo de la Vela in Kolumbien gehört zu den fünf berüchtigten Caps der Welt. Einerseits herrscht dort immer sehr viel Wind, anderseits türmen sich die Wellen auf. Zusammen mit der SY Limelight sind wir früh morgens gestartet und haben ein optimales Wetterfenster erwischt. Teilweise hatten wir sogar fast zu wenig Wind, die Wellen stiegen aber schon bis zu drei Meter hoch. Nach 253 Seemeilen sind wir praktisch zeitgleich mit der SY Limelight in Kolumbien angekommen. Hier werden wir nun ein Weilchen bleiben und mit dem Rucksack das Land erkunden.. Falls Du Lust hast, meine Reise regelmäßig zu verfolgen, folgt mir bei Instagram unter @sailingyumyum. Findest Du unser Projekt grossartig und möchtest uns unterstützen? Dann darfst Du gerne hier weiter klicken.

  • Finally arrived in Barbados!

    2218 Seemeilen, 368 Stunden oder 16 Tage, zu fünft los, zu viert angekommen. Nun aber der Reihe nach. Zwei Tage nach der Ankunft aus Deutschland klagte Florian über Unwohl sein. Durchfall und Fieber plagten ihn. Nach zwei Tagen haben wir ihn zum Arzt geschickt. Die Diagnose; Salmonellen Infekt! Somit verzögerte sich unser geplanter Start über den Atlantik um fünf weitere Tage. Am Donnerstag 13. Dezember 2018 um 10.45 wurden dann schliesslich die Leinen gelöst, schnell noch Diesel getankt und los ging es. Die ersten zwei Tagen auf See waren geprägt von drei bis vier Meter hohen Wellen von Achtern, der Speed mit 6.4kn im Schnitt entsprechend hoch. Am dritten Tag wurden die Wellen dann kleiner und der Wind drehte sich bereits in die richtige Richtung damit wir die Segelstellung auf Vorwindkurs, und somit als Schmetterling (Grosssegel auf der einen Seite, Genua/Vorsegel auf der andern Seite) unterwegs sein konnten. Leider informierte uns Florian über seinen zunehmend schlechteren Gesundheitszustand, welcher mit anhaltenden Kopfschmerzen und Stechen/Ziehen in der linken Brust bemerkbar machte. Nach dem Nachtessen wurden die verschiedenen Optionen diskutiert, eine Rückkehr nach Mindelo wurde in Betracht gezogen. So wurden kurzerhand die Segel geborgen und den Kurs wieder auf Mindelo geändert. Leider waren die Wellen sowie auch die Strömung derart gegen uns, dass wir nur rund 3kn Speed über Grund erreichten. Aufgrund des Dieselvorrates war eine erfolgreiche Rückkehr aussichtslos. Über das Satellitengerät Garmin wurde die Seenotrettung kontaktiert. Wir wurden angewiesen die Geschwindigkeit zu drosseln bis eine Lösung ausgearbeitet wurde. Am nächsten Tag hiess es zunächst, dass ein Helikopter kommen würde, nach ein paar Stunden wurde diese Lösung wieder storniert da wir bereits ausserhalb der Reichweite des Helikopters befanden. Am Ende des Tages wurden wir dann informiert, dass das Hospital Ship "Esperanza del Mar" den Kurs auf uns geändert hat. Da sich das Schiff rund 850sm weiter südlich befand betrug die Ankunftszeit 48 Stunden. Da sich Florian zunehmend besser fühlte haben wir die Rettungsaktion abgeblasen und die Fahrt Richtung Karibik wieder aufgenommen. Bereits am nächsten Tag wurden die Schmerzen bei Florian leider wieder unerträglicher, die Seenotrettung wurde zum zweiten Mal kontaktiert. Den ganzen Nachmittag war ich im Kontakt mit dem MRCC (Maritime