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Im Land der aufgehenden Sonne

Autorenbild: Daniela
Daniela
vor 3 Tagen
5 Min. Lesezeit


Japan - 11. April bis 23. Juli 2026 - Teil 1

Ja, ich weiß … Seit dem letzten Blogpost ist eine klitzekleine Weile vergangen. Na gut, vielleicht auch ein wenig länger. Ihr fragt euch bestimmt, was wir in den letzten Monaten getrieben haben. Hauptsächlich waren wir – ihr glaubt es nicht – segeln. Außerdem haben wir ein- und ausklariert, Neues erkundet, andere Kulturen kennengelernt, spannende Menschen getroffen, verschiedenste Speisen probiert und neue Sprachen gelernt (naja, zumindest probiert). Und natürlich haben wir geschraubt, geputzt, repariert, gearbeitet und geschlafen - und das Ganze immer wieder von vorn. Ach ja, Heimaturlaub haben wir auch noch gemacht. Eben all die Sachen, die man in sechs Monaten so macht. Aber fangen wir mal vorne an. 


Am 1. März 2026 verließen wir Mikronesien. Vor uns lagen 350 Seemeilen auf Kurs 0° Richtung Norden bis zu unserem nächsten Ziel: Guam. Dafür mussten wir über den Marianengraben segeln – den tiefsten bekannten Meeresgraben der Welt. Während Mirko sich dabei auf die horizontalen Seemeilen vor uns konzentrierte, dachte ich über die vertikalen nach, die direkt unter uns lagen: und zwar waren das etwa 6 Seemeilen, das sind sagenhafte 11 Kilometer Wasser! Was sich wohl in diesen Wassermassen verbirgt? 


Guam war für uns vor allem als Zwischenstopp auf dem Weg von Mikronesien nach Japan gedacht. Richtig gehört: Unser nächstes großes Abenteuer sollte Japan sein – das Land der aufgehenden Sonne! Mirko und ich entschieden uns bewusst gegen den „normalen“ Kurs, der die meisten Segler weiter auf die Philippinen oder nach Indonesien führt. Stattdessen wollten wir noch eine große Extrarunde durch den Pazifik drehen. 


Von Guam selbst gibt es nicht allzu viel zu erzählen. Das US-Außengebiet wirkt auf der Karte zwar klein, spielt für das US-Militär aber eine wichtige Rolle: Rund 30 Prozent der Landfläche werden militärisch genutzt. Für Segler gab es nur einen Anker- beziehungsweise Mooringplatz, an dem zahlreiche Wracks vom letzten großen Taifun lagen. Zweimal täglich wehte die amerikanische Hymne von der nahe gelegenen Navy Base bis zur Yum Yum herüber. Wir lernten ein paar nette Leute kennen, die uns mit Tipps für Restaurants, Sehenswürdigkeiten und Wanderungen versorgten und uns sogar eines Abends zu einem japanischen BBQ bei sich zu Hause einluden. So bekamen wir einen kleinen Einblick ins (sehr amerikanische) Leben auf Guam, verspeisten ein paar fettige, aber überaus leckere Burger und fanden zwischen den ganzen Siedlungen auch eine kleine Bucht, in der wir bei mehr oder weniger erfolgreichen Angelversuchen mit Schnur und Haken ein wenig abschalten konnten.


Tipp: Fotos antippen, um sie zu vergrößern 🔍

  • Die "Spezialität" in Guam: Smashed Burger & Fries
  • Ein konfisziertes japanisches Uboot zum Anfassen.
  • Verstecktes Paradies in Guam: Cetty Bay

Nach drei Wochen kam dann endlich das lang ersehnte Wetterfenster, das uns die Überfahrt nach Japan ermöglichte. Wir waren neun Tage und rund 1.200 Seemeilen unterwegs, als uns am Abend des letzten Tages plötzlich ein für uns mittlerweile völlig ungewohntes und überwältigendes Lichtermeer am Horizont empfing. Yonabaru, südlich von Naha, der Hauptstadt Okinawas, schien seine blinkenden und strahlenden Arme in alle Himmelsrichtungen auszustrecken. Irgendwo dazwischen lag die Marina: unser erster Anlaufpunkt in diesem unbekannten neuen Land. Nach einer so langen Zeit im Südpazifik mit seinen kleinen, spärlich bewohnten Inselchen waren wir so viel menschliches Leben auf einem Fleck gar nicht mehr gewohnt.


