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Die nervenaufregende Überfahrt nach Fiji


Eins vorweg: Wir sind alle heil nach knapp 12 Tagen Überfahrt in Fiji angekommen, die Ereignisse haben sich jedoch überschlagen. Aber nun der Reihe nach.


Einen Tag nach meinem vierjährigen Jubiläum ging es zu viert auf die 12 bis 14 tägige Überfahrt von Maupiti, Französisch Polynesien nach Savusavu, Fiji. Dieses mal mit an Bord waren zwei Jungs (23jr. und 25jr) und eine 48jährige, alle ohne Segel Erfahrung. Braucht es eigentlich auch nicht zwingend, weil ich grundsätzlich das Boot alleine manövrieren kann, aber allein sein ist auch öde. Das Nötigste und Wichtigste erkläre in jeweils "on the job" und bei Interesse auch gerne mehr.


Bei herrlichen Segelbedigungen ging es dann am Freitag 10. Juni 2022 los, wir hatten gute Winde und haben sogar den Parasailor (140qm grosser Genaker) gesetzt. Jedoch bereits am nächsten Morgen erwarteten uns relativ grosse Wellen, über Stunden starke Winde von 25 Knoten und mehr sowie bedeckter Himmel mit einigen durchziehenden Squalls (Regenschauer der meistens 10 bis 30 Minuten anhält und noch mehr Wind mitbringt). Da jedoch der Kurs vor dem Wind lag war dies gut handelbar. In der Nacht hatte ich bereits bemerkt, dass der Batterie Monitor, (zur Überwachung der verwendeter Leistung und Spannung der Batterie) ausgestiegen war, nicht weiter schlimm (jedoch gleich bisschen komisch), da ich die Spannung der Batterie am Laderegler der Solaranlage überprüfen kann. Dies geschieht heutzutage alles über eine App. Im Vergleich zu anderen Nachtfahrten sank jedoch die Spannung bereits in der ersten Nacht relativ weit. Ich begründete mir dies mit der häufigen Verwendung des Radars in der Nacht (zum lokalisieren der Regenschauer), dem bedeckten Wetter tagsüber und dem niedrigen Sonnenstand, da im Südpazifik der Winter begonnen hat.


Am zweiten Tag kurz vor Sonnenuntergang erlischt dann der Kartenplotter und der Autopilot steigt aus - Päng! Vortan steht jemand am Steuer und steuert die Yum Yum nach Kompasskurs. Für diejenigen die nicht segelafin sind, ist anzumerken, dass der Autopilot zu 99% die Arbeit übernimmt und dies auch besser tut als jeder Mensch. Leider hat dies auch seine Tücken. Ich bemerke, dass irgend etwas an Bord unglaublich viel Strom zieht, dies erklärt auch meine Sorge, weshalb die Spannung der Batterie so tief war. Ich renne runter in den Saloon, schalte alles aus, was ich ausschalten kann. Nun ist es dunkel auf der Yum Yum, da die Sonne ist bereits untergegangen ist und das "try and error" Verfahren beginnt… Kühlschränke geprüft, da ein Schalter ein und wieder aus…. Wir finden rasch heraus, dass ein Gerät im Bund der Navigation die Ursache sein muss, aber was nur? Der Plotter und Autopilot sind ja bereits aus, da bleiben nur noch die Windanzeige und den Tiefenmesser übrig. Ich begreife es nicht, zerschlage mir den Kopf. Ich beschliesse mir den Autopiloten und den Plotter genauer anzuschauen und begebe mich in die Backkiste, kopfüber. Es schaukelt, ich schraube dieses und jenes Kabel weg und ziehe an eingen Steckern. Wir finden ein Kabel welches – obwohl es ins nirgendwo führt - jedoch extrem viel Strom zieht. Wir hängen es ab und alles läuft wieder einwandfrei. (bis zum jetzigen Zeitpunkt habe ich noch nicht herausgefunden was es für ein Kabel ist, Projekt für die kommenden Tagen). Was hatte da wohl der Voreigner gebastelt? Ich malte mir innerlich bereits aus, die nächsten 10 Tage von Hand zu steuern. Nochmals Glück gehabt, und dies bereits am zweiten Tag der Überfahrt. Stress pur!


Den nächste Tag verbringen wir mit herrlichen Genaker segeln, sehen seit drei Tagen ein anderes Segel Schiff (das einzige Schiff auf der Überfahrt) und quatschen über Funk rasch miteinander. Für die Nacht bergen wir den Genaker und baumen die Genua aus (bekannt auch unter Schmetterling oder Wing on Wind segeln) dabei wird das Grosssegel auf eine Seite gestellt und das Vorsegel auf die andere. Damit das Vorsegel eine gewisse Stabilität erhält, verwendet man den Spinakerbaum.