Rescue Coordination Center) in Dakar und anschliessend mit dem MRCC in Fort de France. Uns wurden einige Schiffe in der Region angegeben, leider ohne genaue Koordinaten. Dennoch versuchte ich über mehrere Stunden die Schiffe über den Notfunkkanal 16 zu erreichen, leider ohne Erfolg. Am späteren Nachmittag wurden wir informiert, dass der Frachter AOM Aphrodite über 200 Meter lang, den Kurs auf uns geändert hat. Leider war dieser rund 270sm entfernt und wir wurden angewiesen auch unseren Kurs zu ändern. Der Meeting Point befand sich jedoch rund 70sm in der Richtung, in der wir gerade gekommen sind. Gezwungenermassen wurde der Kurs sowie auch die Segelstellung geändert. Fortan hiess es 20 Stunden auf Halbwindkurs gegen Wellen und Strömung anzukämpfen. Der vereinbarte Treffpunkt, welcher sich in der Mitte des Atlantiks befand, wurde rechtzeitig erreicht. Die Yum Yum sah neben dem Frachter winzig aus. Wer dachte ein Frachter in dieser Größe hätte ein Beiboot der liegt falsch. Ich musste die Yum Yum so nahe wie möglich parallel zum Frachter steuern, nicht zu Nahe nicht zu weit weg. Über Funk meinte der Kapitän „Don’t come to close, you can destroy your boat“ , ein entspanntes Manöver bei Wellengang sieht anders aus. Florian, sowie auch sein Gepäck, wurde an einem Seil befestigt und zunächst einige Meter durchs Wasser, dann die Bordwand hinaufgezogen. Florian ist mittlerweile in Brasilien angekommen und ist wieder Wohl auf. Die Yum Yum änderte anschliessend den Kurs wieder um 180 Grad, die Segel gesetzt und Kurs auf Barbados aufgenommen. In den folgenden Tagen wurde viel gekocht, gegessen, gekocht und wieder gegessen, Siesta gemacht, Bücher gelesen, das Leben genossen und Fische gefangen. Wobei letzteres sich schwieriger herausstellte als gedacht. Der Atlantik war über hunderte (!) von Kilometern von Algenteppichen verschmutzt. Dies hies für uns Angel raus, wieder rein, Köder von den Algen befreit, Angel wieder rein und dies einige Male am Tag. Die Arbeit wurde jedoch durch die beiden Mahi-Mahi, beide von einer Länge von einem Meter, belohnt. Am zweitletzten Tag fiel dann jedoch noch der Propeller des HydroCharger den Algen zum Opfer. Aufgrund der stabilen Wetterverhältnisse, jedoch teilweise schwächerer Wind als angenommen, wurde in der Nacht, jeweils auch unter dem neu reparierten Parasailor (Gennacker mit 140 Quadratmeter Fläche) nur eine Einzelwache geführt. Unter anderem bei Vollmond, prachtvollem Sternehimmel, unzähligen Sternschuppen oder bei funkelndem Plankton im Wasser vergingen die zwei Stunden Nachtwache jeweils im Fluge. Rund 20sm vor der Insel Barbados wurde früh morgens nach 16 Tagen erstmals wieder Land gesichtet. Nach über 368 Stunden wurde am 29. Dezember 2018 und rechtzeitig für Silvester der Anker vor Port St. Charles heruntergelassen. Nun geniessen wir das Leben an Land wieder bevor es in ein paar Tagen wieder weitergeht. Das Yum Yum Team wünscht allen ein gutes Neues Jahr! PS: Diejenigen welche unsere Reise mitverfolgt haben, haben eventuell bemerkt, dass das Tracking einige Tage nicht funktionierte. Die GPS Positionsdaten werden im Notfallmodus nur dem MRCC zur Verfügung gestellt.

  • Ready to cross the Atlantic?