Noch vor der Hafeneinfahrt entdeckte uns die japanische Küstenwache auf dem AIS und stellte uns über Funk mindestens 30 Fragen – auf gebrochenem Englisch. Dabei wussten die Behörden längst von unserer Ankunft: Wir hatten uns rechtzeitig bei rund zehn Stellen angemeldet. Nach der „Island Time“ mussten wir uns erst daran gewöhnen, wie genau die Japaner es mit der Bürokratie nehmen. Doch so genau, wie sie es mit Formularen und Abläufen nahmen, so fürsorglich kümmerten sie sich auch um uns: Der Beamte wünschte uns über Funk eine gute Nacht und bat uns gleich mehrmals, vorsichtig zu sein. Es sei dunkel und das Wasser in der Bucht seicht. Wir bedankten uns und mussten gleichzeitig schmunzeln, denn dort ankerten auch riesige 200-Meter-Tanker. Für unsere Yum Yum sollte es also tief genug sein.


Am nächsten Morgen dauerte das Einklarieren ebenfalls seine Zeit. Mit Hilfe der freundlichen Mitarbeiter füllten wir die rund zwanzig Formulare aus – manche davon schienen identisch, aber jede Behörde brauchte offenbar ihr eigenes. Dass sie vollständig auf Japanisch waren, machte es nicht einfacher; die meisten Mitarbeiter sprachen kein Englisch.


Mirko und ich verbrachten die ersten Wochen in der tropischen Region Japans. Japan erstreckt sich weiter nach Südwesten, als viele annehmen – auch ich wusste das vorher nicht. Die sogenannten Ryūkyū-Inseln ziehen sich über Okinawa hinaus bis fast nach Taiwan. Die westlichste Insel Japans liegt sogar nur 110 Kilometer davon entfernt.


Gleich zu Beginn unserer Japanreise besorgten wir uns zwei Klappräder, damit wir an Land schnell und unkompliziert von A nach B kamen. Dass es in Japan an Verbindungen mangelt, konnten wir allerdings nicht behaupten: Sobald auf einer Insel Menschen leben, scheint es auch eine Fähre zu geben. Dazu kommen jede Menge Busse, obwohl gefühlt jeder Japaner eines dieser kleinen, quadratischen „Box“-Autos besitzt, um zum Supermarkt um die Ecke zu fahren.


Mit den Rädern machten wir ganze Inselrundfahrten und erkundeten sowohl Täler als auch die hügelige Landschaft – Gegenden, die zu Fuß in dieser Zeit für uns niemals erreichbar gewesen wären. Unsere Route führte uns durch kleine, authentische Fischerorte, zu Shintō-Schreinen und buddhistischen Tempeln – Shintō und Buddhismus gehen hier Hand in Hand – sowie zu japanischen Burgen und auf versteckte Pfade, die zu kleinen Kirchen führten. Wahrscheinlich legten wir in unseren ersten drei Monaten in Japan mit dem Fahrrad mehr Kilometer zurück, als wir in ganz Mikronesien zusammen zu Fuß gegangen waren. 


  • Einklarieren mit den hilfbereiten Japanern
  • Endlich sind unsere Fahrräder da: Land Cabbage & Black Bird
  • Japans Inselidylle: Kerama Islands (Okinawa)

Neben der faszinierenden Kultur und den vielen kleinen Entdeckungen unterwegs  gab es noch etwas, das uns besonders begeisterte: das japanische Essen. Wir verliebten uns sofort in die japanische Küche. Vor allem wer Fisch oder Tofu mag, kommt hier voll auf seine Kosten – und das bezieht sich nur aufs Essen, nicht auf den Preis. In Japan essen zu gehen ist tatsächlich günstig.


Bei fast jedem unserer Stopps gingen wir abends in ein kleines lokales Restaurant, wenn es eines gab. Mal war es ein Ramen-Restaurant, in dem man am Automaten bestellt, mal eine Izakaya, in der viele kleine Gerichte angeboten werden. Manchmal war es auch einfach ein kleines familiäres Lokal mit drei Gerichten auf der Karte. Alles, was wir probierten, schmeckte großartig.


Am besten war eigentlich immer das, was uns der Koch, die Besitzerin oder der Kellner empfahl. Und jetzt kommt ein Geheimtipp: Das japanische Zauberwort dazu lautet おすすめ (osusume), was übersetzt „Empfehlung“ bedeutet. Dieses Wort bescherte uns nicht nur leckere Gerichte, sondern auch einmal eine Gratisverkostung von Shōchū und Sake – dem typischen japanischen Schnaps und Reiswein.