Die Nacht ist friedlich und wir machen Dank starkem Wind gut Distanz wie in den Vortragen. Ein schöner Sonnenaufgang empfängt mich am nächsten Morgen, die Welt scheint so friedlich zu sein, fernab von jeglicher Zivilisation, bis die Yum Yum eine Welle herunter surft wie sie in den letzten Tagen so oft und souverän getan hat. Dieses mal jedoch dreht die Yum Yum nach Steuerbord ab, beschleunigt und stellt sich praktisch in den Wind. Päng! Ein lauter Knall ertönt, es ist mir schnell bewusst, dass der Spinakerbaum gebrochen ist. Wie ein gebrochener Zahnstocher liegt er da, zusätzlich mit zwei zerstörten Luken. Als ich am Vordeck stehe und mir diese Miserise anschaue, bemerke ich jedoch innerhalb von Sekunden, dass die Yum Yum äussert nervös und unkontrolliert steuert. Ich haste an den Steuerstand und drück auf Taste "Standby" und übernehme das Steuer und die Kontrolle. Der Schock sitzt tief. Als ich von Hand steuere bemerke ich, dass sich die Anzeige auf dem Display, wie das Steuer steht, nicht mehr bewegt, obwohl ich das Steuerrad bewege. Die Anzeige bleibt vier Striche auf Backbord stehen. Ich drücke auf den Knopf "Auto" und der Autopilot steuert unverzüglich nach Steuerbord, schnell drücke ich wieder auf Standby und übernehme ich Kontrolle. Das versuchte ich noch einige Male, jedoch mit dem gleichen Ergebnis. Aus diesem Grund ist wohl die Yum Yum auch nach Steuerbord ausgebrochen. Ich stehe konstaniert am Steuer, tausend Sachen gehen mir durch den Kopf, wie z. B. acht Tage von Hand Steuern, Emergency Stop auf den immer noch gesperrten Samoa Inseln, wem an Bord kann ich steuern lassen, wie viele Stunden pro Tag kann ich selber steuern? In diesen Situationen sehne ich mich wieder an einen normalen Bürojob und nerve mich, dass es sich schon wieder um den Autopiloten handelt.


Links; Die Genua wird mit dem Spinakerbaum ausgebaumt, leider ist die Genau auf dem Bild nicht ersichtlich.

Rechts; Wie ein Zahnstocher liegt er da


Ich steuere noch ein Weilchen von Hand bis ich mir wieder klare Gedanken machen kann, stehe da, schaue in die Ferne, keiner sagt ein Wort an Bord, nur die Wellen rauschen.


Ich begebe mich wieder in die Backkiste zur Steuereinheit des Autopiloten und hänge die Ruder Referenz ab. Von nun an funktioniert der Autopilot wieder jedoch so schlecht wie ein besoffener Autofahrer. Die Wellen sind einfach zu hoch, um genau zu steuern ohne die Rückmeldung der Ruder Referenz. So kann das nicht weiter gehen. Als ich wieder aus der Backkiste steige, surrt auf einmal eine Angelroute, auch das noch! Jetzt Fischen wir seit vier Tagen erfolglos und im dümmsten Zeitpunkt beisst einer an, nein Sekunden später surrt auch die zweite Route. Wir holen zwei 70cm grosse Yellowfin Tunas raus.


Meine Gedanken kreisen weiterhin im Nirgendwo herum, bis mir in Sinn kommt, dass ich meine alte und aussortierte "kaputte" Steuereinheit vom Autopiloten (vielleicht können sich noch einige an den Bericht der Überfahrt von Ecuador nach Gambier erinnern) noch an Bord habe, auch nur, weil ich diese noch nicht an Raymarine zurück gesendet habe. Ich räume Kiste für Kiste weg, hole das bereits verstaubt Teil heraus und meine Mitsegler bauen dies ein, während ich wieder am Steuer stehe. Wir schalten die Navigationsgeräte wieder ein und siehe da, der Autopilot steuert wieder, was für ein Wunder, das soll mal jemand verstehen?!


Nach dem vierten Tag ist zum Glück nichts mehr so interessantes geschehen und der Rest der Reise ist nun schnell erzählt. Wir kochen, essen, schlafen und hoffen der Autopilot steuert noch lange weiter.


Leider hatten wir dann doch noch drei Tage mit 3-4 Meter Wellen, Kreuzsee und 25+Knoten Wind über Tage. So fühlt es sich an in einer Waschmaschine zu Segeln, entspannt ist anders!


Auch diese Tage waren sehr Kräfte zerrend für mich und wohl einige schlimmsten der letzten vier Jahre auf See, zumal über so eine lange Dauer. Die Flut war anscheinend so hoch, dass es in Fiji eine Eilmeldung von Überflutungsgefahr gab.


Auch wenn wir fortan ohne Spinakerbaum segeln mussten und teilweise nur mit dem Grosssegel oder nur mit der Genua gesegelt sind, sind wir nach genau 286 Stunden oder 1'705 Seemeilen oder knappe 12 Tagen überglücklich in Fiji angekommen.


Ein Novum gabs dann doch noch, die GPS Position ist kurz vor dem Ziel das erste Mal seit dem Mittelmeer wieder von West auf Ost gesprungen. Befinde ich mich jetzt auf dem Rückweg?


Nun heisst es, sich von den Strapazen und von einer bisher unverhofft schwierigsten Überfahrt zu erholen und endlich wieder mal das Leben zu geniessen.


Wie soll es nun weiter gehen? Vertraue ich dem alten neuauferstanden Autopiloten? Suche ich nochmals nach einem Second- hand Modell, weil dieser nicht mehr produziert wird? Schaffe ich mir einen Neueren an? Das würde bedeuten, ich müsste sämtliche Navigationsinstrument ersetzen und das geht hoch in den vierstelligen Bereich.


Wir werdens erleben.


Au-revoir Polynesie, Bula Fiji!

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