    1 Segelboot, 5 Männer, 2083 Seemeilen, 14-17 Tage…Los gehts! Sieben Tage lang waren wir unterwegs vom Start in Fuerteventura, bis wir die Insel Do Sal auf den Kapverden erreichten. Doch die Überfahrt war geprägt von Höhen und Tiefen und unsere Crew musste einige Hindernisse bewältigen. Einerseits kämpften wir teilweise gegen fünf Meter hohe Wellen, welche zum Glück von hinten angebraust kamen, an anderen Tagen war es so windstill, dass wir mehrere Stunden motoren mussten. Anderseits genossen wir die Sonnen Auf- und Untergänge sowie die prachtvollen Sterne am lichterlosen Himmel, haben gut gekocht und einige Fische gefangen. Aber natürlich zerren lange Überfahrten an Material und auch am Menschen. Nicht nur hatten einige an Bord mit Seekrankheit zu kämpfen und Nachtwachen strengen doch ein wenig an - Meilen weit von der Küste der Westsahara entfernt, sprang der Motor mitten in der Nacht nicht mehr an. Stundenlang blätterten wir Handbücher durch, reinigten Dieselfilter, entlüfteten den Motor und nichts half. Um 5 Uhr morgens legten wir uns wieder schlafen. Zum Glück setzte der Wind wieder ein und der Motor wurde nicht mehr benötigt. Am nächsten Tag konnten wir das Problem dann lösen - den Pre-Dieselfilter, welcher unter der Koje verbaut wurde und komplett verschmutzt war, hatten wir übersehen. Einige Tage später mussten wir einen weiteren "Verlust" verzeichnen. Der neu angeschaffte Parasailor (Großsegel mit 140 Quadratmeter Fläche) hielt einer starken Böe und einer von hinten angebrausten Welle nicht stand und zerfetzte. Glücklicherweise habe ich hier in Mindelo jemanden gefunden, der ihn wieder zusammennäht. In Mindelo verbringen wir nun die letzten Tage mit Reparaturen, Instandstellungen und Wartungen am Boot sowie mit der Proviantierung für die lange Überfahrt Richtung Westen. Natürlich werden auch die sommerlichen Temperaturen mit über 28 Grad genossen und die eine oder andere Badepause eingelegt. Rechtzeitig zur Überfahrt habe ich auf der Webseite das „Live Tracking“ aufgeschalten und Du kannst meine Reise live mitverfolgen. Hier geht’s weiter. Nun wünschen wir euch eine frohe und stressfreie Weihnachtszeit.

  • Leinen Los! Die grosse Reise kann beginnen!

    Von Korfu/Griechenland nach Palermo/Italien Mit drei vollgepackten Taschen und jeder Menge Ausrüstung flog ich am 9. Juni 2018, mit drei Stunden Verspätung, vom Euro-Airport Basel nach Korfu/Griechenland, um mein Abenteuer zu beginnen. Zusammen mit Mama und Papa brachte ich das Schiff nochmals auf Vordermann. Das Arbeiten gestaltete sich teilweise schwieriger als angenommen. Wer hätte gedacht, dass die Griechen nur von neun bis drei Uhr Nachmittags arbeiten? Nach vier Wochen harter Arbeit, grossartigem Einsatz von Mama und Papa und einigen Schweissperlen später glänzte nicht nur das Boot praktisch wie neu sondern war auch technisch bereit für die grosse Reise. Auch hier nochmals einen Dank an Peter für deine wertvolle Hilfe und Tipps! Als Mama und Papa abgereist waren hiess es für mich Leinen los und das Abenteuer konnte beginnen. Die ersten Tage verbrachte ich noch alleine an Bord und gewöhnte mich einerseits ans einfache Leben an Bord, Dusche unter freiem Himmel, ständiges Schaukeln und sparsames Umgehen mit Wasser und Strom. Anderseits sammelte ich die ersten Erfahrungen als Solo Segler. Zum Beispiel wurde das Ankermanöver dank der GoPro wesentlich einfacher, die Ankerkette konnte somit live zu mir ans Steuer übertragen werden. Mitte Juli stiess Steffen aus Berlin dazu und