  • Sightseeing in Naha geht leichter mit frischem Sushi
  • Unsere erste Isakaya-Erfahrung: Maki, frisches Sashimi, Tofu-Salat & Mais-Tempura
  • Street Food (Yatai) in Fukuoka

Während auf unseren Tellern die unterschiedlichsten Fischvariationen landeten und wir an zahlreichen, riesigen Thunfischfarmen vorbei segelten, machten sich die Fische im Meer selbst dagegen erstaunlich rar – zumindest in den Gewässern vor den dichter besiedelten Gebieten. Unsere Angel fing dort jedenfalls irgendwann zuverlässiger Seegras als Fische.


Was die Natur betrifft, fanden wir anfangs Inseln mit weißen, unverbauten Sandstränden und naturbelassene Orte. Je weiter wir aber nach Nordosten und zu den japanischen Hauptinseln kamen, desto häufiger stießen wir auf riesige Wellenbrecher und gewaltige Betonmauern. Da Japan regelmäßig von starken Taifunen getroffen wird, sollen diese nackten, grauen Schutzanlagen die Bevölkerung schützen. Schön fanden wir sie nicht immer, ihren Zweck konnten wir aber gut nachvollziehen.


Japan hatte uns in den ersten Wochen bereits auf so viele verschiedene Arten überrascht – mit seiner Kultur, dem großartigen Essen und vor allem mit der unglaublichen Herzlichkeit seiner Menschen. Doch wie es sich anfühlt, mit einem Segelboot durch Japan zu reisen, sollten wir erst noch herausfinden.


  • Einfaches Süßwasser-Fischen mit Leine & Haken in Guam
  • Nur Soldaten: Guam ist eine wichtige US Navy Base im Pazifik
  • Was man in Guam am besten kann: Shoppen
  • Überfahrt von Guam nach Japan bei bestem Wetter
  • Unser erster Blinder Passagier: Der Tölpel namens Dodo
  • Auch der Captain braucht mal wenig Schlaf
  • Unser zweiter, etwas kleinerer Passagier: Eine Pazifikschwalbe
  • Ein Hoch auf Amazon! Unsere Klappräder finden unbeschadet den Weg in die Yonabaru Marina, Okinawa
  • ... und werden gleich ausprobiert.
  • Bestellen an einem Automat - ganz normaler japanischer Alltag
  • Eines unserer Lieblingsessen: Ramen
  • Tropische Inseln im südosten Japans
  • Hier wusste Mirko noch nicht, dass es sein letzter großer Fang sein würde...
  • Shisa - die Beschützer Okinawas
  • Shuri Castle, Naha, Okinawa
  • Okinoerabujima, die Insel der Klippen und Höhlen
  • Mirko bringt unseren neusten Fund, einen Fender, zurück zur Yum Yum
  • „Seglergold“ am Strand: ein Kugelfender zwischen (leider sehr viel) angespültem Müll.
  • Ein „Box“-Auto wird kurzerhand auf einem privaten Fischerboot verschifft.
  • Tempel in Yanai, Yamagutchi
  • Köstliche heiße Süßkartoffeln! (Imo)
  • Fischmarkt in Naha
  • Lokale Spezialität auf Yoron Island: Heißer Reis mit kaltem Grüntee überschüttet
  • Japanischer Reis-Porridge, Yoron Island
  • Weiße Sandstrände von Okinawa
  • Typisch japansiche Küste: Wellenbrecher & Betonwände so weit das Auge reicht
  • Vorbereitungen auf ein Fest mit hunderten Yanai-Goldfischlaternen
  • Warum gibts das in Europa noch nicht?
  • Die 99 Inseln von Sasebo, Kyushu
  • Ankern zwischen Inselpilzen in Sasebo
  • Es gibt selbst geerntete Austern zum Abendessen
  • Spicy Miso Ramen, I love you
  • Mal was anderes: Ein frittierter fliegender Fisch aus Yakushima



 
 
 

1 Kommentar


Gast
vor 16 Stunden

Oh war das toll wieder von Euch zu lesen! Ein herzliches Danke!

Daniela Du hast Wort gehslten! 🫶

Lg Christine

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Vielen Dank :)

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