die Reise konnte endlich so richtig beginnen. Die nächsten Tagen verbrachten wir in verschiedenen Buchten auf Corfu. Wir schnorchelten der Küste entlang und genossen das Leben an Bord. Dank Freunden von Steffen könnten wir Corfu nicht nur vom Wasser entdecken sondern fuhren mit ihrem Camper einen Tag über Stock und Stein. Zwischendurch bekam ich noch Besuch von Alain, einem meiner besten Freunde, und seinem Sohn für eine Woche. Wir fuhren weiter in den Süden und besuchten weitere Grotten auf Paxos und Antipaxos. Nachdem uns die beiden wieder verlassen hatten ging es anschliessend bereits Richtung Italien. Das Boot stopften wir voll mit Proviant, füllten die Tanks und bereiteten uns vor für den ersten längeren Schlag. Mit dem Sonnenaufgang lichteten wir den Anker und schipperten mit teilweise 8 Knoten Fahrt Richtung Land der Pizza und Pasta. Bei ruhiger See, keinem Land in Sicht und natürlich auch keinem Handy Empfang konnte man die Ruhe und das Wasser in vollen Zügen geniessen. Da wir nur zu zweit waren teilten wir uns die Nacht in drei Stunden Schichten ein. Wider Erwartens vergingen die Schichten im Fluge und waren weniger einsam und langweilig als gedacht. Nach 170 Meilen und 35 Stunden später erreichten wir dann Bella Italia in der Marina von Rocella Ionica. Nach Prüfen der Wettervorhersage entschieden wir uns bereits am nächsten Tag den nächsten Nachtschlag in Angriff zu nehmen. Nach einer misch-masch Diskussion aus Italienisch und Englisch mit dem Hafenmeister bekamen wir schlussendlich das Geld für unseren bereits bezahlten Nachtplatz wieder zurückerstattet. Wir warteten kurz das Gewitter ab und liefen spät Nachmittags aus Richtung Sizilien. Nach einer Flautephase setzen der Wind ein und um nachts um eins hatten wir plötzlich bis zu 23 Knoten Wind. Die Rettungswesten wurden das erste Mal aus der Koje geholt und angezogen, das erste Reff im Gross gesetzt und die Genua eingezogen. Trotzdem machten wir noch bis zu 6 Knoten Fahrt. Entspannte Nachtschichten sind was anderes… Am 2. August kaperten vier weitere Deutsche in Riposto mein Schiff :-). Nach Grosseinkauf mit 150L Wasser, unzähligen Pestodosen, Tetrapack Weisswein und neuen Trinkbecher ging es Richtung Liparische Inseln. Die Strasse von Messina war weit aus weniger spektakulär als gedacht, und auch die Sizilianische Ostküste war weniger berauschend. Der erste Stopp auf den Liparischen Inseln war Volcano, eine Insel mit einem noch aktiven Schwefelvulkan, der uns durch seinen strengen Geruch in der Luft und im Wasser die selbst gekochte Pasta verdarb. Am nächsten Tag ging es trotz Schwelfelgeruch und erdrückender Hitze hoch zum Krater des Vulkans. Den stinkenden Sand hatten wir noch die nächsten drei Tage mit an Bord…aber es hat sich gelohnt. Die Stimmung so nahe am Krater zu sein sowie die Mondlandschaft war eindrücklich. Bei leichtem Wind schipperten wir weiter zur Insel Stromboli, die Insel mit dem aktiven Vulkan. Leider wurde uns an diesem Tag der Badespass durch eine Feuerqualle, anschliessend „Berta the bitch“ genannt, verdorben. Die Qualle hinterliess bei Sophia eine gröbere Verbrennung am Rücken, welche noch bis heute ersichtlich ist. Ab sofort wurde vor dem ersten Sprung ins Meer die Quallenwache eingeführt. Kurz vor dem Sonnenuntergang nahmen wir dann den Anstieg auf den Vulkan in Angriff. Nach einer gemütlichen Wanderung konnten wir im Dunkeln das eindrückliche Schauspiel des sprühenden Vulkan von nächster Nähe erleben. Immer wieder eindrücklich was die Natur so zu bieten hat! Einige gemütliche Ankerdrinks und Sundowners später verliessen uns Verena uns Maze bereits wieder nach zehn Tagen in Lipari. Zu viert ging es weiter Richtung Alicudi und Filicudi. Leider entschieden wir uns auf halber Strecke, aufgrund des schwachen Windes, die beiden Inseln nicht anzusteuern und direkt an Festland zu fahren. Als wir dann endlich ankamen, wurde der starke Schwell am Ankerplatz allerdings so ungemütlich, dass wir kurzerhand um zehn Uhr abends den Anker nochmals hochzogen und ihn hinter der Hafenkaimauer vor dem Hafen nochmals gesetzt hatten. Am nächsten Tag um 0800 wurden wird dann vom Hafenmeister freundlich gebeten uns zu versetzen oder in den Hafen zu begeben. Da wir für ein paar Stunden nicht in den Hafen wollten, segelten wir weiter. Als geeignete nächste Bucht, die uns diesmal mehr Schutz in der Nacht bieten sollte, steuerten wir eine schöne kleine Bucht vor Cefalu an. Durch den Frischwasserzufluss vom anliegenden Berg war das Wasser ganz recht erfrischend mit 24 Grad - während wir vorher im 28 Grad warmen Wasser oft vergeblich unsere Erfrischung suchten. In der malerischen Touristenhochburg Cefalu fanden wir uns schnell zurecht. Die Mädels gingen Shoppen, die Jungs genossen den Nachmittag mit einem Caffe Freddo. Den Abend liessen wir ausklingen bei Aperol Spritz und einer tollen gemischten Antipasti Platte an Board. Am 14. August langen wir mit rund 40 anderen kleinen Motor- und Gummibooten in einer Bucht kurz vor Palermo. Gefühlt von jedem Boot drang ohrenbetäubende Musik zu uns herüber. Kurz vor Sonnenuntergang verschwanden jedoch wie üblich die Motor- und Gummiboote aus der Bucht und wir lagen praktisch alleine vor Anker. Als wir im Dunkeln einige Lagerfeuer am Strand sahen, entschlossen wir uns ohne Abendessen jedoch mit einer Weinflasche unter dem Arm ans Festland zu fahren, um dort den Abend ausklingen zu lassen. Zu unserer Überraschung wurden wir am Strand von unzähligen Campierenden, im Wasser spielenden und schwimmenden Kindern überrascht. Wir hatten ganz vergessen, dass es der Abend vor Ferragosto war, der Ferienbeginn der Italiener. Der knurrende Magen zog uns weiter, die Musik in der Ferne leitete uns über die Strasse, den Berg hinauf bis zum Campingplatz. Der DJ versuchte verzweifelt die Party zu starten und die Leute zu animieren. Ausser ein paar Kindern und uns war jedoch keiner zu sehen. Mit einem italienischem Sommerhit kamen dann urplötzlich die Menschen aus allen Richtungen und füllten die Tanzfläche. Mit Schrecken mussten wir feststellen, dass die Italiener für jeden Song einen eigenen Tanz haben. Wir, in der letzen Reihe, versuchten ziemlich verzweifelt den Schritten zu folgen. Kaum hatte man die Schritte einigermassen drauf kam bereits der nächste Song und somit ein neuer Tanz. Leider haben wir nicht damit gerechnet, dass man sich 180 Grad dreht und wir somit in der ersten Reihe standen und alle Augen auf gerichtet waren. Nach zwei Stunden Tanz waren wir völlig erschöpft und konnten nicht fassen, dass es erst halb elf war. Wir belohnten uns für unsere planlosen Tanzbewegungen anschliessend mit einer leckeren Pizza. Am nächsten Morgen ging es dann das erste Mal seit 14 Tagen wieder in eine Marina um Wasser und Strom zu bunkern. Die Marina von Palermo City war unspektakulär und die lang ersehnte Dusche weniger reizvoller als gedacht. Patricia und Steffen verliessen uns wieder Richtung Deutschland und am nächsten Tag kam die neue Crew an Bord.

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